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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Zobelkoffs, die Wand an Wand mit dem jungen Paare 
schliefen und in der leichtgebauten Wohnung fast jedes 
laute Wort hören konnten, bemerkten, als Archibald 
wieder auf Reisen war, mit Genugtuung, daß es in dem 
Schlafzimmer ihrer Mieter 
nächtlich lebhaft zuging. 
Sofort stand es bei ihnen 
fest, daß die junge Frau 
einen Hausfreund haben 
mußte. 
Nun war für sie die 
Zeit der Rache gekommen. 
Zobelkoff erkundigte sich 
in der Fabrik Archibalds 
nach dessen momentaner 
Adresse. Diesen ersten 
Streich zum Angriff ris« 
kierte er natürlich unter 
falscher Flagge. 
Am Abend brüteten die 
drei Verschwörer über ei« 
nem Telegramm, das dem 
Ahnungslosen die Augen 
öffnen sollte. Befriedigt trug der Eisenhändler das ge« 
wichtigte Papier zur Post. 
Während der Table d'hote wurde Archibald die De« 
pesche überreicht, die er, in der Annahme, daß sie eine 
geschäftliche Mitteilung enthielt, erst öffnete, als er sich in 
seinem Zimmer befand. Er glaubte seinen Augen nicht 
trauen zu können, als er den 
Inhalt las. »Wenn Sie Ihre 
Frau in flagranti erwischen 
wollen, kommen Sie abends 
nach zehn Uhr unangemeldet 
nach Hause. Ein wohlmeinen« 
der Freund.« 
Von Eifersuchtsqualen ge« 
peinigt, beschloß er, den Nach« 
mittagszug zu benutzen, und 
nach Berlin zu fahren. 
Als er kurz vor zehn Uhr 
zu Hause ankam, stand die 
Familie Zobelkoff vollzählig 
hinter den Gardinen. Das Ehe« 
paar zog sich dann, in Erwar« 
tung der ehelichen Szene, ins 
Schlafzimmer zurück. Nahe der 
verräterischen Rabitzwand saßen 
die beiden und warteten auf den 
Moment, wo der Ehemann 
seine ungetreue Frau erwischen 
würde. Diese Aussicht ent« 
schädigte sie für alle erlittene 
Unbill. 
Archibald schloß leise die Korridortüre auf. Schon in 
der Diele vernahm er das fröhliche Jauchzen seiner Frau. 
Er blieb wie erstarrt stehen und horchte mit vorgestredc« 
tem Kopfe. 
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BSHLIN 
»Mein süßer Fritzei, — seit ich dich gefunden habe, 
bin ich doch nicht mehr so allein — —« drang es in 
zärtlichen Tönen an sein Ohr. 
»Du süßes Kerlchen, — wie ich dich liebe! — Tot« 
küssen könnte ich dich! 
Du bist so zart! — —« 
Wie im Traum stand 
Archibald und lauschte. 
Für Momente war es 
ruhig. 
»Komm ins Bettchen, 
Fritzei — leg dich in 
meinen Arm! — — —« 
Das war zuviel! Nun 
vermochte er sich nicht 
mehr zu beherrschen, er 
faßte seinen Revolver. 
Er wollte die beiden Ehe« 
bredier in flagranti er« 
tappen. 
Er dachte nach, welcher 
von seinen Freunden wohl 
der Bevorzugte sein 
könnte, und welcher ihm das Telegramm zugeschickt. An 
Zobelkoffs dachte er gar nicht. 
Als er hörte, daß das Licht ausgeknipst wurde, schlich 
er zur Schlafzimmertüre. Kein Ton war mehr zu hören! 
Seine Nerven waren wie ein Drahtseil gespannt, er 
mußte ein Ende machen! Leise klinkte er die Türe auf, 
sie gab nach, war also unver« 
schlossen. 
Ruth, die noch nicht schlief, 
stieß einen gellenden Schrei aus, 
denn sie glaubte nicht anders, 
als ein Einbrecher wollte sie 
überfallen. 
Im Nu schaltete Archibald das 
an. Seine Frau stand 
zitternd am Bett. Beide Betten 
waren leer. 
»Archibald — du?« schrie sie 
auf. — »Gottseidank, ich dachte, 
es wären Einbrecher!« 
Er ließ sich nicht irre machen. 
»Wo ist der Schurke?« schrie 
er sie an. »Wo hat sich der 
Bube versteckt?« 
Wie wild rannte er durch das 
Zimmer, den Revolver schuß« 
bereit in der Hand. 
»Ich weiß ja selbst nicht wo 
er ist, Männe«, flüsterte bebend 
Ruth. 
»So, du weißt es nicht. Ich 
werde ihn schon zu finden wissen!« 
In seiner Erregung kam er dem Drücker der Waffe 
zu nahe, und der Schuß ging los, geradewegs in die 
Wand, die nach der Nachbarwohnung führte. 
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