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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Jahrg.26

Nr.4

Von Herta Renac
" Bemühe dim nimt", sagte Frau Lissy, "im weiß alles!"
Und wenn eine Frau behauptet alles zu wissen, nimmt sie
gewöhnlim an, daß die Hälfte ihrer Vermutungen nimt unwahr~
smeinlim sind.
Emils Z üge trugen jenen beruhigt-höflimen Ausdruck, den ein
Mann nur für eine verflossene Geliebte aufbringt. Der Smatten
eines Gähnens umflog diskret seinen Mund.
"Liebes Kind! - -" Zwei bunte Libertykissen, von Frau Lissys
gereizter Hinfälligkeit kleidsam
benutzt, büßten
unter ihren zerknitternden Händen beträmtli m
von ihrer seidigen
Smönheit ein. Sie
lamte
nervös.
"Vielleimt darf
im dim an Fräulein Kitty erinnern,
mein
Freund!"
"Kitty?" damte
Herr Emil, "wer
ist Kitty?- Am
so -. Tja, - "
meinte er dann
smließlim.
Anna,dasHaus·
mädmen, war so
glücklim, mittels
einer Visitenkarte
in die Situation
einzugreifen. Frau
Lissys Augen verloren für den
Brumteil
einer
Sekunde
allen
W dtsmmerz, Sie
erhob sim.
"Ah,Dr. Köster,
im lasse bitten."
Und in einem
jener plötzlimen
Stimmungswem ~

seI, die Herr Emil,
allerdings vorlängerer Zeit smon,
so hinreißend kar
priziös gefunden
hatte, legte sie, wie ermuntert aus trüber Benommenheit, die Arme
um den Hals ihres Geliebten.
"Mein einziger Emil, verzeihe meine Eifersumt, aber im bin so
rasend verliebt in dim ! Nimt wahr, du wirst mim aum ewig lieben!"
"Ewig", sagte Herr Emil.
Herr Dr. Köster wußte angenehm und fesselnd zu plaudern, die
ansmaulime Smilderung seiner afrikanismen Waffensammlung begegnete Frau Lissys verständnisvollem Interesse.
Der Doktor lämelte bedauernd.
"Nur smade, gnädige Frau, daß im Ihnen meine Smätze nimt
vorführen kann, der Transport erforderte einen Möbelwagen."
Als man sim dann trennte, lag es wie vage Hoffnung auf einen
Ausweg über ihnen.
Herr Dr. Köster ließ sim den smarfen Novemberwind der Straße
durm das bloße Haar wehen. Er smwengte den Stock.

14

"Eine reizende, kleine Frau, finden Sie nimt?"
Herr Emil sm lug den widerspenstigen Mantelkragen frös telnd in
die Höhe, seine Smultern senkten sim melanmolism.
"Flirt ist wie Selterwasser", deklamierte er, "ist das Prickelnde
verpufft, bleibt smales Zeug."
,,1a", sagte der Doktor,,,man muß es eben beizeiten trinken."- _ _
Herr EmU saß an seinem Smreibtism un d überlegte.
Morgen, späte=
stens um 5 Uhr,
war sie da, wie
ein Wirbelwind.
Er kannte sie dom.
Er kannte sie, in
und auswendig,
das war es ja eben.
Obrigens Wirbelwind, - eigentlim war sie smon
etwas zu stark far
diese Rolle. Ja,
Leonore mit den
knabenhaftsmlanken Hüften. Leenore, die Unge.
kante. Na, jedenfalls Frau Lissy
kam.
Küsse,
Smwüre, wieder
Küsse und in dem
,
reizenden Kopf
smon kecke Ge./
danken an verbo/
tene Viertelstunden
angesimts
Bumerangs und
Skalp/ermesser.

/' J

)

Auf jeden Fall
woll te er ihre Briefe heraussumen,
damit sie bereit
lagen, wenn das
letzte, zart parfümierte lila Smrei=
ben kam." Verzeih
mir", oder so äbn.",lim, "im habe meiL /
ne Gefühle verkannt,ewige Dankbarkeit usw.-"
Altes Spiel, altes Spiel unterm Apfelbaum, wir sind nimt viel
weiter gekommen seit Paradieseszeit.
Und für einen Augenblick stieg es heiß in ihm auf, es war dom
ein Jahr des eigenen Lebens, das hier begraben lag. Er blätterte
zerstreut in den Bogen, nahm einen Satz in sim auf, ein zärtlimes
Wort.
0, sie smrieb gut.
,, _ _ _ manmmal, mein geliebter Freund, ist ein Tag so voll
Sehnsumt nam dir, daß die Stunden endlos zögern, weil sie nicht
gehen wollen ohne dim gesehen zu haben. - -"
Herr Emil sah nachdenklim vor sim hin. - "Manchmal ist ein
Tag so voller Sehnsucht nam dir, - wirklim nett gesagt."
Und er nahm einen Britfbogen aus seiner Mappe und nahm eineneue Feder und smrieb voll Bedamt:
"Manmmal ist ein Tag so voller Sehnsumt nam Dir, nam Dir,
meine geliehteste Leonore. - - -"

,
        
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