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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jah'II. 20

Nr.7

unbemerkt in den Seftenflügel gelangte und auf dem Treppenabsatz, von dem aus man den Gang übersehen konnte, warten
wollte, bis Lucille ihr Zimmer verlassen werde, sah er zu
seinem nicht geringen Erstaunen den alten Comte den Gang
e~tlang auf die Treppe zuschreiten. Ein
!lastiger Schritt verbarg den Marquis
hinter einer Säule. Der Comte ging leise
summend an ihm vorüber. Was hatte
das zu bedeuten, woher karn der Comte?
Noch am gleichen Morgen traf della
Faille LucilJe allein im Gehölz. Sie hatte
die Einsamkeit gesucht und war allein
hinausgeritten. Zwischen manchen Menschen gibt es, wenn erst einmal das erste
Eis gebrochen ist, kein Zurückhalten mehr.
So plauderten denn auch diese beiden, als
hätten sie sich schon jahrelang gekannt
und - geliebt. Was Lucille aber auch
sagte, aus allem hörte della Faille stets
die Angst heraus, die das Mädchen vor
dem alten Comte empfand. "Schützen Sie
mich vor ihm, bat sie, er ist mir zuwiderI"
Der junge Marquis versprach alles zu tun und man verabredete sich zum Abend in den Park.
Die Abendluft mit dem betäubenden Duft der Linden ließ
Lucille ganz verändert erscheinen. Sie schmiegte sich an den

Marquis und beantwortete seine stürmischen, jungen Liebkosungen mit hingebenden Zärtlichkeiten. Als ein Gewitter
.a ufzog und die ersten Tropfen fielen, hatten die Zärtlichkeiten ihren Höhepunkt erreicht. Beide glühten, mußten aber
des Unwetters wegen an den' Rückweg
denken. Mit hastigen Worten bat LucilJe
den Marquis, ihr auf ihr Zimmer zu folgen.
Er folgte wankenden Schrittes vor Glück
und bald hielt er Lucille berauscht in
seinen Armen. Als der Morgen dämmerte,
erwachte della Faille aus einem kurzen erquickenden Schlaf. Vorsichtig kleidete er
sich an, öffnete bedächtig die Türe und
stand vor dem alten Comte,
der mit satanischem Lächeln, die Situation
sofort übersehend, einen Schritt zurückwich
und sagte: "Guten Morgen, Marquis! Ich
sehe, daß ich heute zu spät komme. Man
soll nicht so lange schlafen!"
Der Marquis wollte aufbrausen, der
Comte aber legte ihm die Hand auf den
Arm und flüsterte: "Besänftigen Sie Ihren
Mut, junger Mann und seien ' Sie blind und taub, wie es
einern Kavalier zukommt!" Noch am gleichen Tage erbat der junge Marquis unter
irgend einem Vorwand Urlaub und verließ das Schloß.

ICh glaube an aas GIÜCR nicht mehr . ..
W",. n"'D"'liIrau die W",/i v",rnangen,
mit nass",n Bfätt",rn sPle/i tür Wtiuf.
Die Vögtein fängst zur Run' g"'gongen off mltn", 'Träume D",i dir sind.

Von flrnner nOeb WIe dunif",s Läuten
eIn Unkenruj; tlefonnungssebwer.
Mag er uns, LieDster, Gfüdi D",deut",n 9
leb gfauD'" an das Gfüdi niebt m",nr• ..

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