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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jahro.20

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T andaradei!

Wa ft er K ö r t i

Der Frühling kam über Nacht.

Ein duftschwange. er Hauch streicht wie eine weiche Mädchenhand
über meine Stirn. Jetzt zwitschert ein vergnügtes Kiwitt auf, nun
trillert ein jubilierendes Lailli durch die Luft. Der warme, starke
Atem, der über die erwachten Büsche und Bäume streicht, erfüllt
die Brust mit dunklem Ahnen und frohem Hoffen. Hier der schmalstämmige Baum, überflossen von lodterem Blütengeriesel - ein
weißes, blühendes Wunder. Dort die dunklen Büsche, die junge,
saftgrüne Triebe herausgesteckt haben. Und sieh' - da hodtt auch die

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El

der in Mord und Brand in den Armen einer weißen Frau das
Mysterium der Liebe erlebt.
Du lächeltest .
Im umschmeichelte die Schlankheit deiner Beine, die der zarte,
weiße Strumpf umspannte.
Bläulich schimmerte es unter dem
dünnen Stoff deines Kleides oberhalb des Kniees.
Du lächeltest.
Dann rüdttest du dich zuremt. Das blau gekrauste Seidenband,
das auf dem Weiß des Strumpfes leuchtete und sich eng um

silbrige T rauerweide
unweit
des Baches. Lang
läß t sie ihre
schmalen, wehenden Blätter
herabrinnen.
Dunkel hat sich
das Grün des
Rasens wieder
über den Abhang gelegt, ein
neuer saftiger
Teppich.

deine
vollen
Schenkel legte,
blic:kte mich
spitzbübisch an.
Rosig
schimmerte darüber
blasses Fleisch.
Da küßte im
deine
Kniee,
lieb Mädelchen.
Du
test.

Mädel,du IiebesJ ungfr'llulein,
weißt du es
nom? Gedenkst
du noch des
lachenden Junitages, da w:ir
am Saum des
schwarzen'Wal-'
des lagen? Wie
ein ernster Dom
redtte er seine
Stämme in den
lauen,
blauen
Himmel. Huschende Lich ter
Hogen durm ihn
hin. Freundlich blickte er aus sonnigen Limtungen.
Du hattest wohlig deine Glieder gelöst.
umschmiegte das Sommerkleid deinen Körper.

Weiß und duftig

n Wie schön, Sonnchen, nicht wahr? Wie wunde~schön! Wie lieb' ich die Welt, das Leben, - dich."

Du lächeltest.
Ein leeres Lämeln.

Nidttest.

Ich sah hinauf zu dir - du fagest ein wenig erhöht. - Dein
Mund war so rot, rosig deine Haut, zart wie Apfelblüten. Deine
Augen waren klar wie das Wasser des Bächleins, das unten über
graue Steine sprang und sim murmelnd im Dunkel verlor.
Ich schwärmte von Anton Wildgans, ließ einen knabenhaften,
Haumbärtigen Junker vor dir aufleben, der mit träumenden Augen
durch den Krieg, durch, sengende Sonne und neblige Namt reitet,

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lämel.

Dann
umschlang ich deine
Hüften und küß.
te deinen roten
Mund, sprach
von der Süßig a
keit der Liebe,
von
meinem
Sehnen, meinen
Wünschen.
Du nahmest
meine
Küsse,
matt, spielerism
- w ie ein Kind
an Zuckerwerk
knabbernd
herumschledtt
und lämeftest.
Da starb mein Begehren.
Und dom küßte ich dich wieder und wieder, freute mich deiner
Jugend, deiner Schönheit. Traf im dich später zuweilen, so blidttest du mich an, lämertest
mir dein süßes, heiteres Puppen fächeln entgegen. Ich nidtte dir
zu - wunschlos, du herziges, seelenloses Püppmen, du! Matter Puder liegt jetzt auf deinem Gesichtchen, blutrot
runden sich deine Lippen und dunkle Striche spannen sim im Halbbogen über deine großen, blauen Augen.
Was kümmert es mich, daß hungrige Bienen an dir nasmten, tief
ihre Rüssel in den Keim der Blume senkten! Ich gedenke der Stunde, die du und ein lichter Frühlingstag mir
schenkte, da ich mim deiner törimten Jugend freute, und danke dir
dafür, du liebes Jungfräulein !
        
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