Path:

Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jahr". 26

N f .5

(

'.'

'--_ J......, .

ErwartunE/--'
Von Wo/tu Karting.

Ich liege zwisdum quellenden Kissen, deren Farben mir ins Gesicht
leuchten - - - und warte - - - warte - auf dich, süße Freundin,
die du mir diese Tage mit Rosen kränzest. Meine Finger spielen
mir den langen Haaren des schneeigen Eisbärfells, meine Augen
träumen, rufen und streimeln dim. Nom ein Kleines und du wirst
in meinen Armen liegen, ich werde deine Küsse trinken, den Duft
dein~s Haares atmen, das goldig zwischen meinen Fingern glänzen,
seidig und weich meine Hand umkosen wird. Du! Ich bin voll von
dir, erfüllt von heiligem Ve1'langen.
Besinnungen kommen und gehen . Moral? Ein subjektiver Begriff, gebunden an die jeweiligen kultua
rellen und gesellsmaftlimen Zustände.
Uebe? Ein Wort, eine Idee, vieldeutig wie das Leben. Kann die
Befreiung vom Körperlidlen, die reine Vergeisligung der Lust, der
Verzich t auf die körperliche Vereinigung ihre Sublimierung bedeuten?
Nimmermehr! Diese Liebe, die Liebe eines Plalo, des hellenismen
Päderasten, eines Dante, des italienismen Schwärmers, hat nichts mehr
mil dem gemein, was die Menschenherzen leicht klingen und sanft
erbeben läßt, sie hell jauchzen und dumpf stöhnen macht, dem Urtrieb alles Lebenden.

16

Die "intellektuelle" Frau Hetäre der Frauen Königin.

ein Widerspruch in sim.

Die große

Du - - - Du kannst sie, die uralte, ewigajunge Kunst der
Liebe, Geliebte.
Komm! - Komm zum Gottesdienst, hohe Madonna!
Dein herrlimer Leib ist mein Altar, ist mir Symbol der Gottheit.
Mild lämelst du mir vom Smreibtism zu. Ein leiser Haum
von Wohlgerum geht von den Kissen aus - - - dein Duft. Ich
fühle deine Nähe, süße Freundin heißer Nämte, - - körperlim.
Bald wird die Klinget schrillen. Dein leimter Fuß wird lautlos über
die Läufer des Korridors husmen und dann werde im dim in meinen
Armen halten, dann wirst du an meinen Lippen hangen.
Da gellt der helle Ton wirklim. Der Wunsm war Befehl.
Nein - - - 7! Du bist es nimt?
Ein duftender Brief liegt in meinen Händen, meine flirrenden
Augen lesen die kalten Worte der Absage. Schmerz, beißender
Schmerz zerwühlt mein Herz. Du kommst ni mt !!! Die Rosen, die das Zimmer erfüllen, sind tot. - Leer ist alles. - Nacht ist um mich. -
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.