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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Nr 16 
Jahtg. 25 
21 
Um stets heiter und glücklich zu leben . . . . I 
3. Fortsetzung. Eine vermögliche Novelle von Erich Falk. 
Das Abendbrot war gut und reichlich. 
Die Auswahl von Schnäpsen und Zigarren 
war befriedigend, und die unvermeidliche 
Politik sowie die noch unvermeidlicheren 
schlechten Zeiten hatten die Gemütlichkeit 
der Unterhaltung kaum beeinträchtigt. Bei 
uns allen war die Stimmung die angenehmste, 
und als nun aus dem Elektromophon die 
Stimme der Sigrid Onegin das Lied: .Um 
stets heiter und glücklich zu leben“ aus 
Lukrezia Borgia zum Vortrag gebracht hatte, 
wurde allseitig diskret applaudiert. 
Felix, der Hausherr, quittierte lächelnd, 
wie er sagte, .im Namen der Künstlerin“ 
Uber den Beifall. 
„Das Lied paßt gut zu Dir, Du Lebens- 
kUnstler“, bemerkte trocken Freund Heinz. 
„Man könnte Deine Lebenskunst beneiden, 
wie Du unberührt von den Sorgen der Arbeit 
und des Erwerbs Dein Leben glücklich und 
heiter schaffst.“ 
„Lebenskunst ist ein zu großes Wort fUr 
mein bescheidenes Talent“, erwiderte Felix. 
„In unserer heutigen paradoxen Zeit ist es 
doch kein Kunststück zu erkennen, daß Arbeit 
und Tätigkeit zum Leben herzlich wenig bei 
tragen, und daß ein beliebiger Fimmel meist 
mehr hermacbl als ein abgrundtiefes Wissen*. 
Alles lachte. „Willst Du uns Dein Lob 
lied des Fimmels nicht etwas eingehender 
erklären?“ 
.Aber gern“, meinte Felix. „Ihr habt 
doch auch schon als kleine Jungens dem 
Fimmel der Sammelwut gehuldigt. Erinnert 
Euch: haben wir nicht, von Briefmarken an 
gefangen, nahezu alles mögliche Wertvolle 
undWertlose gesammelt? Mir hat der Sammel 
fimmel Uber vieles hinweggeholfen. Ohne 
daß ich mir der leigen Konsequenzen auch 
nur annähernd bewußt war, habe ich immer 
bei meinen Sammeleien schließlich irgend 
einen größeren Treffer gemacht. In den 
letjten Jahren habe ich einen Sammelfimmel 
gepflegt, der es mir e möglich!, ohne speku 
lieren zu müssen und ohne meine bequeme 
Berufsarbeit irgendwie zu übertreiben mir 
nach wie vor jedes vernünftige Vergnügen 
zu gönnen und die mir erwünschte Gesellig 
keit zu pflegen.“ 
Der etwas skeptische Baumeister konnte 
sich nicht enthalten zu bemerken „Donner 
wetter, nun schieß aber los mit Deinem 
Rezept, wenn s kein Geheimverfahren ist!“ 
„Felix lachte: „Es ist kein Geheimver 
fahren. Mich hat nur mein Sammelfimmel 
vielleicht als ersten auf die richtige Spur 
gebracht. Ihr wißt ja, daß in den lefjten 
Jahren meine Hauptpassion war: Hausmusik! 
Ich hatte schon einen Phonographen, als 
man diese Dinger noch spöttisch als Kon- 
serven-Musik bezeichnete Von Jahr zu Jahr 
kamen neue Verbesserungen heraus, und 
ich habe bei jedem wirklichen Fortschritt 
mitgemachf, indem ich meine alten Apparate 
in den jeweilig besten und modernsten 
Apparat umtauschte. Gegenwärtig bin ich 
bei der Elektromophon - Vitrine angelangt, 
wie Ihr eben gehört habt. Der Wilj bei 
diesen Anschaffungen war der. daß ich 
meinen alten Apparat immer erst verkauft 
habe, nachdem ich den neuen besseren 
Apparat schon ein paar Monate hatte. In 
zwischen war dann nämlich mit unserer 
konstanten Markentwertung der Rückkaufs 
wert des alten Apparates höher geworden, 
als mein Kaufpreis für den neuen Apparat.“ 
Heinz meinte lachend: , Das erinnert an 
die Geschichte von den beiden Erben in 
Wien, von denen der Leichtsinnige sein er 
erbtes Kapital auf die Bank trug worauf er 
ein armer Mann wurde, während der Schlaue 
sich für das ganze Geld Schnaps anschaffte, 
um später durch den Verkauf der leeren 
Schnapsflaschen Millionär zu werden.“ 
, Stimmt“, meinte Felix. „So ähnlich liegt 
es bei mir auch. Ich habe mir natürlich zu 
meinen Musikapparaten das entsprechende 
Quantum Schallplatten immer sehr reichlich 
zugelegt. Ihr seht ja hier einen ganzen 
Schrank, der mit gefüllten Plattenalben heute 
einen wahren Schal? an Hausmusik darslellt 
und einen sogenannten Millionenwerl reprä 
sentiert. Damit ist mir’s nun wirklich so 
gegangen wie dem erwähnten Schnapssäufer. 
