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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Im 
uns da* 
für ge* 
hörig aus* 
powern, sind 
auch nicht all 
zu selten. — 
Ernste, was bleibt uns armen Berlinern übrig? Ja, die 
Leute vom Schlage des schon vorher erwähnten Mr. Greatfress 
haben bereits ein Mittel gefunden, um sich vor dem Auf* 
schlag für Ausländer zu schützen. Ein gefälliger Hotel* 
portier ist für einen inhaltsreichen Händedruck stets 
bereit sprach* und geschäftskundige Thebaner 
aus Berlin nachzuweisen, die ebenfalls für 
ein Trinkgeld bereit sind, die Einkäufe 
für Mr. X aus Chikago zu über* 
nehmen. Und im übrigen haben die 
Kaufleute leider auch immer noch 
zu wenig Energie, wenn wirk* 
lieh ein Ausländer persönlich ein* 
kauft, einen 500 °/ 0 Aufschlag zu 
fordern. Und so werden wir 
armen Einheimischen uns halt 
einrichten müssen — nicht nur 
mit Hemden. 
Rin ins geBoBte Landl 
Und die Folgen 
sind drollig und traurig 
zugleich! Ein Gebalge in großen Geschäften 
um die letzten Reste, daß man meinen könnte, 
man sei in Sowjetrußland. Fünfzehn Hausfrauen, 
die durchaus das Meter Seide haben wollen, das 
da von dem letzten argentinischen Einkauf noch 
übriggeblieben ist. Die acht Hemden, die das 
riesige Wäschegeschäft zwei Wochen vor Weih* 
nachten noch auf Lager hat, wollen vierzig Damen 
haben. Wie wärs denn wirklich mit ein bißchen 
Kommunismus? Ich schenke meiner Frau ein 
Hemd zu Weihnachten unter der Bedingung, daß 
sie es nur am Sonntag trägt <dem Tage des 
Herrn). Die übrigen Tage wandert das Hemd, 
gegen Leihgebühr natürlich, und zwar am Montag 
zu meiner Schwiegermutter, Dienstag zur Gattin 
meines Fleischers, Mittwoch zum Telephon* 
fräulein <die zahlt in richtigen Verbindungen), 
Donnerstag wirds gewaschen. Freitag 
trägts meine Freundin <der Tag der 
Sünde), Sonnabend deren Wirtin — 
und damit ist der Kreislauf vollendet 
und in kurzer Zeit sind die Anschaffungs* 
Spesen rausgeschlagen! Außerdem fördert 
dieses System auch die Rassemischung. 
Ich habe schon angefangen. 
Meinen Frack habe ich an einen Schüler Bruno 
Kästners verkauft und mir für den Erlös 
Gummiwäsche erstanden. Die gabs noch, denn 
die mögen die Ausländer nicht und die Schieber 
brauchen sie nicht in der schöneren Hälfte ihres 
Lebens. Und die trag ich bis nächste Weihnachten. 
Gibts dann für uns wieder nichts zu kaufen, so 
bekleide ich die erhabene Männerbrust mit dem Ber* 
liner Tageblatt und 
vermiete mich 
als Litfaß* 
säulc 
Vigo. 
Satt Bis zum PBatzen (mit unserer Ware)! 
ZeicHnungen von Wilton 
3
        
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