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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Jahrg. 25 
Nr. Ui 
18 
Carl Bedtrrsadis 
so wird doch alles meisterhaft verdeckt durch die stets 
zündende Schlagermusik Rudolf Nelsons. Dieser 
Klassiker moderner Kabarettmusik bleibt ewig jung 
und frisch. Nie mangelt es bei ihm an launigen Ein 
fällen, und trotzdem werden seine Kompositionen nie 
mals banal wirken. Im Gegenteil, die letzten Jahre 
zeigen deutlich einen aufsteigenden Weg, um auch die 
ses Genre künstlerisch ständig mehr und mehr zu kul 
tivieren. Gerade dadurch setzt er sich in einen stren 
gen Gegensatz zum üblichen Tageskitsch unserer 
Operetten - Theater, die immer noch nicht über den 
alten Durchschnitt hinwegkommen. Wenn manche 
Kritik das auch nicht einsehen will, die Zeit wird es in 
Kürze lehren. 
Was die Darstellung betrifft, muß vor allem Frau 
Käte Erlholz rühmend erwähnt werden. Sie ist auch 
heute noch der-strahlende Stern-am Kabaretthimmel, 
der nicht übertroffen werden kann. Die Kunst ihrer 
echt Berliner Schnoddrigkeit ist mehr als meisterhaft. 
Dabei wird sie nie den Rahmen des Ensembles ein 
seitig durchbrechen. Gurt Bois, der an diesem Theater 
seit Jahren seine künstlerische Entwickelung genossen, 
hat sich zu einem zukunftsreichen Komiker entwickelt. 
Trotz seines noch jugendlichen Alters steht er schon 
heute mit in vorderster Reihe. Zwerchfellerschütternd 
wie immer wirkt Gurt . 
Fuß. Geber ihn noch 
Worte des Lobes zu j 
schreiben, erscheint mir 
überflüssig. Man muß 
ihn gesehen haben. Von 
den neuen Kräften muß 
v or allem Garl Becker- 
sachs lobend erwähnt 
werden. Wer ihn früher 
in Operetten gesehen, 
wird zugeben müssen, 
daß er hier endlich den 
richtigen Platz für sein 
Talent gefunden hat. Die 
hingebende Liebe, mit 
der er sich allabendlich 
seiner Aufgabe entiedigt, 
; Wir 
steh’n verkehrt! 
Selten hat mir ein Titel so im 
poniert wie dieser, entspricht er 
doch so recht unseren gegen 
wärtigen Zeitverhältnissen. ln 
der Revue selbst — Nelson- 
Theater. Berlin, Kurfürstendamm 
— ist allerdings nicht viel davon 
zu merken. Deswegen ist aber 
der Inhalt doch höchst aktuell. 
Vor allem der jetzt so modern ge 
wordene Ausländerkultus kommt 
ausgiebig zu seinem Rechte. Als 
Verfasser verzeichnet das Pro 
gramm Garl Rößler, Theobald 
Tiger und Rudolf Nelson. Lassen 
die Texte auch oftmals manche 
Schwäche erkennen — für das 
Marbuse-Couplet und das Smo 
king-Quartett kann ich mich beim 
besten Willen nicht erwärmen — 
Käte F.tthotz 
Jenny Steiner und Hans Äthers 
machen ihn besonders sympathisch. Dann wäre noch auf 
EJse Berna hinzuweisen, für die ich mich aber nicht 
recht erwärmen kann. — Die Lücke, die Willi Schäffers 
durch seinen Weggang geschaffen, hat man durch Wil 
helm Bendow geschickt zu überbrücken versucht. Seine- 
Kunst soll gewiß nicht verkannt werden, aber das un 
vergleichliche Talent Schäffers läßt sich so leicht nicht 
vergessen. Sollte wirklich nicht an eine Rückkehr zu 
denken sein? — Rassig wie stets ist Jenny Steiner mit 
ihrem Partner Hans Albers in zwei temperamentvollen 
Couplets, die in ihren Refrains außerdem selten gut ge 
lungene Tänze zeigen. — Zum Schluß muß ich noch 
einer Künstlerin gedenken, die eigentlich mit ihrer Dar 
bietung etwas aus dem Rahmen des Ganzen tritt, aber 
auch hier eine Kunst offenbart, vor der jede Kritik ver 
stummt. Es ist Blandinc Ebinger, hinreichend bekannt 
genug, so daß sich jedes weitere Lob erübrigt. — Die 
Idee, Raffke aus der Berliner Illustrierten Zeitung auch 
auf die Bühne zu stellen, ist an und für sich sehr ge 
schickt. Aber es wäre wohl besser gewesen, dafür einen 
anderen Repräsentanten zu wählen als Garl Platen. 
Sein Talent in allen Ehren, aber der Kurfürstendamm 
verlangt etwas mehr potenzierte Kultur als das son 
stige Berlin. Ein besonderer Hinweis muß noch den 
glänzenden Toiletten geschenkt werden, die dem Atelier 
Leschziner entstammen 
und selten guten Ge 
schmack offenbaren. 
Auch die Anzüge der 
Herren Beckersachs, Bois 
und Albers, die die Ate- 
I liers Rattner, Tauentzien- 
[ Straße, und Stavropulus 
& Moldauer, geliefert ha 
ben, verdienen uneinge- 
| sehränktes Lob. — 
Als Illustration unseres 
> Artikels sind drei Origi 
nalaufnahmen aus der 
I Revue gewählt worden, 
j die dem bestens bekann- 
i ten Atelier Binder, ent 
stammen. Amandus
        
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