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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Janrg.26

Nr.11

Verliebtes über 'Friecfrich den Grossen
Egon

H

Straß6urg~r

Gräfin Orsefska

Trau von Kannenberg

Als Friedrich der Große noch Kronprinz war, glühte in
ihm das Feuer eines temperamentvollen Jünglings.
Das
ewige Exerzieren m achte ihm keinen Spaß; trotz alledem
hielt man ihn in Potsdam hermetisch versch lossen - keine
Frau wurde ihm zum Vergnügen und zur seelischen Erb auun g beigegeben.
Dcr gestrenge Vater hatte dafür kein
Verständnis. Er goutierte mchr den preußischen Parademarsch.
A uf eincr Reise nach Dresden lernte Fritz die Gräfin
Orselska, ein e schöne Frau mit Samtaugen und wohlgeformten Lippcn kennen. Fritz. der unberührte Kronprinz, vcrliebte sich heftig in die Drcsdeller Dame. und als der Hof
seine Gcgenvisite in Potsdam machte, schlug dcr junge Mann
alle Bariieren zusammen lind hesuchte die Angebe tete in
ihrem Zimmer
. höchst selbst!
Die Folgen bliebcn nicht aus .. . Der Siebzehnjährige ward
Vater.
Der König war außer sich über seine großväterliche, außereheliche Würdc. Er befahl den Sohn zu sich und sehric ihn
wütend an:
.. Kerl, was hast du begangen . . . einen Jungen?
.. Mein Temperament!" erwiderte Fritz, .. Was kann ich

Im sonnigen Rheinsberg. im Rokokotraumland Friedriehs
des Großen ging es oft sehr verliebt zu. genau so, wie bei
Herrn Voltaire in Ciwe)' in dcr Champagne, wo sehr viel
Scherz getriebcn und zärtlich geliebkost wurde.
Friedrich der Große, dem später die Kriege wenig Zeit
für verlie bte Dinge ließen, amüsierte sich da und dort in der
Stille eines Lustwäldchens, und n achdem er einmal ein Schäferstündchen durchlebt hatte. sehnte er sich rasch nach anderen
hübschen Fo rtsetzun ge n.
Frau von Kannenberg bewerkstelligte manches mit ihrem schlanken. hepuderten Köpfchen.
Da erschien eines Tages eine Frau von Brand auf der Bildfläche in Rheinsberg.
Sie wird uns als elegante. jugendliche, reizvolle
Erscheinung geschildert. Friedrieh fand die schöne Frau cnt~ücke nd, und Frau von Kannenherg besorgte die nötigen
Zusammenkunfte. Mit großer Beredsamkeit wußte sie die
Umgebung von heiden fern zu halten und kein Hofmann
oder Militär durfte in den Plauderstündchen den beiden
Verliebten zu nahe treten .
.. Der Kronprinz hat strengste Ordre erteilt, niemanden zuzulassen" ... sagte sie energisch. ..Bei Todesstrafe, ve rlassen
Und ihrer Energie wich die HofSie diese Schwelle" . "
gcsellsch a ft aus.
Eines :r.ages kam der König nach Rheinsberg. Der König
mußte I-ntz dnngend sprechen.
Fntz hatte ein Plauderst ündchen , und Frau von Kannenberg hatte wieder allerhöchste und strengste Ordre . . . Der König blitzte ab .. .
cr wollte heftig und zornig werden. Es half ihm nichts . .. .
Später lobte er seinem Sohne gegenüber diese prächtige
Frau bis in die Puppen. Sie mußte heim Gala-Diner an seiner
rechten, Frau von Brand. die etwas abgespannt war, zu
sei ner linken Seite Platz nehmen .
Das Rokoko-Zeitalter hatte Verständnis für solehe Dinge.

dafür'~"

"Du hättest es zügeln sollen his ?Um Altar."
Fritz anwortete seclenruhig:
"Majestäten haben ein Recht darauf. vom A ugenblick der
Ehe an sich ins Privatleben zurückwz iehen . . . Meine Zeit
ist nun gekommen".
Auf diese ziemlich grüne Bemerkung hin. verabfolgte der
König dem vorlauten Sohne eine schallende Ohrfeige und gab
ihm 48 Stunden Stubenarrest.
Zur selben Stunde traf ein Brief von der Gräfin Orsclska
aus Dresden ein: "Lieber Freund. unser Sohn hat alle Anlagen, zwei Meter groß und Eurem Herrn Vater ein tapferer
Flügelmann zu werden. Der Brief kam dem Könige zu Gesicht und beruhigt lud er seinen Sohn zur \Vagenfahrt nach
Potsdam ein . . . Allcs war verziehen . . . . Er brauchte eben
große Soldaten.

