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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

.}onrg. 20

Nr.6

Zu viel verlangt!
Von E. W. Unger

Gaston de S., jung und leimtsinnig, war ein sehr begehrter
Gesellsmafter. Er verstand es brillant, galante Abenteuer zu pointieren. Er war der Mittelpunkt.
In einer Abendgesellsmaft fiel er dadurm auf, daß er nimt auffiel. Aum diese Pose war ihm geläufig. Nun, sagte er mit der
Bedeutuog des höheren Mensmen, urteilen Sie selbst, meine Herren

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Pro

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und - oh, im bin nimt unhöflim! - wenn Sie sim bemühen
wollten, einem Mann nachzufühlen, aum Sie, Mesdames, urteilen
Sie selbst, ob ich Grund babe, in Gedanken zu sein.
Ich bitte Sie um Versmwiegenbeit, Mesdames - oh, es gesmieht
nur aus Höflimkeit und alter Sitte gemäß, daß ich Sie vor allem
apostrophiere! -: Sie brauchen keinesfalls mit dem Geheimnis zu
sterben. Es genügt, um Sie unsterblim zu mamen, wenn Sie nur
24 Stunden mit ihm leben.
Wer sehr und intensiv lebt, kann unter Umständen mit fünfzig
Jahren die Frauen und die Welt nur nom phjlosophism genießen.
(Sie haben recht, meine Herren,
es ist ein faux pas der Natur.>
Der Graf - mmm, verzeihen
Sie, ich mömte Ihr Gedämtnis nicht
zu sehr belasten! - ist ein großer
Philosoph. Er gedenkt - (mein
Herr, Ihre Vermutung ist eben
nur eine Vermutung!> - durmaus
nimt, in ein Kloster zu gehen,
sondern in die Ehe zu treten.
(Lä.cheln Sie immerhin, es ist nicht
ganz dasselbe !> Wer die Schöne
ist, meine Damen? Eine entzü
Begreifen Sie nun, weshalb ich den Grafen - mmm, Hand auf
den Mund! einen großen Philosophen nannte? Aber Ihre
Achtung wird noch steigen, wenn Sie hören, daß mim der
Graf gebeten hat, ihn auf der Hochzeitsreise zu begleiten incognito natürlich - als sein Kammerdiener. Er wartete mit
gespielter Ernsthaftigkeit, bis man sich im Kreis beruhigt hatte. _
Im fand diesen Antrag sehr sonderbar, pikant, aber nimt Iä.cherlim.
(Im erwarte immer das Unerwartete und wurde nom nie überrasmt,
wohl abh enttäuscht.> Im muß gestehen, daß Form und Art der
Erklärung untadelhaft war und den Kavalier comme iI faut verriet:
Er könne die Wünsme einer so jungen Prau ni mt mehr - leider!
- voll und ganz befriedigen - leider! Ja, er wage nimt einmal einen
Sohn zu erhoffen. Er müsse smon mehr befürchten, 
"Man ist seinem Blute und seinen Ahnen verpflichtet," schloß
der Graf, "und ich habe den Ehrgeiz, den Vater meines Sohnes
selbst auszuwählen. Sie sind, mein Herr, der Gräfin sehr angenehm.."
Gaston de S. bli
    
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