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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jahrg.26

Nr. 9

Da schlug draußen die Flurglocke an. Er hörte Frau Roggenkamps
Smritte zur Tür smlürfen. Dann fragte eine Stimme, die er nimt
kannte, ob er zu Hause sei.
Es klopfte. Auf Haralds "Herein" öffnete sim die Tür und ein
smlanker, junger Herr in hommodischem Cutaway stand vor ihm.
"Habe im die Ehre mit Herrn Harald Meißner ?", fragte die
Stimme wieder.
"Der bin im", erwiderte Harald. " Womit kann ich dienen?"
"Ich darf wohl Platz nehmen", sagte der jun ge Herr.
Harald wies belustigt auf einen Stuhl, sah nom einen letzten
mißtrauismen Blick Frau Roggenka mps, dann smloß sim die Tü r ·
und er war mit dem Unbekannten
allein.
"Mit wem habe im eigentlim die
Ehre 7", fragte Harald ein wenig
spöttisch und woHte an dem Stuhle
des Fremden vorbei zu seinem
Sessel gehen.
Da erhob sim der Jüngling', Imlang die Arme um Haralds Hals
und flüsterte: "Mit einem ganz
wildfrem den
Mensmen.
Mein
Name ist Amor im Cutaway."
"Zum Te ufe!, Lissy" , zismte
Harald ersmreckt, "bist du tol! n"
Sie knipsee als Antwort nur die
Tismlampe an, wies auf sim und
fragte: "Bin tm nicht ein niedlimer
Mann?" Dabei legte sie einen
halbaufgeraumten Zigarettenrest
in die Asmensmale.
"Und woher hast du den Anzug, das Oberhemd die Stiefe! und
den Hut - - _1';
Sie lamte.
.
"W ozu hat man eine~ kleinen
Bruder ?"
"Liegt dir denn so viel am Ge~
winn en der Wette?" fragte er.
"Im habe dim dom so lieb",
flüsterte sie ihm ins Ohr und gab
ihm einen langen Kuß.
Als bald darauf Frau Roggen~
kam p wieder eintrat, nam etwaigen
W üns.men. Herrn Haralds fragt e
und dIe Bitte anknüpfte, er möge,
falls er zu Hause bliebe, auf die
Tür amten, da sie ins Theater zu
gehen beabsimtigte, sah sie ihren
Zimmerherrn und seinen Besum
eifrig und friedlim beim Kamnspiel.
.
"Ist so ein Kartenabend nimt
gemütl im?" fragte die Wirtin "Gewiß", entgegnete Harald,
"und besonders dann, wenn ein
alter, lieber Freund einen so unerwartet besumt - -"
"Halten Sie ihn mal fest, Herr
Harald - - - "
"Im wüßte nimt, was ich lieber
täte, Frau Roggenkamp _ _ "
Dann klappte die Tür und die
beiden waren aHein.
- - Seit diesem Abend senien
Harald eifriger Anhänger des edlen
Kartens piels geworden zu sein, batte jede W ome seine zwei Skatabende (zu zlll' eien> und die guten Beziehungen zu seiner W irtin
stiegen mit dem DoHar um die \Vette. Und die vierte W ome verg ing
und brachte die Entsmeidung der WeHe. Und als eines smönen
Sonntagsmorgens Frau Roggenkamp wieder vor iMem Mietsherrn
stand, sagte der: "Na, Frau Roggenkamp, nun werde im mim wohl
bald verloben - - -"
"Das ist remt, Herr Harald. Das wird abtr Ihrem Freunde, der
Sie immer besumt, gar nicht remt sein - - -"
"Wieso?"
"Na, dann werden die Skatabende wohl aufhören - - Ist
vielleimt aum ganz gut - .- -"
"Wie meinen Sie das, Frau Roggenkamp ?"
Die lamte. "Im glaube, Ihr Freund ist ein - - - kleiner Homstapler - - -"
"Aber, Frau Roggenkamp, das ist ja ein absurder Gedan ke - - "
"Dom, dom, Herr Harald, neulim ging im auf der Promenade
spazieren und da habe im Ihren Freund gesehen - - --"

