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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

JafuU·26

Nr.4

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JOACHIM5THALERSTR.6 WILMER,SOORFERJTR.57 LEIPZIGERjTR.91 HOF TURMSTR.58
BELLE'ALLIANCESTR.104 ANDREAHTR.58-S9 KÖNIGSBERGERjTR.8 FRANKFURTER ALLEE 98
zu haben neben dem Publikum, vor dem sie sonst ihre K.un~,t
profanierte. "Vielleicht liegt der 7. Himmel. in ?er Holle ,
lachte Frank, schnappte sich nacheinander dte :VIer J(lemen
und dankte ihnen mit einem kecken Kuß. Amta kußte er
nur leidenschaftlich die Hand . "Mir ist, als ob wir uns schon
lange kennten", sagte sie, mehr gewährend und zog ihn neben
sich auf das Kissenlager am roten Kamin.
"Vielleicht, weil wir dieselbe Sehnsucht im Herzen tragen, die
Sehnsucht nach dem Schönen, das fast erstickt ist unter dem
grauen Wust des A lltags. Me i n I d e a I ist d i c Sc h ö nhe i t! Erlaubt ist, was schön ist. Eure Schöpfungen aber sind
schön aus geistiger Harmonie. Darum liebe ich Euch und
Eure Kunst und möchte teilnehmen an Eurem Kult!" So
sprach der Dichter, und er streichelte andächtig die acht
sechzehnjährigen rotseidenen Beinchen, die sich um ihn gelagert hatten. Anita nahm seinen Kopf auf ihren Schoß und
sagte ihm etwas Schelmisches ins Ohr - - - - Und als Frank verträumt nach Hause ging, war ihm die alte
biblische Wahrheit aufgegangen, daß all e Tc u f e I - ge _
fallene Engel sind!

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Überall erhllltlicb.
F.brik "Sanlt•• ", BerliD N 24.

Plaudereien mit einem
jungen Manne.
Im Speisewagen. Sie hatte sich nach dem Abendessen eine
Zigarette angezündet und wippte leicht mit der Fußspitze des
übergeschlagenen Beines.
"Sie stecken noch zu tief in alten Anschauungen, Herr ...
wie war doch Ihr Name? Hagen, richtg. Ich las einmal ein
Buch von Ihnen, und wissen Sie, welchen Haupteindruck es
mir hinterließ? Naiv, sehr naiv. Ich konnte gar nicht verstehen, daß es noch Männer gibt, die so naiv empfinden, aber
jetzt höre ich aus Ihren Worten, daß es tatsächlich so ist.
Schreiben Sie nicht über die Frauen, wenn Sie sie nicht kennen. Daß ein junges Mädchen monatelang wartet, um schlie~­
lich unter allerlei Gefahren und höchst überflüssigen, sentimentalen Worten dem Geliebten an einem heimlichen Ort an
die Brust zu sinken, das ist doch ein überwundener Standpunkt. Daß dieses eine und einzige Mal Folgen hat - pardon
-, daß ein junges Mädchen ob dieser Folgen ihre ~anze
Jugend verheult und vertrauert . . . ich bitte Sie - uberwunden! Daß ein Mädchen einem Kuß - also ich muß lachen
- einem Kuß eine Bedeutung zulegt, die mit Standes~mt und
so weiter in enger Verwandtschaft steht, oder daß.. em J':'\adchen sich jahrelang an einen Menschen hängt, der. langs~ u';>er
alle Berge ist, nur weil sie einmal .. . also d~s sJn~ WIrklIch
Dinge, die uns. heute fremd und unverständlIch ~Jnd . Was
Sie gewissermaßen als Regel hinstellen. ist fur dIe moderne
Frau ein längst überwund ener Standpunkt."
Der junge Mann winkte dem Kellner, um zu zahlen.
"Zweimal Suppe, Fleisch, Kompott. Zweimal Kaffee, zweimal Allasch ... "
Der junge Mann hob unterbrechend die schlanke Hand und
zog die Augenbrauen hoch :
..
..
.. Z w e im a I? Das ist doch ein langst uberwundener Standpunkt!!"
..
Als der junge Mann in sein Abteil tritt, sitzt auf dem ei~en
Fensterplatz eine elegante, weibliche qesta.lt. Er setzt. SIch Ih r
gegenüber und wirft ein~n raschen. Bhc~. m das. GesIcht der
unerwarteten Fahrtgenossm. Jung, mtere~sante LIppen, dunkle
Augen Puder. Unter dem feschen RClsehut kIeme, blonde
Locke~, hochgeschlossenen Mantel mi t Opossum. Sie wendet
das Gesicht zur Seite und sieht gelangweilt durch das Fenster.

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