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Periodical volume

Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.! J ahrll.26 Nach einer holländischen Anekdote gereimt von M . Michaeli. Am Nordseestrand ein Fischerhaus steht einsam und schutzlos im Sturmgebraus. Grell zucken die Blitze, der Donner kracht, klatschend fällt Regen und ringsum ist Nacht. Im Häuschen aber sitzt Fischer Klaus, mit seinem Weibe beim Abendschmatls, und beide sprechen kaum ein paar Worte . - - Und draußen tobte mit furch tbarer Macht, das Unwetter durch die stockfinst' re Nacht. - - - - Da, plötzlich klopft es laut an die Pforte, so laut, als sei ein Unglück geschehen, und Klaus stand rasch auf, um nachzusehen, ob jemand vielleicht seine Hilfe noch brauchte. Er öffnete schnell. - Aus der Finsternis tauchte ein Wanderer auf, ein einsamer, müder, vom Regen durchnäßt bis auf die Glieder. "Grüß Gott," so sprach er, "es klingt zwar verwegen, doch bitte, gewährt mir Schutz vor dem Regen. Ich kann nicht mehr weiter in dieser Nacht, das Unwetter hat mich müde gemachtl",,0, kommt nur herein, hier könnt Ihr verweilen, dürft auch sogar unser Abendbrot teilen! Das ist zwar sehr einfach, nur Käse und Brot, doch 's wird euch schon munden, denn essen tut not:' sprach Klaus, und holte gleich trockne Sachen, damit er' s sich recht bequem konnte madlen. Dann setzten sie sich zu dritt an den Tisch und ließen's sich schmecken. Der Käse war frisch, und der Wandrer schickte mit viel Behagen ein großes Stück nach dem andern Zum Magen, und hat nur immer Käse gegessen. - "Ihr müßt auch etwas Brot dazu essen," .agt Klaus und meinte es gut damit, "weil Käse zu schwer im Magen liegt I" Doch der Wanderer konnte das nicht ermessen; Und hörte, fast ärgerlich, auf mit dem Essen. 4 "Sie werden die Nacht wohl bei uns bleiben," sprach Klaus, "doch müssen Sie sich bescheiden, da wir nur über ein Bette verfügen, mit uns zusammen darinnell zu liegen. Die eine Nacht, denk' ich, läßt's sich schon mc:chen, bis morgen früh trocknen dann Ihre Sachen." - Und später lagen sie, wenn auch beengt, friedlich im Bette zusammengedrängt: der Wanderer hinten, streng nach der Sitte, vom lag die Frau und Klaus in der Mitte. Freundlich klang dreimal ein: recht gute Nacht; trotzdem man an's Schlafen gar nicht gedacht, denn draußen tobte das Ungewitter, und rüttelt' die morschen Fenstergitter, so daß es klirrte, quietschte und brach. - Da, plötzlich gab's 'nen mächtigen Krach, .nen Krach so laut, es läßt sich kaum sagen, als hätte der Blitz in die Scheune geschlagen. Erschreckt sprang Klaus schnell über sein Weib, hing sich den Ölmantel um den Leib und stürzte voll Angst zur Türe hinaus, durch Regen und Sturm hin zum Scheunenhaus; ~ - Im Hause aber war peinliche Ruh'. Da raunte die Frau dem Wanderer zu - und seltsam glühten ihre Wangen - : "Mein Mann -ist eben rausgegangen, wir sind jetzt ganz allein im Hausl".. . .o. "So," sagt der Wanderer, "ist er raus?",,}al" hauchte die Frau und färbte sich rot. - Da stand der Wanderer schleunigst fmf and aß den ganzen Käse ohne Brotl - - -
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