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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Joflrg.20

N r. 9

Komm in die stille Nacht.l

Leb e n
Wer niemals im Arrestlokale schlief,
indes man ihnf die Wohnung ausgeplündert,
wer niemals hinter roten Fahnen lief
und nie sein Leid mit Rhizinus geli,ldert;
wer nie von Zuhältern verprügelt ward
und nie an Cocain sich übergeben ,
wer bei der heut'gen Zeit noch immer spart,
der weiß noch n'ichts vom Leben.
Wer niemals früh nach einer Liebesnacht
den Schlips verwechselt mit der Liebsten Gürtel,
wer niemals einen um sein Geld gebracht
und kein Verhältnis hat im Scheunenviertel .
wer ins Theater ohne Freibillet noch geht, '
wen man noch nie mußt' aus dem Rinnstein heben.
wer unter Polizeiaufsicht nicht steht,
der weiß noch nichts vom Leben.
Wer nie zur Probe sich mal hat erhängt,
wer nie in einem Bett schlief mit zwei Frauen;
wer Wohnung sucht und dabei immer denkt
daß mon bei uns mal Wohnungen wird ba~en;
wer nie mit Bindfaden die Hose band
wer nie der D/Tne falsche Schecks geg~ben,
wer im Hotelbett niemals Wanzen /and der weiß noch nichts vom Leben.

Komm in die stille Nacht, mein Lieb ,
in die Sommernacht mit grün eIl Mallen.
Im Garten schwebt die Sehnsucht, mein Lieb ,
weht bange Schwüle, gehn dunkle Sch atten .
Im Garten flötet die Nachtigall nur,
die Lüfte hauchen wie Liebeskosen ,
und Nelken glühen wie Blut so rot,
wie Liebesflammen die dunklen Rosen.
Die Blätter flüstern ein Schlummerlied,
wie ein Geheimnis rauscht's in den Zweigen,
und nur der düsternde Weiher steht
in liebestrunkenem, tiefem Schweigen.

o komm in die schwüle Nacht, mein Lieb,
sie raunt von Küssen und heißem Kosen .
Wir wollen uns lieben und selig sein
und träumen in Blüten und dunklen Rosen.
Karfn Wild.

Pro

domo

Liebe läßt sich nicht ersticken; sie muß ausheilen oder aus·
klingen.

Hans Waldau

Mancher gilt für bescheiden, der wählerisch ist.

Grüble nicht!

•

Grüble nicht, Mensch, du wirst doch nie wissen,
was sich der Herrgott dabei gedacht,
daß er die Trauben so süß zum Genießen,
die Lippen so süß zum Küssen gemacht!
Packe das Leben mit beiden Händen,
pflück dir die herrlichsten Blumen zum Strauß,
küsse die schönsten Frau'n aUerenden!
Schnell, ach zu schnell kommt der letzte Kehraus!
Geno Leandu

Yuoll ne

Der eine jammert, daß er das Fest nicht ausgekostet hat und der es ausgekostet, - hat Katzenjammer.
Der Kurzsichtige ist nicht immer glücklich - aber der Glückliche
ist meist kurzsichtig.
.*

Die Tränen
Hoffnungen .

der Enttäuschunfl begießen die Wurzeln

neuer

M. H. von Bacr

R. Ch . .Wiel?ond

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