Ich bekomme heute bei meinem ständigen 
Lieferanten Beil & Voss für eine alle ab 
gespielte Platte lediglich als Materialwert 
das 20fache von dem, was mich die Platten 
neu gekostet haben, und weil ich mir immer 
Zeit gelassen habe beim Verkauf und mich 
dagegen beeilt habe, jedeguteNeuerscheinung 
für mein Platten-Repertoire zu erwerben, so 
habe ich heute, wenn ich Kasse mache, 
scheinbar noch Geld herausbekommen. Wenn 
Ihr nun überlegt, daß ich durch mein großes 
Mus k-Repertoire kaum jemals Langeweile i 
habe und daß mich die Unterhaltung meiner 
lieben Freunde beinahe nichts kostet, dann 
werdet Ihr zugeben, daß mein Fimmel, Schall 
platten zu sammeln, sich ganz nett aus 
gewirkt hat.“ 
„Wie informierst Du Dich denn Uber die 
Gelegenheiten, rechtzeitig Neuigkeiten an 
Schallplatten zu erwerben?“ fragte Heinz. 
„So wie Du Dich von Deinem Buch 
händler Uber literarische Neuigkeiten unter 
richten läßt, so bin ich Stammkunde bei 
Beil & Voss und erhalte als erster dauernd 
Mitteilungen Uber alle neu herauskommenden 
Fabrikate in Schränken und Uber alle neuen 
Plattenaufnahmen. Dadurch ist ja Beil & 
Voss in Berlin so groß geworden daß sie 
nicht nur die Schränke oder Platten einer 
bestimmten Fabrik führen, sondern daß sie 
von allen Fabrikaten und von allen Plaiten- 
marken Auswahl haben. Ich bin deshalb 
bei Beil & Voss, wie man sagt gut auf 
gehoben, denn es gibt doch, glaube ich, 
kaum ein anderes Musikgeschäft, wo die 
Verkäuferinnen ein so universelles Wissen 
Uber das gesamte große Platten-Repertoire 
besit?en, wie bei Beil & Voss. Darauf kommt 
es natürlich bei mir sehr an denn ich bilde 
mir ein, durch meinen eigenen großen 
Plattenschat? heute einer der besten Kenner 
dieser Art Musik zu sein.“ 
„Wo sind denn die Geschäfte von Beil 
& Voss?“ 
„Es waren bisher 7 Filialen. Wenn’s 
Euch Spaß macht notiert sie Euch: 
Tauen|?ienstr. 5. Nollendorfplat? 7, Haupt 
straße?. RosenthalerSlr. 16-17 Badstr.42-45, 
Gr. Frankfurter Str. 110, Kottbuser Str. 1. 
Vor einigen Tagen ist noch eine Filiale 
am Blücherplal?. nämlich Planufer 24a dazu 
gekommen. Die Kataloge Uber Apparate und 
Planen, sowie die Nachträge, welche von den 
Schallplatten - Fabriken regelmäßig heraus 
gebracht werden, erhalte ich immer von der 
Beil & Voss-Zentrale, Prenzlauer Straße 52“ 
Der Baumeister wandte sich zu Heinz: 
„Wir beide haben ja eigentlich bisher an 
Substanzwerten nur leere Schnapsflaschen 
aufzuweisen. Wollen wir es mal unserem 
Freund Felix nachmachen und Kulturwerte 
sammeln?“ 
Alles lachte: „Also auf zu Beil & Voss.“ 
Fortset?ung folgt. 
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