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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Ja6ro.26

Nr.l

Und mitten im Tanz fühlte sie plötzlich etwas wie ein Vertrautsein, etwas 'vVarmes - .
..Wie kannst du dich nur mit dieser Tänzerin sehen lassen?"
fragte sie.
.. Du hast recht; du bist viel hübscher. Dir bekommt das
Alleinsein fabelhaft gut."
.. Du irrst dich. Ich bin nicht allein. Es gibt so viele Menschen -"
.. Gott, ja" - er lächelte ironisch - .. dann wer~e ich heute
auch einmal einer von den vielen sein'"
Ihre A ugen flimmerten. ..Wie meinst du das?"
Er fragte mit demselben Blick zurück: .. Wollen wir einer
Flasche Sekt den Hals brechen?" - Und nun saßen sie in der kleinen Nische, die die Tänzerin
längst verlassen hatte, und entfachten ein kleines Feuerwerk
von Scherzen, spitzen Worten, Koketterie, • .• nur von ihrer
Ehe sprachen sie nicht. Und sie dachten auch nicht daran,
denn sie waren beide erstaunt, in dem anderen .einen ganz
neuen Menschen zu finden, der interessant, pikant, ja sogar
begehrenswert war. Bei der zweiten Flasche küßten sie sich.
Ihre Beine preßten sich ineinander, das Fremdartige ihres Zusamm enseins machte sie kühn und ließ ihren Wünschen die
Zügel schießen .
.. Du", sagte er plötzlich, .. wir kennen uns zwar, aber es ist
Fasching, und wir können uns einbilden, wir wären zwei
fremde Masken, die sich , •. nun ja, also - du: Aschermittwoch ist bald, und unsere Scheidung ist auch bald da. Wollen
wir heute noch einmal zusammenbleiben?" . . .

•
Am Morgen, als er ihr galant beim Ankleiden half, fragte
er: .. Du bist die entzückendste Frau, die ich kenne. Wollen
wir es nicht doch weiter zusammen versuchen?"
.. Gewiß", sagte sie, und ihre Augen blickten ihn schelmisch
an, .. denn du bist der entzückendste Geliebte, den ich kenne."
.. Das heißt?" fragte er verwundert.
Sie schmiegte sich an ihn. ..Zum Ehepaar taugen wir nicht.
Aber ich werde wiederkommen - sorge für die Scheidung so rasch wie möglich - -"

Jüngste Ergebnisse
Von
Herberl HirscJ.berg

Wertbestimmung
Wie oft ich wohl geliebt und begehrt,
das eine weiß ich genau:
Gerade ' an der Wahl seiner Frau
erkennt man des Mannes inneren Wert.
Immer feste druffl
Man hält ja einer dummen Pute
im Leben allerlei zu gute. . .
Doch wenn sie sich so weit verirrt,
daß Frechheit ihre Stärke wird,
~o lasse man sich's nicht verdrießen,
die Schleuse handfest zu verschließen.

Guter Rat!
Männer, die ihr nur immer bestrebt,
zu Rang und Ehren zu .kommen,
und nie der Schönheit der Frau gelebt,
die ihr ins Eh' bett genommen,
entfernt - ich rat es euch dringend sogar
die Spiegel aus euren Nähen I
Ihr könntet an eurem Haupte sonst mal
das miicht'ge Geweih erspähen!
M. M.

I

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