•

E!eonore von Wre/GG
In Küstrin lernte friedrieh die schöne Eleonore kenn en. die
ebenso naiv in ihrer Lebensauffassung war wie qe istreich.
Sein Vater wußte davon. doch nahm er es dieses Mal nicht
so tragisch mit der "Am()ur" d,es So hne~ .. Er ?etrachtde die
Zuneigung zu dieser schonen Frau als F hrt, wie Ihn die vornehme Welf eben haben muß.
friedrich verlebte amüsante Stunden mit Frau Eleonore.
während ihr Catte, ein Obrist. hei solchen Gelegcnheiten
regelm iißig große Regimentsübungcn vornehmen . mußte, die
sieh je nachdem so od~cr sü au~dehnten: Der Obnst s~halt~te
an diesen Tagen das (,edaehtnls fur seme Liebe und tur scme
Gemahlin. vollständig aus, lI;,d em er ganz vom Gedankcn an
Avancement heseelt war. Er pflegte seinem ..Intimus. einem
Genera lm ajor von W red~, ins Ohr" zu !lustern : .. Lieber
Joaehim, eine herrlichere Erinnerung furLore und mich gibt
es faktisch nicht: mein zuk unftl ger KOOlg zeichnet meine
Frau durch Zärtlichkeit aus und mich durch einen Kranz
hoher und höchster Orden."
.. Wann verleiht er dir die höchsten?" fragte spöttisch
von \Vrede.
"Das ahnst du nicht?"
.. Ich wüßte wirklich keine A ntwort dir darauf zu geben ."
.. l\un", mcintc schelmisch der Gattc ... wenn Eleonore nach
einer Ccfeehtsühung meiner Truppe die Ruhe des Schlafgemaches ersehnt. Ich bin im übrigcn Patriot und hänge an
meincm Königshaus".
Böse ZunlJc-n hehaupten, daß diesc Ohu ngcn schu ld daran
warcn. daß ~ine Tochter der \,vrcieh ei n e frappante AhnJiehkeit mit den Hohenzollern aufzuweisen hatte.

14

•

Signora Barberini
An der Konfidem:tnfcl speistc Friedrieh mit der rassigen
ßarbeTlDl: Der Abend vcrlief angeregt und Signora sehwatzte
das entzuc~endstc und süßeste Zeug zusammen: Ob Fritz sie
auch :,vlrkhch hebe, ob cr ihr treu sein könne, ob er zwischen
den Staatsgeschfiften fünf Minuten Zeit für sie übrig habe?!
fritz, hejahte selbstredend. besonders, als er. angeregt von
dem 1 anz, den sie ihm zum Besten gab, mit großen. versehnten Augen auf ihre Beine starrte.
.. Schön. schön, was. kleiner Mann '?
Barberini danzt wie
Engel."
"Prachtvoll, Signorina'" lächelte er mit klopfendem Herzen.
..Prachtvoll'"
.. Sagte Craf. Rothenburg gestern crst. auch Graf Algarotti
sagte es . . . R,tt er Chazot und elll Pole und ein Engländer"
~etzte sie übermütig hinzu.
'
.. Wann äußerten diese sich alle'?" fragte Friedrich eifersüchtig.
.. Bei solche Gelegenheit . . . immer nach Diner."
Ihr
de utsches Kauderwelsch. klang entzückend.
,.Du hast ebenso .. . wie 'hier?" stieß der König hervor.
"Du bist mir nicht treu gewesen?"
"Lieber kleiner Fritz, was sind das für große Dummheiten?"
Mit diese Beine treu'? Mit meinem Gehalt treu? Mit deinem
(iesicht treu? Mit meinem Gesicht treu? ... O. wie terrieht
sein Kiinige von Preußen ,•.
Fritz hiß sich auf di e Lippen . . . Er li eß sich nochmals die
Namen ihrer Kava li ere nennen und bald befanden sich diese
im Kriege oder wie der Italiener und Engländer, wurden sie
aus Berli n verwiesen.
Signora · Barberini sorg tc sofor t bei ähnlichen königlichen
,1V\aßnahmen für neuen Ersatz . Es ware n ja noch vi!!le Gents
in der Residenz. F riedrich gab das Spiel schließlich auf und
ebcnso die ganze schöne. trcul ose Signora Barberini
        
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