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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Nr. 15 
Jahrg. 25 
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verschlossen geblieben war, wurden nun Gemälde von allerlei Ge 
schöpfen der Tierwelt aufgehängt. Ein Bild aber war mit einem Vor 
hang versehen. 
In den letzten Tagen war eine geheimnisvolle Unruhe über den 
Jüngling gekommen. Mit häufigen 
Fragen nach des Vaters Ankunft 
hatte er schon seit langem das Herz 
des Hofmeisters erfreut, der in sol 
cher Sohnesliebe ein schönes Ergeb 
nis seiner Mühen sah. Nun lief 
Eustachius unaufhörlich scherzend 
und singend im Hause umher, um 
armte seinen Vater, strahlte dem 
Hofmeister in die erstaunten Augen, 
lachte manchmal leise auf und hatte 
zweifellos ein Geheimnis im frommen 
Busen bewahrt. Dem Fragen wich 
er aus und verwies auf die Prüfung, 
die am Geburtstag seines Vaters 
stattfinden sollte. Da würde es auch 
ihm anstehen, sein Herz zu öffnen 
und dem geliebten Papa sein schön 
stes Geschenk darzubringen. 
So sahen die Alten und der 
Junge mit größter Spannung dem 
Prüfungstage entgegen. 
Und er kam. 
zog ein junges Weib herein, das einen Säugling an der Brust trug. 
»O, ich war würdig und ausersehen, einem wirklichen Engel zu be 
gegnen!« rief er mit Entzücken aus. »Seht nun, wie der Himmel meine 
Frömmigkeit mit ihm und einem gar engelgleichen Kinde belohnte!« 
Und er berichtete eilends, wie 
er im Lenz des vergangenen Jahres 
einmal des Nachts über die Mauern 
kletterte und diesem Wesen begeg 
nete, das in einer himmlischen Sied 
lung wohne und eines heiligen 
Holzfällers Tochter sei. In Liebe 
entbrannt, habe er himmlisches 
Glück erleben dürfen, und sicher 
würde ihm der Vater die Heimlich 
keit verzeihen, mit der er nächt 
licherweile oftmals das Paradies be 
sucht habe/ sei es doch geschehen, 
um ihm heute die große Freude 
machen zu können. Ein frommer 
Einsiedler habe ihm damals den 
Engel ehelich angetraut, und wenn 
es nun recht sei, wolle er auch den 
heiligen Holzfäller holen, der schon 
ungeduldig des Augenblicks harre, 
in dem er den Vater umarmen und 
die Tochter unter dem irdischen 
Dach ihres Gemahls sehen dürfte. 
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Eustachius wurde in 
den Bildersaal geführt 
und schaute mit eifriger 
Teilnahme die Bilder der 
Tierwelt an. Schließlich 
aber stand er vor dem 
verhängten Gemälde, 
und der Hofmeister be 
reitete ihn mit ernsten 
Worten vor, sich auf den 
Anblick des leibhaftigen 
Teufels, in öl gemalt, 
gefaßt zu machen. 
Damit fiel die Hülle. 
Und Eustachius sah eine 
ruhende Venus, deren 
schimmernder Leib gar 
verlockend lasterhaft in 
seine Augen drang. Er 
betrachtete sie recht ge 
nau, lächelte, wandte sich 
zu Vater und Erzieher 
und lachte befreit heraus. 
»Dachte ich mir doch 
lange, lieber Vater, daß 
der Teufel diese Gestalt 
annehmen würde. Aber 
er ist doch ein armseliger 
Stümper! Wie könnte es 
mir geschehen, daß ich 
daneben nicht den rechten 
Engel erkennen sollte, 
der guten Kindern des 
Nachts im Walde er 
scheint?« 
Die beiden Alten 
starrten ihn sprachlos an. 
Nimm nun meine 
Geburtstagsgabe, lieber 
Vater«, fuhr Eustachius 
mit frommem Lächeln fort 
und verließ das Zimmer. 
Nach wenigen Minu 
ten kehrte er zurück und 
das SlöadeLaus der JDamc 
jDreselea 
(praqcntr. dient am JD-auptbahnhoj 
Der seltsamen Ge 
schichte ist leider hinzu- 
zufügen, daß der Ritter 
von Miesburg vom 
Schlage getroffen zu Bo 
den sank, während der 
Hofmeister ohne Ab 
schied entfloh. Tröst 
lich darf aber mit der 
Versicherung geschlossen 
werden, daß Eustachius 
nach mancherlei Erden 
wanderung auch außer 
seinem jungen Weibe 
noch mancherlei Engel 
von den zahlreichen Teu 
feln dieser Erde unter 
scheiden lernte. 
Tritt ZMtsdi 
* 
Seßr wahr 
Ein Kranker wurde 
einst gefragt, ob ihn die 
Angst nicht quäle, — 
daß seine Frau nach sei 
nem Tod sich noch ein 
mal vermähle. — »O, 
mag sie's nur!« antwor 
tet er, »das will ich gern 
ertragen, - denn dann 
wird einer wenigstens 
doch meinen Tod be 
klagen!« 
Die Lieb' ist dreierlei: 
Liebe—ein Herzensband, 
Lieb' — eine Heuchelei, 
Und Lieb' — ein Todes- 
<brand.
        
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