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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Nr. 17 
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Le B o v i e r de Fontenelle 
(1657- 1757) 
..Ich bin' 1 , begann Apoll za intonieren, 
und eilte Daphnen nach, vor langer Zeit, 
und rief ihr zu, trotz Atemlosigkeit, 
die seltnen Eigenschaften, die ihn zieren: 
„Ich bin der Gott der Verse!“ — Doch die Maid 
schien nichts für Kunst und Schöngeister zu spüren. — 
„Ich kann auch Laute spielen!“ — Kleinigkeit: 
Verstockte kann die Leier auch nicht rühren! 
„Ich kenne der geringsten Wurzel Kraft 
und wurde drob das Haupt der Ärzteschaft . . I“ 
— Jedoch, da rannte Daphne nur noch mehr. 
Doch hätte er gerufen: „Ewig währt 
bei mir die Jugend! Das gibt dir Gewähr . . I“ 
— Mein Wort — Dann hätt das Ding ihn gleich erhört! 
Otto Wolfgang 
Der Verdacht 
Pfui! 
Endlich war Ruhe im Hause. 
Nach vielem Wechsel, verbunden mit Klagen und Zank, 
hatte die neue Hausangestellte, die alle Garantien für ein 
längeres Bleiben bot, ihren Einzug gehalten, hatte Koffer, 
Taschen. Hutkartons verstaut und ruhig den Vortrag ihrer 
Herrin, meiner lieben Gattin Jona, angehört. 
Soweit mich die Geschichte anging, hatte ich mir bald mein 
Urteil gebildet: Cilly — bitte, so stand es richtig im Tauf 
schein — Cilly war hübsch, hatte eine gute Figur, bevorzugte 
Seidenflorstrümpfe und war nicht unfreundlich. Störungen 
meines ästhetischen Empfindens und der häuslichen Harmonie 
waren also nicht zu befürchten. 
Anscheinend war meine Gattin mit Cillys innerberuflichen 
Fähigkeiten auch sehr zufrieden, denn es war, wie gesagt, end 
lich Ruhe im Hause. 
Einmal allerdings, nach dem Essen, als Cilly gerade abge- 
räumt hatte, sagte meine Frau zu mir: 
„Mach’ dem Mädchen nicht immer so verliebte Augen!" 
ich schaute sie verblüfft an. Da ich aber gut erzogen bin. 
widersprach ich nicht und schwieg. 
Gelegentlich holte ich mir einmal warmes Wasser aus der 
Küche. 
„Das hätte ich dir auch holen können", sagte Jona. „Ich 
wäre nicht so lange draußen bei dem Mädchen geblieben!" 
Bald darauf bat Cilly eines Abends um Urlaub. 
„Gewiß, mein Kind, gehen Sie nur", sagte ich, „amüsieren 
Sie sich gut und machen Sie keine Dummheiten.“ 
Meine Frau sah mich fassungslos an. Als sich die Tür hin 
ter dem Mädchen geschlossen hatte, sagte sie: 
„Du hast ja schon einen ziemlich vertrauten T on zu unseren 
Dienstboten!“ 
Da ich cs für zwecklos hielt, ein Referat über den Aus 
gleich sozialer Unterschiede zu geben, zog ich mich an. 
„Gehst du noch fort?“ 
„Du weißt doch, daß heute Kegelabend ist!“ 
„Und“, meine Frau steht flammenden Auges vor mir, „wo 
triffst du dich mit der Cilly?“ — 
Ich blieb zu Hause und kündigte am nächsten Tage dem 
Mädchen. Ein dankbarer Blick Jonas streifte mich. 
Daß ich die arme Cilly nicht brotlos werden ließ und ihr 
ein hübsches Zimmer mietete, ist meine Privatsache. 
Und daß wir beide uns hin und wieder ganz gut amüsier 
ten, tat ich nicht zum Privatvergnügen, sondern einzig und 
allein aus dem Grunde, weil ich zu feinfühlig bin, einen 
falschen Verdacht auf mir sitzen zu lassen. Waldau 
Mein Frauchen meint’s mit mir so gut, 
doch bin ich immer auf der Hut, 
es könnt sie einer stehlen! 
Ich wache über jedes Tun, 
hab kaum die Zeit, recht auszuruh'n — 
sie könnte doch mal fehlen. 
Sie ist zu hübsch, das ist cs ja, 
da ist oft schnell ein Unglück da, 
Möcht einer sich erdreisten! 
Dann geht sie schließlich mit dem Fant, 
bloß weil ich nicht so elegant, 
ich kann mir das nicht leisten! 
0 Eifersucht, es ist zum schrei'n, 
was machst du mir doch große Pein, 
hält meine Frau die Treue? 
Tut sie dies nun mal wirklich nicht, 
wer gibt dann mir, dem armen Wicht, 
rasch eine hübsche Neue? 
Ich schleiche der Gemahlin nach 
und —.hoffe auf das Ungemach, 
daß sie sich m ö c h t verlieren! 
Hab ich sie erst mal überführt, 
dann darf ich auch mal ungeniert 
nen Seitensprung riskieren. 
Hans Nobel. 
Vom Baume der Erkenntnis 
Die „ersten Damen“ sind nicht immer so beliebt, wie die 
„ersten besten Damen“. 
Schöne Frauen, die uns anzieh’n, 
aus. 
* 
ziehen wir 
am liebsten 
„Alter schützt vor Torheit nicht“, laut die Frauen schelten, 
doch im Herzen lassen sie gern die Torheit gelten. 
Der Mund der Gattin ist das Löschblatt für die Briefe an 
die andern Frauen. 
» 
Die Ehe ist ein Geschäftspapier, für welches die Mitgift als 
Schreibmappe dient. / Ulemann
        
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