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Full text: Berliner Leben Issue 26.1923

Janrg. 26

N r.4

Eva

,

1111

Spiege f

Zenn Befrat»fun/len über die Seefe der 'Frau
Von Hanns Lercn

Z w e i t e s Bifd:
Am ja, es war zum Ball, und ich stand auf der Galerie des Saales,
jenseits von einigen sogenannten Wein~ und RausmIauben, dieser
entzückendsten Einrimtung für junges zweisam und einsam sein
wollendes Glück.
Ganz allein!
Langweilte mim so, daß die Zigarette pappig smmeckte, sah, daß
im BallhalbsdlUhe trug mit Smleifen und darunter smwarzseidene
Strümpfe mit einem smmalen blauen Streifen. Aum sonst glänzte
im in der Weißheit des Oberhemdes, der Weste und der. Smwarzheit des Fr:lckes.
Sogar ein Einglas verlieh meinem Äußeren ein interessantes
Gepräge.
War sonst harmlos, weil ungesmliffen, aber durmaus bei den
PomadensmeiteIn und Korkzieherlockenfrisur am Platze, die dort
unten mit mehr oder weniger vorhandenen Beinsmlankheit und
Körpergrazie, tanzartige Freiübungen ausführten.
War so am Platze, daß eine Dame mim fragte, ob ich Film~
smauspieler wäre.
Dabei begannen ihre Augen ein nimt mißzuverstehendes Spiel
und ihr Zünglein schwebte minutenlang zwismen ihren - allerding~
sehr gepflegten - Zahnreihen.
Im selbst kam mir vor, wie ein Känguruh, dem man einen Steh#
kragen umgebunden hat, denn im hatte die mod~rnen Tänze nimt
gelernt. Im erwiderte der besagten Dame, daß im nur ganz gewöhnlimer Musikmensm wäre - Pianist "Dann spiden Sie uns dom simer etwas vor!"
Im sah smon einen blank polierten Tonhetzkasten gierig seine
Zähne blecken.
"Oh, Gnädigste, im bin nimt der Künstler, für den sie mim
halten, im spiele in den Prinzeßlimtspieien Klavier und habe heute
meinen freien Tag."
Diesen Erwerb konnte mir die Gnädigste nimt verzeihen, sie
rümpfle ihr Näsmen, und im freute mim über den Kintopp.
Musikanten, an den sie simerlim damte.
Bin wieder allein.
Aber nimt lange, eine junge, nimt mehr ganz frisme Stimme sagt:
"Guten T alt, Herr Konrad!"
Am rimtig, Fräulein Hilde!
Im sah zwei lustige, braune Augen, ein Spitzbubengesimt auf
einem nimt allzuschlanken, sondern molligen Leib, den ein paar
ebenso molliger, smon jetzt zur Großmama prädestinierten Händmen
angehörten.
Sie sagte mir nimt einmal: "Oh, Gott, ist das heiß!"
Hatte mehr weiblimen Spürsinn und sagte: "An was denken Sie?"
Im denke -" und log natürlim "an eine Serenade, die im für
ei~' paar braune Augen smreiben will."
Das zog.
"Sie lieben braune Augen?"
"Nein, ich hasse sie -"
W elme Farbe lieben Sie dann?"
::Zärtlime große graue Augen mit grünlimer Sprenkelung."
Hilde war übrigens mit Heliotrop parfüm'iert und eine feine Duft.
welle dieses Gerums hat für mim von jeher etwas Genußfreudiges
gehabt.
Das mit den großen, grauen und grüngesprenkelten Augen nahm
sie als Smmeimelei, um so mehr, als im mit kunstvoll zitternder
Stimme weiterspram, weil im jene Augen so gerne küsse, das
weime Erzittern der Wimpern unter meinen Lippen fühle - und
dann seufzte im tief und hatte Grund dazu, denn eine smrille
Stimme ersmoll, die Hildes Mutter gehörte, die näherkam.
"Am, Herr Konrad, im erinnre mim dom remt?"

12

Hifde

Die Antwort wußte im: "Ja, mein Vater ist der Fabrikbesitzer
X in y."
"Rimtig, die große Ziegelei!"
Ein Blick zwismen Tömterlein und Mutter - "übrigens, Sie
wissen dom, daß wir jeden Freitag empfangen."

Im wußte genug und versetzte das Tömtermen in einige Walzer;
drehungen, saß dann mit ihr in einer Weinlaube.
Hilde war zusammengezogene Kälte, bis zum Nullpunkt.
Dann smmolz ihre Kälte unter so rausmhaften Küssen, daß im
mehr wußte, als Hilde mir sagen wollte.
Oh, im war aum ;l:um Jourfix, durfte Klavier spielen, stand dann
mit Hilde allein im Vorflur unter einem Regen von Seufzern, Nelken
und Küssen.
Einige Tage verstrimen, da kam ein Brieflein - duftet nam
Heliotrop.
Sonst klein, seine Farbe war ein hingehaumtes Violett.
Trug smiefe, nam links neigende Smriftzüge.
Die lauteten: "Mömte mit dir allein sein, dim allein einmal
küssen Hilde."
Die Worte flammten rotbunt, - sm on jetzt.
Du sollst aum flammen, Hilde! Du trafst mich - an der b'ewußten Ecke Und dann Wer war es dom? Warst du es, oder war im es? - der sagte: "Du mußt mir allein
Klavier vorspielen!"
Und wir gingen dom.
Waren bei mir.
Ein hüpfender Sonnenstrahl, graue Dämmerungen, und der Strauß
roter Nelken auf meinem Smreibtism.
Du lagst auf dem Langsofa, raumtest, träumtest.
Ich saß am Klavier, sang, war Namtwandler in meinen Gefühlen.
Wußte und wollte nur eines klar, daß im stundenlang so hätte
sitzen mögen.
In eine glitzernd haumige und sehnsümtige Tonwelle trat ein Duft
von Heliotrop, kam näher, mein Kopf wurde zurückgebogen, Lippen,
dürstend und weim, klafften im Kusse saugend und heismend.
Smwere linde Wellen kosten, zersprühten in Lamen und kleinen
smelmischen Smreien.
Erhebe mim, fand wieder Lippen, fühlte Weime, saß neben ihr
auf dem Langsofa, saß neben ihr und versank in bunten Ornamenten.
Lange - - Weiß nicht, wie lange - "Hilde, du warst Feuer, und bewußtes Feuer, warst Ranke, und
bewußte Ranke, warst Smwüle, und bewußt.! Smwüle."
Dann fragtest du mim: "Kommst du wieder zu uns 1" und erwähntest im gleimen Atem, ein neu es, hellblaues seidenes Kleid,
das du dann tragen wolltest.
Ich sah deine Augen, die die Spur meiner Küsse trugen.
"Das weiß im nimt, Hilde -"
Trotz heute abend sagtest du mit deiner bauernsmIauen Stimme:
Gerade deshalb! Du gingst, niml wie von einer smweren Enttäusmung geknickt,
überlegtest vielmehr sm on, welme Ausrede du mamen solltest, um
der Mama das lange Ausbleiben zu erklären.
Ich stand vor meinem Smreibtism, fühlte den starken Duft deiner
Nelken.
Nahm den Strauß.
Ist das Fenster auf?
Fort damit auf die Straße -
        
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