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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Ja6rg.26

Nr.6

Der dumme August
Ein Briefvon Titti

Sehr verehrter Herr Chefredakteur!
Vor mir liegt Ihr letzter Brief. Sie schreiben mir, darin Ihr Urteil über meine letzten
Arbeiten, die Sie so schrecklich sentimental
finden, tragisch fast, und es erscheint Ihnen
daraus, als ob ich sehr viel Trauriges in
der jüngsten Zeit erlebt hätte. Vielleicht
haben Sie recht. Aber ich weiß nicht, ob
ich meine Muse ob Ihrer Offenheit schelten
oder loben soll. Denn eigentlich müßte sie
wohl, mit den Flügeln der Phantasie beschwingt, der Wirklichkeit, die Leben heißt,
entfliehen. '
Das Genie schafft aus dem U nwahren
heraus, ein Dilettant aus der Einfalt des
eigenen Herzens: Ein solcher bin ich immer
gewesen - ein Dilettant auch des Lebens.
Und ich bin nicht böse darum; denn dieser
Dilettantismus hat meiner Seele ihre Reinheit bewahrt.
Vor mir also liegt Ihr letzter Brief. Und
die alte, oft gehörte Geschichte fällt mir
ein von dem dummen August, der in der
Manege seine Fratzen schneidet, der lacht
und wiehert und dem Publikum die blödesten Glossen erzählt. Und dann, in der

Pause sitzt er schluchzend am Bette seines
kranken Kindes, beteitd und verzweifelt,
und drückt ihm die brechenden Augen zu,
ehe ihn die Glocke des Inspizienten zu neuen
Narrenspossen ruft.
Und nun soll auch ich solch ein dummer
August werden, soll vielleicht mit blutendem Herzen leichte und lebensbejahende
Geschichten schreiben, soll den Frühling
besingen statt des Herbstes, die Hoffnung
statt der Resignation, die Liebe statt der
sterbenden Seele. Aber ich müßte nicht
so ein Stümper sein, um das zu können,
und' ich müßte das Lügen gelernt haben.
In meiner Jugend freilich, da bin ich
oft so ein dummer August gewesen früher, als ich mir dessen noch gar nicht
bewußt war, als ich tat, was man von mir
verlangte, und als sich noch kein Zweifel,
keine Bitterkeit, ' keine Menschenverachtun\!
in meinem Innern breit gemacht hatten.
Erst jetzt, nach vielen, vielen Jahren, wird
es mir klar. Wurde mir nicht als Kind
schon das Komödiespielen beigebracht,
legte man es nicht künstlich darauf an,
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