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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Start zum 
Boßrennen in Davos. 
schuh-Klubs, auf der schon wiederholt Weltmeisterschaften ent 
schieden wurden, ist eine der besten der Welt. Hier kämpfte 
und siegte Oskar Mathiesen, der norwegische Weltmeister im 
Schneilauf, hier zeigten Salchow, Hügel, Fuchs und die besten 
Paarläufer ihre Meisterschaft im Kunstlauf. Auch Eishockey und 
Curling stehen hier in Blüte, und Eis-Gymkhanas sind hier wie 
St Morib 
in 
feste Bestand 
teile der gro 
ßen Eisfeste. 
In der Neu- 
schöpfung sol 
cher humori 
stischen Wett 
bewerbe ist 
derEngländer 
ein Meister. 
Nadel- und 
Fadenrennen, 
Löffelrennen, 
wobei ein Ei 
auf einem klei 
nen Holzlöffel 
laufend zu 
einem etwa 
100 m ent 
fernten Ziel 
getragen wer 
den muß, 
Rückwärtslau 
fen, Besen 
reiten — alles 
natürlich auf 
Schlittschuhen 
— diese und 
ähnliche lusti 
ge Konkurren 
zen sind die 
üblichsten 
Programm 
nummern ei 
nerderartigen 
Gymkhana. 
Um hier einen 
Preis erringen 
zu können, braucht man kein Meister iin Sport zu sein, sondern 
nur über einen gelenkigen Körper, eine feste Hand und ein 
sicheres Auge zu vertügen. 
Auch Davos hat übrigens seine winterlichen Pferderennen, die in diesem Winter am 12., 16. 
und 19. Februar auf dem Davoser See stattfiuden. Wie immer, schließen sie auch ein 
Skijöring ein, ein Rennen auf Skiern hinter Pferden. Nur ganz sichere Skiläufer, die 
sich zugleich auf die Lenkung eines Pferdes verstehen, haben in einem solchen Wett 
bewerb Chancen. Es ist ein prächtiges Bild, wenn so ein Feld über die weiße 
Eisdecke dahinbraust. Unter den Hufen der galoppierenden Pferde stiebt der pulverige 
Schnee auf; fröhlicher Zuruf und scharfer Peitschenknall spornen den Lauf der 
Renner an. Dieser oder jener der Teilnehmer kommt vielleicht zu Fall und 
scheidet so aus, die anderen aber kämpfen, von Schneestaub umwirbelt und von 
dem dampfenden Atem der Rosse umflattert, bis ins Ziel hinein um den Sieg. 
Auch der König aller Wintersportarten, der Sprung auf den Skiern, wird in Davos 
gepflegt, ja, sogar die englische Ski-Meisterschaft wurde dort Anfang Januar 
entschieden. Das Dorado der Bobsleighfahrer ist die Schabalp-Bahn, die 
sich von der Schabalp in weiter, kurvenreicher Strecke ins Tal windet. 
Die auf der gegenüberliegenden Seite befindliche Schlittelbahn ist für 
Rodel« und sogenannte Schweizerschlitteu bestimmt und darf von 
Bobsleighs nicht benubt werden. 
So herrscht in den Schweizer Bergen fröhliches Sporttreiben bis 
in den Frühling hinein. Tagsüber sieht man in der sonndurch- 
glühten Luft in weite F ernen > ' n denen Eisgiganten ihre weißen 
Häupter emporrecken; nachts sinkt das Thermometer häufig auf 
20 Grad unter Null. Bei gesundem Sport bräunt und strafft sich 
die Haut, und die Glieder stählen sich zum Kampf. Aber heute 
ist nur in dieses Paradies zugelassen, wer über Dollars, Pfunde 
oder sonstige Goldwährung verfügt — bis einmal, für uns 
wenigstens, eine andere, bessere Zeit angebrochen ist. Einst 
weilen muß sich unsere wintersportfreudige Jugend noch mit den 
heimischen Bahnen begnügen, die sich auch eines reichen Zu 
spruchs erfreuen werden. Der Deutsche Reichsausschuß gibt sich 
alle Mühe, die Freude unserer hcranwachsenden Jugend am 
Wintersport in jeder Weise zu fördern und dafür zu sorgen, daß 
die finanziellen Hindernisse, mit denen auch Reisen nach Parten 
kirchen oder in den Harz immerhin verknüpft sind, möglichst zu 
beseitigen oder doch wenigstens zu mildern. Für unser kommen 
des Geschlecht ist es eine unerläßliche Notwendig, sich recht viel 
in freier Natur zu tummeln, damit der Körper, der durch die Ent 
behrungen des Krieges gelitten hat, bald wieder erstaiken kann. 
Seben wir doch auch in sportlicher Hinsicht große Hoffnungen auf 
die heranwachsende Generation. Sie sollen einstmals die deutschen 
Farben würdig veitreten und sie wieder 2u altem Ansehen und 
alter Würde bringen. 
Bis vor kurzem war es noch möglich, Wintersportreisen nach den 
Beskiden oder in die Hohe Tatra zu unternehmen, wo sich über 
all Hütten und Unterkunftsorte befinden, die vom Deutschen 
Alpenverein errichtet und verwaltet wurden. Seitdem sich aber 
die tschechi- 
Bficit auf die großen Eisßaßnen in St. Moritz. 
sehe Krone 
ebenfalls zur 
Edelvaluta ge 
schlagen hat, 
ist für die nor 
mal begüter 
ten Deutschen 
auch dieses 
Gebiet ver- 
schlossen.Hof- 
fentlich führen 
die vielen 
Völkerversöh 
nungskon 
gresse, die un 
sere Gegner 
veranstalten, 
wirklich ein» 
mal zum Ziel, 
auf daß deut 
sche Meister, 
unbeschadet 
von Valuta 
schwankun 
gen und chau 
vinistischen 
Anfeindungen, 
sich wieder 
auf den inter 
nationalen 
Sportpläben 
mit den geg 
nerischen 
Cracks im 
friedlichen 
Wettkampf 
messen kön 
nen. Bis zum 
Jahre 1914 war ja der Ruf unserer deutschen Sportler auf allen 
Sportpläben der Welt gut bekannt, und es ist zu lioffen, daß das 
in naher Zukunft wiederum der Fall sein wird.
        
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