Path:

Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

.Vr.8

Jalir(J. 26

T rot z

Das war die Nacht . ..

Starb mir die Mutter, als jung ich nodl war,
s.qhlief ich im Feld ohne Dache.
Uberall schalt man und stieß mich sogar,
nannte mich schlecht und verrückt und bizarr
wenn schon! Dann bin ich nun eben ein Narr
und lache!
Schreibt . mir mein Mädel, daß aus es sei,
weil unsere Liebe verfladie.
Denkst du, ich glaubte an deine Treu?
Zehn soldler Briefe! Was ist dabei?
Reiß' sie in kleine Fetzen entzwei
und lache!
Geht doch , seid ehrlich, habt ihr dazu Mut
Ungläub'ge, Elende, Schwache!
Irgendwohin treibt doch mich mein Blut was will's bedeuten, ob schlecht oder gut - weiß nur, wie wohl das Vergessen tut _
und lache!
Euch kümmern all' die Nächte nidlt
die idl oft weinend durchwache.
'
Aber wenn gut zu mir Einer spricht,
b~ick ich ihm höhnisch ins Angesicht,
biS er vor Scham in die Knie bricht u~d lache!
Paulrichard

Hensel

Tagebuch
'Frauen, dlt? ihren Monn mit affell Mittefn zu naften versudjen
geDen sidj ein Armutszeugnis. Ein tiJer fvoffer Mann ist lie/~
K ettenhund. Treue wädjst durdj 'Freilidf und Zutrauen - une!
an wertfosen Männern ist nidjfs zu liaftl?n.
JI!arie Humes .'on Ballr

Um Mitternacht -

Original

Das war die Nacht, wo das Sdlicksal sprach nur mattes, grünes Licht umwob das Zimmer
mit weidLem Scheine. Und durch's Fenster sdlwach
und halb versteckt fi el müd' ein Mondenschimmer .
Und deine Geige ruhte an der Wand,
all ihre süßen , süßen Klänge schliefen,
und dodl ging's wie ein Weh 'n von Geisterhand
leis' durch den Raum. Ach, unsre herzenstie/en,
verträumten Träume wurden alle wach und unsre Hände fanden sich zusammen,
auf unsern Lippen brannte noch kein Kuß,
wir fühlten doch, was einmal kommen muß
in unsern Herzen zuckten rote Flammen.
Da sankst du nieder, und ich neigt' mein Haupt,
die blasse Rose fiel von meiner Brust du küßtest mich - ich hab' an Gott g~glaubt unel hab' des Himmels Seligkeit gewußt.
Und dann - und dann - ich weiß nicht, wie's gekommen,
wohl unsre Herzen pochten gleichen Schlag all' unsre wilde Sehnsucht war entglommen
ich weiß nur, daß ill deinem Arm ich lag
und unsre Küsse, schwer und lebenstrunken
sich fanden zu dem heißen, heißen Glück.
Ein Paradies'. Und alles sonst versunken . . .
Wie fand ich mich nur in die Welt zurück?
Ich geh' allein . Doch schreit' ich ohne Wanken,
in meiner 'Seele blieb das große Licht aus tiefster Schmerzen Dunkelheit mir bricht
das große Leuchten - und das große Danken.
KarinWilde

j. Fennecker-Berlin

5
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.