Path:

Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

7 
4 
T^ur^gefaßter Ce.itfa.den für den Verkehr mit Schnee und Cis. ) Jffusti ationen uon Qodaf. 
1. Die Hauptsache ist natürlich die Equipierung. Bist 
du klein und dich, so wähle einen Sweater mit Riesen» 
karos und Breeches von drei Metern Stoffgehalt. Hast 
du, Jungfrau, schöne Beine, so 
ziehe ruhig seidene Strümpfe 
an. Die Herren werden dich 
mit sportlichen Übungen nicht 
lange behelligen, sondern 
gleich zum Kernpunkt der 
Angelegenheit Vordringen. 
Und der läßt sich in einem 
gutgeheizten Hotelzimmer 
angenehmer erledigen als auf 
dem Bobsleigh. 
2. Sorge dafür, daß an 
deinen Skis, Schlittschuhen, 
Rodeln irgend etwas kaputt 
ist,- sonst kannst du in die 
Lage kommen, wirklich rodeln 
zu müssen. Und das ist doch 
nicht der Zweck der Übung. 
3. Sondern der ist einzig: 
dabei zu sein, zu sehen und 
Ich trau mir nicht.. gesehen zu werden, kurz, 
angenehm aufzufallen. Das erreichst du am besten, 
indem du dich am Sportplatz zur Besuchszeit einfmdest, 
Der Lötve 
von Krummßüßef. 
den wirklich arbeitenden überall im Wege stehst, mit 
Fachausdrücken um dich wirfst, Kritiken im Stile Alfred 
Kerrs von dir gibst und dich überhaupt als Meister vom 
Fach benimmst. So erreichst du 
es ohne weiteres, daß das hüb» 
scheste Mädel sich in dich verliebt 
wie Desdemona in Othello und 
am Nachmittag eine Schlittenpartie 
mit dir macht. 
4. Solltest du einmal gezwungen 
sein, wirklich so eine Rodel zu 
besteigen, so gehe vorher in 
eine anständige Unfallversicherung. 
Dann aber stopfe dir zwei bis drei 
alte Hemden über deinen fleischig» 
sten Körperteil, denn es gibt auch 
unter den dicksten Schneedecken 
tückische Baumwurzeln. 
5. Verlobe dich nie am Vor» 
mittage auf dem Sportplatz. Er* 
stens läßt sich aus dem weiblichen 
Sportanzuge kein abschließendes 
Urteil, selbst nicht über die Beine, 
gewinnen, sondern höchstens durch 
Zusammenstellung mit dem abend» 
liehen Decollete und zweitens kann die Nachmittagspost 
noch irgendeine ergänzende Mitteilung deiner 
Auskunftei über den Brautvater bringen. 
6. Unterbrich deine sportlichen Übungen nicht 
durch ein noch so kleines Jeu! Es gibt Leute, 
denen frieren die Finger überhaupt nicht ein 
und die drehen dann im Ecarte immerfort Könige 
um und haben im Pokern vier Asse. 
7. Jedenfalls trachte danach, deinen Leidens» 
genossen den Aufenthalt so angenehm wie 
möglich zu machen. Bist du in Garmisch, so 
lobe Schierke und preise in Königswinter die 
Reize des Riesengebirges. 
8. Vorsicht auch hier mit Fremdwörtern. Du 
kannst nie wissen, ob dein Partner nicht schon 1910 
Geld gehabt hat und deshalb den Telemark nicht, 
wie du, für einen schottischen Windhund hält. 
9. Jedenfalls schaff dir, eh du abreist, irgend» 
eine goldene Krawattennadel an, die einen Rodel» 
schlitten neckisch kopiert. Und wenn dich dann 
jemand auf der Börse fragt, äußere wegwerfend: 
»Der erste Preis des Konkurrenzrodeins inSchierke«. 
Man wird dich mit Respekt behandeln und deine 
faulen Schiebungen nicht aufzudecken wagen, 
womit auch der klingende Erfolg deiner Winter» 
reise gesichert ist. v. G.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.