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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.la.

"Sie haben mich gestern gesehen, als ich mit einer Dame ging? Ich habe es wohl gemerkt. daß Sie erstaunt waren, nicht nur, daß
Sie mich in dieser abgelegenen Gegend trafen ' " - Habe ich recht?"
Im zuckte die Achseln und sagte:
"Gesehen habe ich Sie freilich, aber gewundert habe ich mich nicht.
Ich selber war ja auch durch reinen Zufall dahin geraten. Man kommt ja
so überall hin. Aberweshalb sollte ich mich besonders gewundert haben?"
"Nun, über meine Begleiterin. Denn ich hatte sie grade unterge~
faßt, und man sah deutlich, daß da gewiß mehr zwischen mir und
dem Mädel sein mußte, als eine zufällige Bekanntschaft. Ihnen werde
ich doch nunts vormachen. Dazu sind Sie ein viel zu guter Beobachter, das weiß ich. Und die Betreffende war nicht grade elegant,
noch sonderlich hübsch. Das haben Sie natürlich auch auf den ersten
Blick gesehen." - "Was heißt hübsch? Der Geschmack ist natürlich
verschieden<:- "Freilich I Aber gestehen Sie, daß Sie es von mir
anders gewohnt sind, daß im immer Werl, einen ganz besonderen
Wert darauf gelegt habe, Freundinnen zu haben die was vorstellen.
Darauf gebe im wirklich se h r viel aber mehr fÖr die Welt."
"Für ?ie Welt?" - "Ja! Um 'damit zu renommieren." - ·"Im
glaub~ SI~ :u ve;stehen." - "Das nehme ich an. Und ich glaube,
d~ SIe mIr tn metner Theorie Qdpflimten werden, die ich mir im Laufe
meIDes Lebens gebildet habe." - "Und das wäre?" - "Der Unterschied ~wischen Tisch und Bett, um mich ganz prägnant auszudrücken."
"ZWIschen Tisch und Bett? - Sie meinen
"
"Ja! - Daß ich mir etwas anderes für den 'ii~ch wünsche als für
sonst. Di~ eine i~t für ~ich g'änz allein da, aber die andere für die
Welt; MIt der etn~ z~lgt man sim vor den Leuten, mit der geht
man tn Theater und tn dIe Restaurants. sie ist für die große Offentlichkeit, um damit zu renommieren. Aber Sie werden selbst nur zu gHt
wissen, daß das nimt immer eine reine Freude ist, was das Allein'sein zu zweien angeht." - "Das ist nicht unrichtig."
"Da genügt das hübsche Aussehen allein nicht. Da will man anderes
haben. Und was gar das Punetum Puneti betrifft, so ist das mit
den Schönheiten oft eine gar seltsame Geschichte. Die haben so
furmtbar viel Rücksichten zu nehmen auf ihre Smönheit. Man darf
ihnen nicht zv. nahe kommen. Immer fürchten sie, daß ein bißchen
Leidenschaft ihrem lieben A.ußeren schaden könnte Die Angst, daß sich
das in den Mundwinkeln und an den Augen zeigen könne, läßt sie nimt
dazu kommen, sich ganz hinzugeben." - "Stimmt! stimmt! . . ."
"Und dazu sind sie verwöhnt. Es macht all unser Werben keinen
smtgemamt, aber sie s
    
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