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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

N,.4

sehen Halbdämmerung und die bunten Kissen von dem Diwan
in der persischen Ecke riefen und lockten. - - - Die Luft
war voller Küsse und Glut. Gellend schrie die Klingel Die gnädige Frau wäre mit
Herrn Heino im blauen Salon. Verwundert stand Frau Lulu in
dem dunklen Korridor dem
Gatten gegenüber.
.. Du - - - -?'"
"Ja, Liebling.
Denk', ich
hatte schon so das Gefühl, daß
Heino hier sein würde. Merkwürdig, nicht? N a, und da
dachte ich, wie nett es wäre.
so am Teetisch zu dreien - -.
Ich ließ Geschäft, Geschäft
sein und - - - da bin ich."
Heino knäulte faul und
gleichgültig im Sessel und
reichte Ernst müde die Hand.
Frau Lulu blieb einige Zeit unsichtbar.
Man
plauschte,
rauchte, träumelte noch ein
Stündchen. Heino rührte sich
kaum in seinem Sessel Nur
als er die neueste Aufnahme
Lilos seiner Brusttasche entnahm, um sie Ernst zu reichen,
ward er lebhafter. Lilo ist
Heinos niedliche Freundin, ein
feufelchen. Ein keckes Stupsnäschen, das aus ihrem runden
Gesicht vergnügt in die Luft
ragt, zwei sprühende, spitzbübische Feueraugen, und ein
Gewirr schwarzer Locken, das
Stirn und \Vangen um kräuselt.
Süß sah sie aus auf dem Bildchen, dessen Pikanterie der Stich ins Dimenhafte vervollständigte. Kätzchenhaft schmiegte sie sich auf dem Ruhebett,
von dessen dunklem Grund ihr geschmeidiger, mit hellem,
durchscheinendem Pyjama bekJeideter Körper sich eHenhaft
abhob. Ihre schlanken, von einem dunklen Strumpfhauch
überzogenen Beine, in unwahrscheinlich niedlichen Lackschuhchen steckend, hatten sich in neckischem Spiel reizvoll
enthüllt. Rautendelein in moderner Gewandung.
Während Ernst eingehend das Bild betrachtete, glitt sein
Blick mechanisch zu seinem angetrauten Weibe hinüber. Lulu
lag ebenfalls auf dem Diwan. Der leichte Stoff des Kleides
hatte sich so weit versehoben, daß ihre formvollen Beine bis

Jahr".

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zum Knie sichtbar waren. Die quellende Rosette eines lilafarbenen Strumpfbandes lugte kokett unter dem Saum hervor.
Das Spitzengeriesel des Unterrocks allein umgab das runde
Knie des leeren linken. Die lilaseidene Schwester fehlte .
Gleichgültig konstatierte Ernst das Fehlen des Bandes. Am nächsten Tage räkelte
sich Heino in seinem behaglichen Heim in der Tiefe seines
Ledersessels. Lilo ihm gegenüber. Mit spitzen Lippen blies
sie den Rauch der Zigarette
von sich. Er stierte gedankenlos dem Rauch nach.
Kordial lächelnd schob sich
da die elegante Gestalt Ernst
Trasts in dem Türrahmen.
"N' Abend. Stör' ich?"
.. Im Gegenteil, Teuerster. Bitte!"
Eine auffordernde Geste
Hdnos, . ein einladender Blick
nach dem Zigarrenbehälter,
Das Gespräch sickerte und
drohte fast zu versiegen. Da
lächelte Ernst, ein wenig ironisch und ein klein wenig boshaft, griff in die Tasehe und
schwarzsamtenes
zog
ein
Strumpfband mit gelber Seidenfütterung und üppiger Schleife
hervor, um es gleichmütig
Heino zu zeigen. Der kannte
es gut. - Lilos. - Gleichzeitig
hielt Ernst ein lilaseidenes in
die Höhe. Verblüfft starrte
Heino die beiden Bänder an.
"Du verlorst das eine gestern abend aus der Tasche,
Lieber, - - - das violette. Damit unsere Coeur-dames
aber bei d e zu ihren Bändern kommen - - - - bitte."
Er verzog ein wenig die Lippen und händigte Heino das
schwarz-gelbe aus, während er das andere langsam wieder in
die Tasche senkte. Heino wirkte sehr blöd. Dann dämmerte
Erkenntnis in seinen Augen. Er biß sich auf die Lippen, sah
ziemlich hilflos aus und ließ seinen Blick zu Lilo gehen. Lilo
war ein klein wenig rot geworden. Dann zeigte ·sie ihre
weißen Zahnreihen und lachte - - - - - lachte. Lachend
schüttelte man sich die Hände.

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