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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

,Janrg. :26

Nr.l0

DER HERZOG VON MANTUA
'f)o n 7 , an% Dux
Im 16. Jahrhundert lebte die berüchtigte Kupplerin Isabetta Vanzaga. Sie versorgte die ganze Aristokratie Venedigs und Roms
mit den Delikatessen des weiblichen Geschlechts und sie war unermüdlich in dieser Tätigkeit. Ein Satiriker jener Zeit, Francisco
Papperlardo, verglich
die Emsige mit der
ewig
sprudelnden
Qyelle I nur meinte
er, das Wasser sei
trübe und gifthaltig
. . . sei ungenießbar!
Der Vanzaga kam
dieser Ausspruch zu
Ohren und sie schwor,
an der bosen Zunge
ihres dichtenden Zeitgenossen Vergeltung
zu üben. Das schien
ihr um so leichter,
da Francesco stets
auf der Suche eines
kleinen
venezianischen Herzens war
und wie ein moderner Kavalier nie
selbst suchen ging,
sondern sich die M ädmen zuführen ließ.
Die Kupplerin be~
smloß, ihre Rame an
der Stelle zu kühlen,
wo die Mensmen
am sterblichsten sind.
Ohne daß Isabetta
Vanzaga von Fran~
cesco erkannt wurde,
bot sie ihm ihre Ware
feil und bat · um
seinen Besuch.
Dan~ aber versprach die Kupplerin
dem Mädmen reimen
Lohn, wofern sie dem
Dichter alles zusage
und nichts halte. Und
sie
fügte
hinzu:
"Mein Kind, der
Herzog von Mantua, der bei unserem Dogen zu Gaste ist, soll
dich heute · Namt aum besuchen, wenn du mir folgst. Er ist ein
reicher Fürst! . . ." Bei diesem Gedanken klopfte der Kleinen
da~ Herz heftiger und sie sagte Signora alles zu.
Der Dienter aber war bei der Unterredung, ohne daß es Signora
hörte, in ihr Haus und in das Nebenzimmer getreten und hatte
alles erlausent. Er markierte den Verliebten und bat um Erhörung
seiner Wünsche. Die kleine Florentinerin spielte ihre Rolle nimt
senlechter als der Liebhaber. Und durch's Schlüsselloch grinste vergnügt die Fratze der Vanzaga. Als der Poet gar zu zärtlich
werden wollte, gab das Mädenen ihm eine schallende Ohrfeige und
nun riß die Kupplerin die Tür des Zimmers auf. Unter Freudentränen sagte sie: "Die trübe Qyelle lacht helle Tränen!" Francesco tat, als sei er tief niedergesenlagen und besiegt. .. Da
aber erwachte plötzlich wieder bei der Alten der Gl:schäftsgeist

und sie meinte: "Ihr seid für die Beleidigung bestraft .•• im ver~
zeihe • . ' Nehmt das Mädmen für 30 Dukaten."
"Für Geld 1" fragte entrüstet der Poet. "Ihr seid wahnwitzig;
nom bin ich jung und die Jugend lieht das Herz und den Leib,
wenn das Herz wieder
Liebe versmenkt."
Nun ergriff sie der
heiligste Z orn dei
Götter: "Von wem
lebe im sonst als von
der Sehnsumt anderer ! Elender, poetismer
Smwätzer!"
Und sie verlieh dem
Unwillen und der
Wutplastismen Ausdruck,
indem sie
einen Stock nahm
und den Dimter aus
dem Hause jagte.
Francesco damte
in seiner Gondel an
das schöne Mädmen.
Er überlegte: "Wie
kann Ich sie heute
noch besitzen 1" Und
seine Barke steuerte
er auf das Haus des
Trödlers, der vielerlei smöne Kleider
zu verleihen hatte.
Rasm verwandelte
sim Francesco in
den Herzog von
Mantua und mit
Farbstift und Mi7'
menkunst ward sein
Gesimt bald ein anderes denn zuvor ...
Festlim empfing
man ihn in Isabettas
Haus. Die Floren~
tinerin smwor dem
"Herzog", er sei der
erste Mann, dem sie
angehöre und der
Herzog war ritterlich genug, zu tun, als glaube er ihren Worten. Eine köstliche
Stunde rausmte vorüber und als draußen ein Gondellied ertönte,
schwärmte verzückt das kleine Mädchen und es fIüsterte ihm leise
zu: "Nun bin ich deine Herzogin."
Hierauf aber, als sei die Hölle los, stürmte er ins Nebengemach
und ging zur Kupplerin: "Edle frau, ich habe meinen Beutel vergessen . " meinen Beutel mit Dukaten. Leiht mir bis morgen 500 ...
Ihr könnt 1000 morgen wieder bekommen... Holt Sie Eum im
Palaste des Dogen, wo ich wohne." Isabetta lächelte: "So viel Ihr
wollt!/I Und sie gab ihm das verlangte Geld mit der Geste einer
Dienerin . ..
Der Poet schenkte der Kleinen . 100 Dukaten und behielt 400 für
sich ... "denn", dachte er, "wenn zwei sich in Liebe ganz ergehen, so
darf nie nu!' ein Te i I Gold für diese Gunstbezeugung erhalten .. wenn
zwei. .. dann sind die Ideale gerettet. Er verabschiedete sim von

I

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