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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

JahTIl.26

Nr.15

Anzüglichkeiten und Auszüg(ichlieiten
PrOben aus meiner Galknsteinsamlllfunu.

Von Antljos

Motto, Das i!i"zifli!, was "'on von oi!r Wahrheit 60t,
Sii! ",omt oi" Li!bt'T frei, "ur sonst nidJt satt.
(H..rb..rt EM/t?nb"'fI).

Manche Ehen gehen glücklich zu Ende, manche bleiben
aber auch ungeschicden.

"Ich kenne nur eine einzige wahrhaft glückliche Ehe",
erzählt meine verehrte Freundin im Brustton der überzeugung,
"der Mann hat sieh buehstäbli<:h für die Frau - totgearbeitet'"

Eine Frau, die um äußerer Vorteile willen ihren Körper
preisgibt, - eine Dirne.
Eine frau die um iiußerer Vorteile willen mit den Augen
kJappert und "so tut, als ob vielleicht - - ", - eine Zech~
prellenn. Erstere ist ehrlicher.

•
Der Sphinxblick eincr schönen Frau, der "rätselhaft glutcnd
in geheimnisvolle ferne Tiefen schweift", entstammt meist nur
einer großen Pupille (Marke Belladonna oder Atropin).

•
Die angehende Schauspiclerin beim Agenten: "Zumutung'"
knirscht sie, und - geht als Opferlamm den Karrierenweg
der Vielen. "Wer es doch auch so bequem hätte", seufzt der
gleichaltrige männliche Sehauspielcleve.

•
Voreheliche materielle ,,sondierung": "Sie", die "vernünf.
tige, auf dem Boden der \Virklichkeit stehende Frau" er"
der "schmutzige Mitgiftjäger".
,.. ,

•
"Gib dich mir!" - Die eine betrachtet es als Unhöflich.
keit; daß man es sagt, die andere, daß man es nieht sagt! Wie man es macht, ist es falsch.

•
Liebe - ein naturgewolltes Konglomerat aus den Ingredien.
zien Egoismus, Eitelkeit, Autosuggestion, Erotik. Nur daß
der Schuß "Egoismus" bei der Frau als berechtigte Selbst.
verständlichkeit, beim Mann als unberechtigte Schamlosigkeit
gilt.

•

Jcde Frau verlangt, dan ihr der l\'lann durch irgendwclehc
Superlative imponiere. \\ er wenig Superlative zur Verfügung
hat, nehme lieber den der Skrupellosigkeit als den der Troddel.
haftigkeit.

•

Sehr subtile 'aturen haben die seltene Gabe, sich willkür.
lich und· mit Bewußtsein zu ,'erlieben. Das "Entlieben" ist
schwerer.

•

Die 0 p f er will i g e Liebe einer Frau aus der Gartenlaube.

ein Ladenhüter

•

•
Eine Frau verzeiht unter Umständen dem Manne alles, eins
nie: Feigheit.

•

Der Ehegatte - ein notwendiges übel zur Erzielung von
legalisierten Muttergcfühlen, eventuell für diesen Zweck auch
ganz entbehrlich, falls er sich auf seine guten Freunde ver·
lassen kann.

•

Trotz aller Gegenbehauptungen ist im Wirtschaftskampf
die Frau im allgemeinen die leichtere Verdien.e rio, d.a .sle,
mindestens indirekt, ihre irgendwie zu bewertende ~Velbb~h.
keit in die WagsehaJe wirft; das entsprechende Attribut beIm
Manne wird an der Bewertungsbörse nicht gehandelt. Darum
ist es ungerecht, daß der Mann obendrein im "Restaurant
Leben" überall die Zeche zahlen muß.

•
Auch Liebe ist einc Elementarkraft jenseits von Gut und
Böse. Darum ist sie oft gefühllos und grausam.

•

Die moderne Literatur verherrlicht vieles, was früher als
obscön galt.
Ich warte aber immer noch vergeblich auf den großen
Dichter, der den Zuhälter verherrlicht.

•
Liebe und Haß ist eins. Der Gegenpol von Liebe ist nicht
Haß, sondern Gleichgültigkeit.

•
\\ cnn der Frühling kommt, fahre ins Freie hinaus und lasse
dir, möglichst in einer JasminJaube, von irgend einer schönen
Frau vorlügen, daß sie dich liebt. Es ist immer wieder er·
hebend, und vor allem - es ist stilvoll.

....

----- ; - - - - Erst e Stunde

ErfriSChungsraum

Zum ersten Mafe lomm itb heut zu dir,
und zöl1erno nur betrt?te itb dit? Stufon.
Zwar hast du selbst verheißeno mitb l1i!.rufon,
und eine Stunde reitbsten Glüdies l/el1t vor mir.

Teebo~s hothn,
feer fast ist es - lurz natb drei
In mein Traumen ar/"8t's wie Gfo~en:
"Bitte, ist der Stuhf nOaT frei'?"

Nimm sie mir nitbt. Loß sie wie stilfen Sel1en
das Gute reffen, das zu dir mitb zieht.
S~ließ deinen Mund, der mir entuel1enbfüht,
und birl1 dle WünsaTe, die zu froh sitb reuen.

Stbmeitbefnd spieli die Hausaapeffe,
hinter Pfoikrn hafb verste~t.
Sie studiert die Preistalieffe:
"Stbadt?, hier Oiol's leinen Seatr

Laß deine Hände stiff in meinen lieuen,
eh' du mit einem Wort diaT mir ueSaTe1laf.
Wenn deiner Sinne ZaUber mitb umfanut,
und du mitb aüßt in nimmersatten Zül1en,

Auf der Karte weißem RIi~e1l
stbreib' itb einen Heinevers,
biet' di;lret ihn ihren BI/~en sie girrt feise nur: "Pt?rvers/"

t?h' iib's l1t?wo!ft, dann muß iib Olib b.etratbten
wie off die Viefen, die mon rastb verl1!ßt.
Und die, in der iib neues Sein begrüßt.
muß iib veramten.

Am Buffet die

Ritntig, sie hot
ltb SieD auf srre[ji mitb feis
. ,,0 pardon. •.

auib 'nt?n Koter.
da, aus Versehn.
ihr Shimm~freter:
woff'n Sie smon Dehn '?"
Hans Wafoau.

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