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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923






Nr. 1                                                                                                                        Jahrg. 26

aber zu ganz anderen Zwecken benutzt wurden, als man in Paris allgemein annahm."
"Was Ihr da sagt, ist sehr interessant", murmelte die Lady Gray und sah den Grafen mit großer Aufmerksamkeit an. Dieser sprach weiter:
"Jenes Palais also war ein richtiges Verschwörernest. Man traf dort alle Großen der Fronde, den schon genannten Prinzen von Condé, den nachmals berühmten Herrn de Gondy und so weiter - und das Amüsante war, daß der ganze Hof sich über die Gefährlichkeit des Prinzen beruhigte, seit er ihn In den Armen der Marion wußte. Wer hätte auch ahnen sollen, was alles in jenen Schlafgemächern vorging!"
"Aber leider dauerte diese Verborgenheit nicht ewig und leider ward im Jahre 1650 dem hochwürdigen Facchino Mazarini di Piscina, wie ihn der Herzog von Beaufort nannte, dem Kardinal Mazarin ein großer Erfolg über die Fronde beschieden. Der Prinz von Condé und viele andere wurden verhaftet und auch an der Marion de Lorme wollte Mazarin, der inzwischen von ihrer Tätigkeit erfahren hatte, sich rächen und gab den Befehl, sie zu verhaften."
"Sie ist damals gestorben", fiel Lady Gray ein.
Graf Méreval lächelte wieder.
"Man sagte es damals, Mylady, aber es gibt auch andere Leute, welche sagen, man habe damals alles andere, nur nicht die schöne Marion zu Grabe getragen."
"Wie?!" rief Lady Gray mehr erschreckt, als erstaunt. "Die de Lorme ist also nicht tot?"
"Wenigstens ist sie damals nicht gestorben. Am 2. Juli sollte sie verhaftet werden. Jedoch am Morgen desseIben Tages erhielt sie einen Brief, worin man ihr den Plan Mazarins mitteilte und ihr den Rat gab, unverweilt zu sterben und sodann die für sie besorgte Stafette nach la Rochelle zu benützen, von wo aus sie mit einem Schiff England erreichen konnte."
"Aber woher wißt Ihr das alles? Sprecht - ihr spannt mich auf die Folter!"
"Ich muß es füglich wissen, Mylady, da ich jenen Brief selbst geschrieben habe."
"Ihr - ahl! Aber weiß man das allgemein?"
"Ich kann es nicht sagen, ob es weiteren Kreisen bekannt ist. Warum fragt Ihr?"
"Warum? Ei, mein Herr, weil es sehr unvorsichtig von Euch ist, darüber zu sprechen. Der Prinz von Condé und die anderen Großen sind vor der Rache Mazarins sicher, aber die de Lorme - !"
"Seid ruhig - sie ist es ebenfalls."
"Wie dies?"
"Ich bin vor vier Tagen mit einer wichtigen Botschaft von Paris abgereist . . . "
"Mein Gott, was hat das damit zu tun?"
"Alles, Mylady. Vor vier Tagen ist Mazarin gestorben."
"Ah!!"
Mit einem Seufzer der Erleichterung fiel Lady Gray in ihre Kissen zurück. Dann aber richtete sie ihre großen, dunklen Augen auf den Dragonerkapitän, der sie mit heißen Blicken ansah.
"Ihr habt die de Lorme zu großem Dank verpflichtet, Graf!"
"Sagt das nicht, Myladyl" erwiderte dieser lebhaft. Ich habe lediglich versucht, an ihr eine Dankesschuld abzutragen!"
"Und wofür?"
"Wofür?! Ah, Mylady, für Nächte, die ich füglich die schönsten meines Lebens nennen kann!"
"Seid Ihr denn dessen so sicher, daß jene Marion in jenen Nächten nur gegeben hat?"
Mit einem erstickten Schrei fiel ihr der Offizier zu Füßen.
"Nun der Kardinal tot ist - - wird Marion wieder leben?"
Sie schüttelte lächelnd den schönen Kopf.
"Die Mariorn de Lorme, die den Frondeur Méreval geliebt hat, ist tot - aber", und sie drückte das Haupt des Grafen, der auffahren wollte, sanft an sich, "warum sollen sich Lady Gray und der Dragonerkapitän nicht ebenso lieben, wie sich jene liebten? . . ."

Anekdoten

Ein Mann kommt zum Arzt und klagt ihm, daß er nachts immer kalte Füße hat. "Das geht mir auch oft so", sagt der Arzt. "Dafür habe ich ein sehr gutes Mittel, das Ich ihnen ganz besonders empfehlen kann: wenn ich nämlich nachts kalte Füße habe, dann nehme ich meine Frau recht fest in die Arme. Sofort werden meine Füße warm. Machen Sie das man auch, Sie sollen sehen, es hilft!" "Hm", sagte der Mann, "und w a n n  h ä t t e  l h re  F r a u  m a l  Z e i t, Herr Doktor?" - - -
                    •
"Ich habe acht blonde Kinder, Herr Doktor, und möchte nun doch keines mehr dazu haben. Was kann ich da wohl tun?" "Das ist sehr einfach: wenn Ihr Mann Ihnen mal gut gewesen ist, müssen sie e i n  B a d  ne h m e n!" "Das ist allerdings sehr einfach, Herr Doktor, aber ich kann doch unmöglich i n  e i n e r  N a c h t  s e c h s  b i s  a c h t  M a l  b a d e n'" - - -

Pro domo!

Der Ehestand heißt wohl deshalb der "heilige", weil er so viele Märtyrer zählt.
                   •
Heirate oder heirate nicht -
Du wirst es immer bereuen.
                   •                             Sokrates

Madame de W. nannte die Ehe das Invaliden-Hospital der Liebe.
                                                 La vie parisienne

Opium

Die Sonne sinkt und taucht in glühend Purpurrot
des Meeres Flut. Vom Abendwind geküßt
wogt leicht die See und schaukelt sanft mein kleines Boot.

Die Hände unter'm Haupt gekreuzt, so lieg' ich still
und schau den Himmel an, der hoch sich wölbt,
an dem sich hier und da ein Stern schon zeigen will.

Wie wunderlich! Des Abendwindes laue Luft,
die lind und sanft die heiße Stirn mir kühlt,
erscheint mir plötzlich süß von lauter Rosenduft.

Erstaunt richt' ich mich auf, - und seh' das weite Meer
von tausend roten Rosen dicht bedeckt,
die auf den Wellen schaukeln, duftend süß und schwer.

Von dunkelpurpurroten Blüten eine Flut, - -
nur Rosen, Rosen bis zum Horizont
erglühend in der Abendsonne warmer Glut.

Wie sie sich mit den Wogen heben, senken, -
wie süß ihr Duft und wie betäubend schwer - -
er lähnt so wohlig alles Sinnen, Denken
und taucht mich sanft in des Vergessens Meer.

Als ob von Lethes Wasser ich getrunken,
so bin erlöst ich von der Erde Leid.
Weit hinter mir ist alle Qual versunken -
ich bin allein in stiller Seligkeit - - -
                                                              Curt Wieser
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