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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jafllg. 26

Nr.7

Ober ~rauen

Verboten nach § soundso . ..

Manfhe umgirrte 'Frau hat nifhts Hinreißl?ndl?s an slm, afs
nur einen raffinierten Nadil?naussfhnitt, der gl?ra(!I?zu narkotisch
oefäuDt und eine wIlde, orl?nnl?nde Gier /?Twedit, affl?s zu sl?!ien,
was dieses lifdne, oerüdiendl? Aushängeschifci wil? in Weißgfut
üoer sidJ seiost entzüdit, verkündet.

Fern von Großstadt und Menschenlürm ... einsam
draußen in stiller Gottnatur ... wenn Vollmond scheint und
wir nach echter Faun- und N ymphenart ungesehürzt uns der
Natur wieder anpassen . . wenn die hühen Gräser uns vor
allzu neugierigen Augen fernhalten . . . wenn abertausend
Silbersterne treulich Wacht halten . . . und uns zuwinken .
und unsere Zeugen sind. daß wir uns platonisch liebcn
daß wir nur göttlich denken . . . . wenn wir ungestört in
göttlichster Hingebung Gottes herrlich-herrliche Schöpfung
genießen: . . . wie das Hochwild brünstig schreit. . . und
der Nachtvögel Lockruf vom Walde widerhallt . . .• wie
d er Waldquell plaudernd perlt . . . und die Bäume von uralten Märchen rauschen. die die Blätter erzittern lassen .. .
wenn Glühwürmchen und Nachtfalter den tiefblauen Äther
durchkreuzen. um auf fernen Halmen sich zu wiegen . . . .
wenn wir all die wundersamen Gottgedanken in ihrer Millionenheit anstarren . . . und halb träumend lauschen und aufhorchen . . . wie der Zephyr säuselt . . . • wenn zwei blendendweiße volle Arme weich meinen Nacken umschmiegen ...
dann atme ich den Vorgeschmack des verlorenen Paradieses
wieder . . . dann fühle ich den Strom des heiligen Schöpfergeistes durch die urewige Gottnatur rinnen ... und erkenne.
wie weit. weit der heutige Kulturmensch vom einstigen Paradiese sich entfernt hat. .. und bezahle gern für diese
köstlichen Stunden . . . für diese göttlichen Tropfen Nektar
. . . meine Geldstrafc wegen .. unerlaubten Näehtigens im
Freien" und wegen .. Erregung öffentlichen Ärgernisses" sowie
.. Gefährdung der Sittliehkcit" nach Paragraph soundso der
heutigen weltlichcn Polizciordnung . . . und seufze lächelnd:
.. . 0 arme Menschheit . . . !

Jedes WI?ID trägt ein Stüdi Dirne in slm, wil? jeder Mann
ein Stüdi Narrentum.

"
Manfhes 'Frauenaugl? versprlmt mehr, afs LeID und Sel?fl? zu
ffa!ten vermöllen.

"
'Frauen sind nie anzii!hender, afs wenn sie nrmts anhaoen.
Wie oft gfauDt man das WeiD sefDst zu fii!ljl?n - und fiebt
doch Hoß die Auj'mafhung, das Kfeid; die Haartrafht, das Parfüm.
Jede wahl? 'Frau wllf I11mf nur geküßt, ge!ri?Dt, durfhstürmt
- sondern - - - I?r(eDt sdn.
Die 1)isitenfenRarte der Dame ist dl?r SchUff.

"
Affe 'Frauen woffl?n erotisch Deachtet SI?IIt sind sie auf diese Beafhfllng stofz.

zum mindesten

"

Jede 'Frau ist stofz auj' dri? erof/~che WirliunfJ und Macht, dll?
Sli? aI/SÜDt.
Jose/ Stof/reiter

Wa/thu 7isdMnoorf

: Il~

•

Späte Lektüre

W. Plantikow-&rlin

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