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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Nr. 16 
Jafirg. 25 
Das Gspusi 
Geno Leander 
Das hängt sich einem an den Arm 
und trällert einen Schlager. 
Das kleidet sich mit Chic und Charme, 
ist auch die Börse mager. 
Das lacht sich tot beim Kinoschwank 
und möchte — acht — zur Buhne. 
Das weiß so lieben, süßen Dank 
für eine Fahrt ins Grüne. 
Das trägt am Sonntag stolz beim Tanz 
von „ihm" die seiet nen Strümpfe. 
Das jauchzt beim tollen Mummenschanz 
als lustbeschwipste Nymphe. 
Das weiß von Plato nichts, von Kant 
und nichts von Schopenhauer. 
Das ist bei solchem Unverstand 
in — andern Dingen schlauer/ 
Das näht „ihm“ seine Knöpfe an 
und stopft „ihm“ seine Socken. 
Das tut, was ich nicht sagen kann, 
ob Amors losem Locken 
Das sieht den Himmel immer blau, 
die Welt im Sonnenglanze — — — 
Sie wird noch früh genug dir grau! 
Drum sing und lach und tanze! 
Vom Baum der Erkenntnis 
je weniger eine Frau auf dem Körper hat, desto mehr Stoff 
liefert sie den Männern. t 
Die meisten Kinder bereiten uns vor ihrer Geburt mehr Freude 
als nachher. , lUemann 
Tanta fus 
J. Ufe ttt a tt tt 
Zur Stippvisite war geladen 
der Mehmed einst beim Ali Scheich: 
„Mein Freund, du kannst im Glücke baden 
in deinem märchenhaften Reich. 
Du wirst von aller Welt bewundert 
in deinem goldnen Feenpalast, 
mit deinen Frauen über hundert. 
Beneidenswerter, die du hast!“ 
„Wohl bin ich glücklich vor den Leuten“ 
— sprach Ali Scheich da mit Verdruß, — 
„doch ehrlich will ich's dir bedeuten, 
im Hause bin ich Tantalus. 
Denn liegen auch die schönsten Wesen 
in meinem Arm, bis ich erwach', 
so muß ich stets in ihrem Blick es lesen: 
Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schviach.“
        
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