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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

J dhrg. 20 Heute - beute endlim ! Fünf Monate hatte sie ihn nimt gesehen. Lyzzi ersmien es plötzlich unfaßlich, daß sie Tag um Tag ver~ verbramte, so viele Women, fern von ihm. Sie ordnete abermals den langgestielten Flieder in der hohen Vase, sah ungeduldig nam der Bronzeuhr,die auf dem Schreibtism stand. Ein Viertel vor sieben Uhr - nom fünfzehn Minuten Vielleimt kam er schon etwas früher Seit sechs Uhr war sie allein, die Jungfer hatte bereitwilligst Ausgang zum Smützenfest erhalten. Draußen sangen Vögel ln den Bäumen Sonne fiel in queren Strei ~ fen durm heruntergelassene Läden, sommerliche Schwüle lastete im Raum. DiejungeFrau ging hin und her ..• immer hin und her .. Ruhe - 6 Nr 8 sagte sie sich - Ruhe! Es ist ja nom viel zu früh - nahm gehorsam Platz. Der Flieder duftete stark. Fünf Monate ? Wo bUeben siedenn ? lebte sie nimt all die Zeit nur dem Vergangenen und Kommenden ? . .. in Erinnerung an ihn in Erwartung auf ihn ... indes die Gegenwart teilnahmslos an ihr zerglitt7 Und jetzt in wenigen Augenblicken mußte alle Erwartung sich erfüllen, durch diese Tür mußte er nahen - über diese Schwelle schreiten, auf diesem Sofa sitzen, neben ihr, ganz dicht neben ihr . . . jetzt gleich. _ Wie lange hatte sie hier gewartet ?Erst drei Minuten? Sie schaute immerwäh~ rend nam dem kleinen, goldenen Zeiger, der unmerklich - langsam- - Iangsam - - -
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