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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jolirg.26

Nr.4

••

Die Strumpjb an der
Von Walt.r Kö r ting

Kennen Sie Heino, Gnädigste? Meinen Freund Heino?
Ich kann Ihnen sagen - mit
knabenhaft - ehrlichem
Aufschlag meiner stahl - blauen
Männeraugen versichere ich
es - ein patenJer Kerl. Nicht
zu groß, aber schlank, eine FigUl von vollendeten Proportionen.
Markantes Gesicht,
schmale Don Cesare - Lippen
und sprechende Moissi-Augen,
Augen, die in einem länglichblassen Gesicht stehen. Geschmeidige. bisweilen
allerdings etwas nervöse Bewegungen. Im übrigen gekleidet du
dernier cri, ohne geckenhaft zu
wirken. Geschmackvolle, vornehme Eleganz.
Freilich oder vielmehr natürlich, natürlich in dieser, ach, so sündhaften Zeit! bei solchen
Eigenschaften
kein
Joseph.
Nein, es läßt sich mit einem
noch so geräumigen Mantel der
Liebe nicht verdecken er
nimmt es mit der Liebe durchaus nicht tragisch. Im Gegentcil. Er ist von einer sträflichen Leichtfertigkeit in sexualibus, von eincr Ba lzacsehen
Frivolität in seinen zahlreichen
pikanten affaires d'amour.
Dennoch. Man kann ihm
deswegen nicht böse sein. Auch
die lieben, kleinen, heimlich
seitensprüngclnden
Mädchen,
die lßolligen, nur ein ganz, ganz
klein wenig ehebrücheinden
Frauchen können es nicht. Man
k a n n ihm einfach seinen
Flattergeist, sein Schwanken
von Taumelkelch zu Taumelkelch nicht übelnehmen, Er ist
bei allem stets von einer so entzückendenHarmlosigkeit, immer
der gleiche liebe Junge. Als ihn
zum Beispiel Lissi, wissen Sie,
die blond-blonde Lissi mit den
großpupilligen, ein kein wenig
schwermütig - schwärmerischen
Veilcllenaugen unter dunklen
Brauen, einmal in der Gesellschaft zweier nur unvollständig angezogener Mädelchen antraf, die die Reize ihrer süßen
Dessous natürlich nur dcswegen
darboten, um Heino von dem
einwandfreien
Wuchs
ihrcr
klassisch geformten Beine zu
iibcrzcugen, war sie von ihm
mit größter Unbefangenheit
und gewinnendem Lächeln begrüßt worden, Mit verbindlicher Handbewegung hatte cr

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die Damen bekannt machen
wollen. Lissi hatte ihn da empört ins Nebenzimmer gezogen
und eine geharnischte Philippika mit zuckenden Lippen
und sprühenden Augen über
sein
sündiges
Haupt
ge.
gossen. Er hatte es sich währenddessen auf dem Diwan bequem gemacht, die Zigarette
im Mundwinkel. Lissi war
deutlich, sehr deutlich geworden, hatte ihren Sonnenschirm
zu aggressiven Zwecken verwandt und ihm handgreifliche
Beweise ihres bis zur Siedehitze gestiegenen Unwillens gegeben. Heino hatte sich tatenlos-gleichmütig auf den Bauch
gelegt und den Liebkosungen
dcr rotseidenen Waffe der temperamentvollen Lissi passive
Resistenz
entgegengehalten.
Schließlich aber hatte die Komik der Situation beide gepackt. Durch einen explosiven
Heitcrkeitsausbruch hatte die
Exckution ein schnelles Ende
genommen,
Schön, Das nebenbei. Heino
verkehrt viel bei Trasts. Lulu
Trast ist eine rassige, schlanke,
brünette Schönheit, die mit unendlichem Charme den Tee zu
reichen versteht. Und nur deswegen hat neulich Heino wieder Frau Lulu zur Teestunde
besucht. Natürlich. Zufällig
war Ernst Trast geschäftlich
abwesend . Ernst ist leider öfters zu kürzeren Exkursionen
- rein geschäftlicher Art - gezwungen. Es ist ja ohnehin
nicht ganz einfach, beneideter
Besitzer einer schönen, gcistrcichen, eleganten Frau zu sein.
Auch der prike\ndste Sekt
scheint uns biswcilen schal oder
nach Propfen zu schmecken, eine Tatsache, die nur ganz
nebenher konstatiert sei. Die große Stehlampe übergoß Heino und Frau Lulu liebkosend mit mildem Licht. Elfenbeinern leuchtete ihre mattgepuderte Haut in dem rötlichen
Schein, weiß und voll wuchsen
ihre Arme aus den losen Aermcln ihres leichten Kleides
dessen Ausschnitt einen ver~
heißenden Busenansatz freiließ,
purpurn blühte ihm ihr Mund
entgegen. Die Wölkchen der
duftenden Zigaretten · ballten
sich geheimnisvoll in der magi-
        
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