Path:

Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jahrg.26

Nr.1

VOll B~rfhoftf PrOChOWnU

Im habe oft u/rd gern gl?Pfoi~t
von roUn Lipp(?n süßl?n Dann,
• I?S war ml?in Hl?rz so fri?iJI?Rrank..
Wl'nn ,'cfj I?in smönl?s Kind I?r6fr'dit.
Manm 1lJ1?,'cfjI?, warml? Mödml?nprust
presst ,'cfj an 1I1l?inl? sl?hnsumtsvof!;
und wenn das Hl?rz zum Hl?rzl?n quof!;
dann smfu/l es hom vor Lil?bl?sfust.

Dom haft' r'cfj's arme, /lutl? Din/l
an' s Hl?rz /ll?drü~t, fort war dl?r Traum,
I?rn feis' Erinnl?rn spürt' r'cfj Raum,
wl?nn ,'cfj an ~fjr vorüPl?r/lin/l.·
Dl?r süßI? Mund Rom Un/ll?/öhr
wil? il?dl?r andrl? MUlld mir vor,
dl?s HerZl?ns Smfö/ll?, elfl? ml?in Ohr
I?ilrst ZÖhltl?, hörte r'cfj 111'cfjt ml?hr.

Das hat gar oftmals m,'cfj 61?,{rü~f,
daß ml?inl' Lil?b' so arm an Trl?u,
und daß
immerdar au./'s neu
von andl?Tf1 LipPl?n Rosl?1/ pjTÜcht,
und daß dil? Maid; Ort? im erRor,
/lfe,'cfj smit?1/, wmn ,'cfj in süßer Lust
sil? e,nmaf drü~te an Ort? Brust,
der Bfume, Ort? dm Duft vl?rfor.

im

Die Peitsche
Der wegen seiner Tüchtigkeit vielgerühmte Rechtsa!1walt
Svendsen saß am Schreibtisch in seinem behaglich eingerichteten Büro. Ihm gegenüber eine kleine blonde Frau.
"Sie baten mich vorhin am Telephon um eine Auskunft, gnädige Frau". sagte der Anwalt, als die kleine blonde Frau schon
eine ganze Zeit lang schwcigcnd in dem tiefcn Sessel gesessen
und nervös an den Fingerspitzen ihrer seidenen Handschuhe gczupft.hatte, "und ich wiederum bat Sie, mich aufzusuchen, damit
wir in Ruhe die Art dieser Auskunft besprechen können. Wollen Sie jetzt bitte die Güte haben, mir zu sagen, in welcher
A ngelcgcnheit ich Ihnen Rat erteilcn darfl"
"Ja, allerdings, ich wollte Si.e um Ihren Rat bitten". erwiderte
schüchtern die kleine Frau, ohne ihr Gesichtehen zu ihm aufzuheben, "doch jetzt, wo ich hier bin, fällt es mir entsetzlich
schwer, Ihncn meine intimsten Ehegeheimnisse zu offcnbaren;
denn um diese handelt es sich geradc!"
;,Sie dürfen sich mir ohne alle Bedenkcn rcstlos anvertrauen;
meine sehr verehrte, gnädige Frau", ermutigte sie der Anwalt;
"denn unsereiner ist ja schließlich dazu da, alle die Bedrängten
und Gequälten, die sich uns anvcrtrauen; über alles auszuhor.~
ehen, um dann mit nützlichen Ratschlägen helfen zu können."
"Sie sind sehr freundlich, mein Herr, und da Sic ja bereits
zu ahnen scheinen, was mich zu Ihnen führt, will ich auch gerri
s 0 zu Ihnen reden; wie es mir möglich ist", sagte sic u.nd
blickte ihn voll an. - ' Er vertiefte sich in die prachtvollen
Kinderaugen dieser charmanten kleinen Frau, die ihm da so
hilflos gegenüber saß, und sie bcgann:
.
"Ich bin erst seit einem halben Jahre verheiratet. - Mein
Manrt ist der Ihnen vielleicht nicht unbekannte Theodor HoffJ
mann." --=- :...:..:
"Uff", sagte der Anwalt, "verzeihen Sie die Unterbrechung,
aber ich bin zerschmettert! - Sie sind die Gattin die ses
dicken alten Mannes?"
'"Ja, wie ich Ihnen sagte, seit einem halben Jahre! Kennen
Sie ihn?"
"Aber sehr sogar. Er war einige Jahre Mitglied des Klubs,
in dem a,uch ich verkehre. Seinerzeit waren wir alle reichlich
entsetzt, ·.als wir seine Hochzeitsanzeige erhielten, trösteten uns
aber mi' dem Gedanken, daß es sich hier eigentlich nur um
seine al I! Wirtschafterin handeln könnte, die er endlich zum
Altar g.;{ührt. Daß er nun aber eine so junge, entzückende
Frau an sich gefesselt hat, ist Sündc, unverschämte Frechheit
und - wie gesagt - ich bin zerschmettert! - Der Mann ist
doch gar nicht imstande, eine junge Frau so glücklich zu
machen, wie sie es von ihrem Manne .zu verlangen hat!" - "Das ist es ja eben! Und darum bin ich zu Ihnen gekommen!"

