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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Janrg. 2(5

N,.7

Komteßmen Evi sieht jaucfjzend vor'm Retke
und sieht den Brüdern 5eim Turnen zu;
der Hans ist /lrad 05en und sPleft VerSfetke
mit ,seinem Kopfe in 5eefenruh'.

• Darf im nimt pro5ieren mal cr-röufein Tante?
Im ha5e zum Turnen dom aum Gesmidil'
50 quöft Komteßmen eire Gouvernante
mit famendem Munde und 5ittendem Bfic/i.

Bewunaernd ifatsmt Evi in die Hände,
die Baumwe!fe ist ganz musterhaftI
Und unterst zu o5erst dreht 5ehende
der Hans seinen Körper mit vo!fer Kraft.

Dom diese versetzt in /reundfimam TO!le:
• Nein, fie5es Evmen, das /leht nim! an;
denn hingst du dro5en au/ hOhem Throneman sähe die weißen Hösmen dom dann

r

Betroffin sinnt Eviein iurzes Werlmen dom dann s'a/lt tröstend die ifeine Maus
mit findigem Näsmen und Kussemöufmen:
.Dann ziehe im ein/am die Hose;' aus/Mari" Hl!rm"s

VOll Ball'

-1I1~-

E R

ÜL L

UN G

/lo" Otto M. Micn o .. lis

Fritz Horwitz stand am Strand, schaute versunken in die
Unendlichkeit der zitternden Wellen und träumte . .. Träumte
von großen, angsterfüllten Mädchenaugcn und weichen,
wonnig-weichen Mädchenarmen, die sei- ,
nen starken Nacken umschlungen hielten.
als er das zuckende Körperehen dem
wilden Meere entriß.
Ein einziger tiefer Blick nur hatte
sekundenlang in seinen Augen geruht
und nun verfolgte in dieser Blick und
diese großen Kinderaugen seit Tagen.
standen nachts in seinen Träumen und
trieben ihn im Sonnenschein an den
Strand, dorthin, wo er das schlanke
Körperehen in den molligen Sand gebettet hatte, um es der Obhut anderer
anzuvertrauen. Langsam legte er sich nieder, krampfte
seine Hände tief in den weichen,
rieselnden Sand und starrte seufzend
in den flimmernden Himmel. Ob er
sie wohl noch einmal wiedersehen
würde, diese lieben, lieben Augen, die
eine tiefe Ohnmacht verschlossen hielt,
als er sie verließ? Er
,iebte diese Augen und sehnte sich nach diesem Blick!
Liese!! - Die Sonne stand schon tief a'i Himmel und lauer Wind
spielte mit seinem wirren Haar, als er erwachte. _
V0I! irgendwoher war ein Seufzen' zu ihm gedrungen und
dcr Wind trug ihm den Duft jungen, warmen Mädchenfleisches

zu . . . Schnell richtete er sich auf. Dicht am L fer, wo die
WeHen eine weiße Schaumkruste zurückgelassen hatten, stand
ein Mädchen und schaute regungslos auf das stille Mecr
hinaus. Langes blondes Haar umwehte
ihr Köpfchen und die scheidende Sonne
.-=~~IPP umwob die krausen Löckchen mit ci~
nem Heiligenschein. Der faue Wind
schmiegte die dünne Seide so dicht
an ihre schlanken Glieder, daß er
jede weiche Linie dieses zarten Körperehens erkennen konnte. Minutenlang vertiefte er sich in diese Schönheit und durchlebte einen wonnigen
Rausch. Schön war dieses Mädchen!
Unsagbar schön... Ihr Gesichtchen
war ihm ab gewandt. - Langsam erhob
er sich und trat zu ihr. Erschreckt
wandte sie sich um.
Schreckerfüllt
und doch voll jubelnder Freude traf
ihn der Blick ihrer großen, tiefen
Kinderaugen und zwei weiche Arme
schlangen sich bebend um seinen starken
Nacken ...
.. Liese!!" - - Alles Glück und alle
Sehnsucht lag in diesem Jauchzen, und
wonnetrunken küßte er diese rosige~ Lippen, als er das
schlanke Körperehen in den molligen Sand bettete. Und
wieder schlossen sieh diese süßen, großen Augen. - Glutrot versank die Sonne im weiten. weiten Meere
und leise plätschernd flüsterten die weichen, zitternden
Wellen vom ewigen Märchen der Liebe. - -

___

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