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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.9

Jahrg.26

"Wieso denn, mein Junge? Entrüste dic:h nicht zu früh! PaB
mal auf; wenn ich sc:hon einmal solche Sprünge mache, kann ich
in kein Restaurant gehen, dazu bin i~l doch zu be!(annt hier; also
bleib ich still zu Hause ; die Frau ist verreist, die Dienstboten be=

Und die Tür tat sich auf, und herein, im Reisekostüm, trat Hertha, seine Frau.
Er stand da, ohne ein Wort sprechen zu kön~n, so war ihm
der Schreck in die Glieder gefahren.
"Guten Tag, lieber Mann", sagte die Baronin, harmlos lächelnd.
Endlich hat er die Beherrschung wieder und fragt: "Aber, liebe
Hertha, weshalb kommst du denn auch zurück?"
"Ich wollte dich eben überraschen, lieber Fritz", erwiderte sie mit
pikantem Lächeln.
"Aber ich sagte dir doch, daß ich nur einen bis zwei Tage hier
zu tun habe."
"Nun ja, eben deshalb kam ich ja.
tun hier."

Idl habe nämlich auch zu

"Aber dann hätten wir doch zusammen fahren können."
"Nein, ich wollte dich ja überraschen, deshalb komme im mit
dem zweiten Zug", entgegnete sie mit Schelmerei.
Er mußte sich festhalten, um nich t umzusi nken.
Plötzlich bemerkte sie den feierlich gedeckten Tisch .
"Ach, was gibts denn hier ?" fragte sie erstaunt, harmlos.
Und stotternd erwiderte er: " Ach, ich - ich habe den Arzt %u
Tisch gebeten, jawohl!"
"So, so, und deshalb soviel G lanz?"
"Gott ja, so'n bißchen nur."
"Nun, dann könner. wir ja jetzt zu dreien feiern, nicht wahr?"
I,Selbstverständlich, liebe Herta."
Er erwartete jeden Augenblilt, daß die Klingel gehen und das
Gewitter einsmlagen würde. I ,

url.lUhe ich, na und mein Fredy kennt mich doch von früher her I was soll da passieren 7"
"Ich sehe, bei dir ist jedes W ort vergebens. A lso tu, was du
nicht lassen kannst. Adieu !"
Als der Baron allein war, klingelte er dem Kammerdiener, der
sofort erschien.
"Fredy, nun schnell dem Traiteur tdephonieren, und dann delten,
aber mit Schidl, verstanden 7"
Dann ging er ins An kleidezimmer und machte sorgfältigst
Toilette: hellgraue Hose, wei ße Weste und schwarzer Gehrolt,
ins Knopfloch eine Gardenie und dann ein wenig Ylang#Ylang ins
Taschentuch.
Nach zwanzig Minuten war alles all right.
Prüfend stand er im Speisezimmer und sah mit Feldherrnblick über die reien uncl geschmalt vofl gedeltte Tafel. A lles
war nach seinem Wunsch und Fl'edy bekam noch einen Schein
zugesteckt.
Fünf Minuten vor eins.
Gleich konnte sie kommen.,
Er war aufgeregt wie ein Sekundaner, der seine erste Liebe
erwartet.
Plötzlich ging die Glocke.
Beide, Herr und Diener, fuhren vor Schreck zusam men.
Dann eilte Fredy hinaus.
Und der Baron, mit pochendem Herzen, stand an der Tür und
wartete.

16

Inzwischen hatte sie abgelegt und da sah sie .ihn erst genauer an.
"Schau, schau! hast du dich aber fein gemacht!"
Verlegen entgegnete er : ,,0 , du schp.rzest!"
"In der Tat, lieber Fritz, du siehst ja ganz verjüngt aus."
"Verjüngt?

alt. "

Na, erlaube mal -

ich bin doch überhaupt noch nicht
        
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