"Verzeihen Sie, gnädige Frau", sagte der Anwalt und machte
dabei ein nicht gerade geistreiches Gesicht, "wes weg e n
sind Sie zU mir gekommen?"
.
.
"Weil ich von meinem Manne geschieden sein will!"
"Ach so! - Wissen Sie denn auch, daß das Gesetz für eine
Ehescheidung einen triftigen Grund verlangt?"
"Einen Grund? - Ja, ist denn das k ein Grund, daß er
inich nicht glücklich machen kann?" und ihre großen Aeuglein
blickten immer unschuldiger.
"Leider nein, denn das hätten Sie bei seinem Alter als selbstverständlich voraussetzcn müssen!"
"J a, mein Gott, was soll ich denn aber nun machen? Ich
kann und will doch nicht verkümmern bei diesem Manne!" "Verzeihen Sie eine Frage."
"Bittc!"
. "Sind Sie pekuniär abhängig von Ihrem _ _ von Herrn
Hoffmann?"
"Nein!"
"Na, dann geben Sie i h in doch einen Grund zur Scheidung!"
"Wie meinen Sie das?"
"Vielleicht, ~ndem S~e si,eh ei.nen - Gott, wie soll i~~}hnen
das sagen ~ mdem SIC Sich emen Freund ans~haffe~L . "
"Hat gar keinen Zweck, denn er ist nicht mißtrauisch. ,
"Hm! - - - Wenn er Sie aber mit diesem Freunde Viel. .
leicht einmal in f1agranti - - -"
"Hat er ja scho - ,- - äh, ich meine, - - nem, das bnpge
ich nicht übers Herz! - - Ich glaube auch kaum" daß lhl~
das ein- Grund wäre, denn 'ihm geht ja dadurch mchts verloren!"
.
__"Allerdings, aber ir.gendwie muß m~.n ihn doch dazu brmgen
konnen, daß er Scheidung beantragt.
"Aber wie?"
. .
.
"Wenn Sie ihn vielleicht überhaupt mcht b~,achten , wenn Sie
ihn vielleicht wie eirien Fremden behandeln?
.
"Hat auch keinen Zweck. Dann kom~t er und bittet und
bette!~ so lange, bis ich, um nicht nervos zu werden; nachgebe.
, "
"Dann bleibt eben nur noch eins!
"Und das wäre?"
.
Nehmen Sie die Hundepeitsche und schlagen Sie ihn!!"
"Das ist ja eben das Schreckliche, Herr Svendscn seitdem
. ers t1"
ich" das getan habe, liebt er m~c h Ja
. - - t

Es war das , rste Ma~ daß Rechtsanwalt Svendsen keinen
Rat wußte, un darum ging die kleine blonde Frau recht betrübt wieder n'lch Hause zu ihrem alten Manne, der sie voll
Sehnsucht und glücklicher Liebe erwartete. _ - -

11
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.