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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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solches, das lächerlich spitz ist und dem Fuß eine 
groteske Form gibt, dann wieder solches, das die 
Mittelstraße zwischen beiden hält. Ich bin im all« 
gemeinen nichts weniger als ein Verteidiger der 
goldenen Mittelstraße — aber in diesem Falle ist sie 
unbedingt die richtige, und auch die tonangebenden 
Maßschuster haben sich für sie entschieden. Sie 
haben seinerzeit die übermäßig kurze Form eben* 
so abgelehnt wie jetzt die übermäßig lange, und 
sie lehnen den übertrieben hohen Absatz ebenso 
ab, wie den ganz flachen und breiten. Das heißt, 
auch sie führen ihn aus, aber nur am Sportstiefel 
oder «schuh, niemals am eleganten Straßenschuh. 
Wenn ihn vereinzelte Damen dennoch am Stadt« 
schuh tragen, in der Meinung, etwas übriges an 
Schick zu leisten, so ist das ebenso eine rein per« 
sönliche Angelegenheit wie das Tragen von gelbem 
Schuhwerk im Winter — ein Gebot der wahren 
Eleganz ist es nicht. 
Tonangebende Schuster wie Heilstem, Meyer 
und Greco in Paris werden dazu nie raten, wohl 
aber zum »talon bottier«, das heißt, dem mittelhohen 
Lederabsatz. Diese »Schuhkünstler« arbeiten für 
den Vormittag nun auch für uns Frauen den Schuh 
aus schwarzem Wichsleder. Er ist also Mode — 
gut. Hübsch finde ich ihn nicht, denn er sieht, 
kaum daß man das Heim verlassen hat, schon 
stumpf und staubig aus. Es geht nichts über einen 
feinen Lackschuh, entweder als Schnürschuh ge« 
arbeitet oder, moderneren Intensionen entsprechend, 
als Moliere« oder Spangenschuh mit einem 
bequemen Absatz von vernünftiger Höhe. 
Als größte Neuheit sind zu ver« 
zeichnen die bunten Lederinkru« 
stierungen, Steppungen und 
Vorstöße an den so 
beliebten Lack« 
lederschuhen, die 
natür« 
lieh nur 
Toilette 
passen 
ferner 
auch die 
Zusam= 
mensteb 
lung 
von 
Samt und Lackleder, die derart in Erscheinung 
tritt, daß das Blatt aus Leder, der Fersenteil 
des Schuhes aus Samt ist. Zur eleganten Nach« 
mittags« und Abendtoilette gilt als letztmodern 
der tiefausgeschnittene schwarze Wildlederschuh mit 
einer der schönen, großen Straßschnallen, die, nach« 
dem sie längere Zeit vernachlässigt worden waren, 
wieder als dernier chic gelten, ebenso wie die 
bunten Absätze! 
Diese Worte und die beifolgenden Skizzen 
geben der verehrten Leserin sicher Anregungen 
dafür, was sie beim Schuster zu bestellen hat. 
Jedenfalls sollte jede Dame, die auch nur auf 
bescheidene Eleganz hält, den größten Wert auf 
ihr Schuhwerk legen, ein Grundsatz der Eleganz, 
der leider noch immer zu wenig befolgt wird. Ver« 
ehrte Leserin, Sie können die wundervollsten Toi« 
letten aus allerersten Schneiderateliers besitzen — 
wenn Sie schlechtsitzende oder un« 
moderne Schuhe tragen, wird 
der modische Gesamtein« 
druck Ihrer Person ein 
ungünstiger sein. 
^ Margarete non Suttner.
        
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