"Ist das denn so smlimm? - - -?"
"Nein, aber Ihr Freund hatte sich verkleidet - - -"
"Soooooo? ? 1 ! ! !"
,Ja, und zwar - _. - als Dame."
Harald smnappte eine Sekunde lang nam Luft, dann lämflte er.
Das wu ndert mich gar nicht, das ist ja sein Beruf."
" "Soooooooo?????!!!!!" kam es diesmal noch gedehnter von der
andern Sei te.
Harald bekam Oberwasser und zog ein geheimnisvolles Gesimt.
"Wahrsmeinlim hat der Junge die Spur irgend ~ines ~ erbrecher,s
verfolgt.
Er ist nämlim - - - Privatdetektiv, mel~ Freunu,
übri~ens ein s,~br gesmlcku:r DetektiV - - "Das wundert mich, Herr Haraid."
"Was wundert Sie?"
"Tia, im sah einen jungen Herrn
an der Seite Ihres Freundes und
der trug genau denselben Smwa!~
bensmwanz in dem Ihr Freund Sie
sonst zu b~sumen pflegte - - "
"Liebe Frau Roggenkamp, bei
den teuren Kleiderpreisen von
heute - -- -!!! "
"Herr Harald, Sie sind einWas denn, hohe Wirtin?"
"Sie sind remt unvorsimtig - "

::Wieso?- __ "
"Nun, wenn Ihr Freund ein so
tümtiger Detektiv ist, dann wundert
es mim nur, daß er für seine Perücken - - Lockennadeln braumt
und daß sonderbarerweise seinen
Perücken die Haare aUllzugehn
smeinen - - - "
"Das habe im ni~ bemerkt",
stotterte Harald.
~_____

sim

~iiii-i-~~~

~

smließlich

müssen _ _ _ u

nom

hätte

hatte Frau
nurDarauf
eine Antwort.
Sie Roggenkamp
legte etwas,
was in hellgrünes Seidenpapier gewickelt war, auf den Tism.
"Was meinen Sie wohl, was das
ist, Herr Hara/d?"
Der zuckte die Amseln - "Dann will im es Ihnen sagen.
Sems Lo&eRnadeln, vier Haallocken, ein Päckmen Puderpapier
und ein Batisttasmentud!; das alles
bat Ibr Freund, der gesmi&te
Detektiv, an den Sl;atabenden hier
gelassen - - -"
.,Eigenartig", brummte Harald,
"d~~ muß im me!~em Freund mal
erzahlen - - Frau Roggenkamp ramte wieder.
"Ja ja, es wird hohe Zei!, d~ß
Sie Sim ver - - -, daß SIe slm
verloben - - -"
"Aber Sie spredlcn heute andauernd in Rätseln, beste Frau Roggenkamp---"
_
"Nein, durmaus nimt, Herr
Harald
im hätte es nur be dauert' wenn Ihre kleine Braut
einen p~genkopf sm neiden lassen

"Gott", murmelte Harald, man soll den Emanzipa~ionsbestrebungen
der Frau keinesfalls im Wege stehen. Sie kennen Ja das alte Wort:
Langes Haar und kurzer Verstand. Manme Frauen wollen dem
abhelfen - - _.
"Na, mit dem kurzen Verstand stimmt es wohl manmmal nimt
- - -, Herr Harald - -?"
"Wie meinen Sie das - - - ?"
"Nun, im freue mim smon auf die Verlobung - - - im
Herbst- - - "
"Nanu ?"

.

11

Na ja im bin dom smon vor vier Women etngeladen worden - "Von 'wem denn - - -?"
"Na wenn Sie es durmaus wissen wolfen, von Ihrem FreundA~or ' im Cutaway - oder Ihrem Rcd uldigen Spielpartner oder,
wenn Sie es nom genauer wissen wo llen
von meiner kleinen
Nimte - - - Lissy
"

9
        
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