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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Nr.5

.J06r".26

Eva

,

I 111

Spiegef

Zenn Betraditungen über die Seele der 'Frau
Von Hanns Lercb

Dritt(!s Bi!d':

G

elt, Hannele, eine Litfaßsäule ist ein eigenes Möbel!
Darüber smwebt ein lustiger Gott, hat hundert Fäd.
men in seiner Hand, an denen zappeln die Männlein und
Weiblein, die um die Säule stehen.
Ein lamender Gott von Vergnügungen.
Du standest aum da und träumtest, wie smön es sein müsse,
im Theater bunte Gestalten zu sehen, oder sim im Tanze zu wiegen.
Standest so versunken da, daß du gar nimt merktest, wie
im dim beobamtete.
Es war vielleimt aum smon zu dämmerig.
Trotzdem hztte im dein Gesimt gesehen, mit großen grauenAu=
gen und einem smiefen Hut darüber mit einem breiten roten Band.
Du, der Hut sieht viel kec:ker aus, als du bist.
Dann trugst d~ ein kurzes blaues T umröc:kmen.
Ja, ja, die böse \Velt muß dom sehen, daß du smlanke
Füßmen hast. - A.ber die Welt denkt sich so viel dabei, viel
mehr als du. - Dann gingst du.
. An hohe Absätze bist du aum nom nicht gewöhnt, bald
knic:kst du mit dem linken Fuße ein, bald mit dem anderen.
Und im? ..•
Ich alter Sünder stiefelte hinterdrein.
Aber, wie sollte im dim kennen lernen?
Allzu kedt durfte im nimt kommen, dann wären deine
grauen Augen ersmnxxen.
Im war unsmlüssig, stec:kte die Hände in die Taschen,
fühlte etwas Zartes, Weiches, Seidenes, sah mir's genauer an,
- ein mattrosa Seidenband. - - Vielleimt von Hilde . . .
Wußte aber jetzt, wie wir bekannt würden, nahm einen Anlauf,
war an deiner Seite, nahm den Hut ab und sagte: "Verzeihung,
meine Gnädigste, im glaube, Sie haben etwas verloren."
Im? •.•
Ich zeigte dir das Bändmen und hatte die Empfindung, als
ob ich krampfhaft grinste.
Du aber griffst erschrec:kt zum Haar . . .
Nein, im trage dom gar keine Zopfschleifen mehr.
Aber wir kamen dom ins Plaudern.
Du hießest Hannele, einen andere Namen hatte ich ni mt Vermutet.
Wir gingen nebeneinander in einer wamen Dämmerung, die
Smwü(e wurde.
Die Bogenlampen brannten nom nimt, aber die Smeinwerfer
an den Straßenbahnwagen strimen ihr rötlimes Limt in den
steilen Smamt der Häuserreihen.
Wir kamen an einem Kaffeehaus vorbei.
Eine . Geige sang verwismt hinter hohen hellen Fenstern.
Wollen Sie mitkommen?
Du überlegtest, und kamst dodl mit.
Dann saßen wir an einem Marmortismmen, plausmten und
lamten darüber, daß wir in demselben Stadtviertel wohnten.
Am nämsten Tag trugst du ein hellblaues Kleidmen, und
wir waren ganz weit draußen, vor der Stadt, wo die Häuser

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Hann(!!(!

smon spärlich werden und weite grüne Wiesen sich wohlig im
Sonnensmein räkeln.
Dann tanzten wir in einem Krug nam knatteriger Blechmusik.
Wir sprachen auch von Liebe. Du sagtest: "Liebe ist Un=
sinn, und die Männer sind schlecht!"
Und bogst dim dabei vor Lachen.
Und dom, als wir an der Ec:ke standen und uns verabsmie~
den wollten, hielt im deine Hand und zog dim an mim.
Da machtest du ein ganz ernstes Gesichte/, hobst dich auf
die Fußspitzen, berührtest kaum meine Lippen, drehtest dim
um und huschtest davon.
Fast an jedem Abend waren wir zusammen, und bald gab
es aum ein Küßmen mehr.
Und doch, Hannele . . .
Schau, jetzt kann im dir's sagen, hatte ich doch Begehren nam dir.
An einem heißen Abend küßte ich dich so rausmhaft, daß
du erschrakst, und merkte dom, deine Küsse waren nimt mehr
so kindlim wie ehedem.
Am nächsten Abend kam ich ni mt zum Stel/dimein.
Auch nimt am übernächsten Abend, hatte solmen Heißhunger,
lungerte auf den Straßen herum ..... - traf eine alte Freundin.
Dann sahen wir uns wieder, und ich erzählte dir alles ...
Du warst still, nachdenklich, zürntest nicht, spramst kein hartes
Wort, sagtest nur: "Jetzt will ich dir etwas erzählen, Konrad."
Mir hat von dir geträumt, du hättest mim so lange geküßt,
bis im müde wurde.
Und seitdem muß im immer an dich denken, und habe
Sehnsumt nam etwas Fremdem, das im selbst nimt verstehe,
dann auf einmal unterbrichst du dim:
"Weshalb hast du das nur getan mit der anderen, du? .. "
Das war smon auf dem Heimwege.
Ich aber sagte: "In ihren Armen damte ich an dich, ich
küßte dim, als ich sie küßte."
Wieder gingen wir zwischen Häuserreihen.
Still und dunkel war es um uns.
Ich schlang meinen Arm um dim.
Aber deine Küsse waren durstig und hingebend und hatten
alles Smelmenhafte und Nec:kische und Kinderhafte verloren.
Keines von uns sagte etwas.
Du brachst das Smweigen: " Wer aber ist Schuld, wenn mir
von dir träumte 1" - "Ich."
Da warfst du beide Arme um meinen N a
    
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