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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Nr. 15 
Jahrg. 25 
17 
LU LU 
Eigentlich hieß sie Edith. War Verkäuferin in einem Hand* 
Schuhgeschäft in der Potsdamer Straße und außerdem abends im 
Chor des Berliner Theaters. Grund genug für eine interessante 
und — billige Liaison, der man sich zu jeder Stunde wieder 
entledigen kann. Ganz wie es die Laune will. 
Ich suchte gerade echt wildlederne Schwedenhandschuhe. War 
aber Nationalökonom genug, um midi nicht durch Valutapreise 
übertölpeln zu lassen. Kam also per Zufall in ihr Geschäft — 
das heißt, wo sie angestellt war — und lernte sie gleich von 
einer interessanten Seite kennen. 
»Haben Sie keine billigere Qualität?« fragte ich. 
»Bedaure sehr. Das sind die üblichen Tagespreise.« 
»Schade. Gerade von Ihnen hätte ich gern etwas gekauft « 
Sie lächelt und antwortet nicht ohne Wärme: »Hier kann ich 
Ihnen leider nicht billiger dienen.« 
Ich bin Weltmann genug, um sofort zu verstehen. »Und 
heute abend?« 
»Vor 7»12 Uhr ist es unmöglich.« — 
Ich schaue ihr tief in die hellblauen Augen und nicke ver 
heißungsvoll zu. Dann verlasse ich den Laden. 
Pünktlich auf die Minute bin ich zur Stelle. 
Bald darauf kam auch sie, angetan mit einem Pelzkostüm, 
das verlockende Heiratsgedanken erweckte. Vorausgesetzt, daß 
man ihren Beruf nicht kennt. 
Das Abendessen war delikat, aber nach heutigen Zeitum 
ständen nicht gerade billig, zumal sie einen erwählten Geschmack 
an den Tag legte. 
Aber der verlockende Hinblick auf einen würdigen Abschluß 
ließ alle Bedenken fallen. 
Was soll ich weiter berichten? — — — 
Ich bin vollauf auf meine Kosten gekommen. 
Sollte ich aber wieder einmal Handschuhe gebrauchen, will ich 
doch lieber den Valutapreis bezahlen. Bei einiger Geschicklichkeit 
kann man dasselbeVergnügen auch für eineTasse Schokoladehaben. 
K. Brandts 
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Ich begleitete sie bis vor die Haustür und wir sahen beide be 
lustigt dem Spiel unserer beiden Hunde zu. Mein Dackel über 
häufte ihren Terrier, eine Hündin, mit Zärtlichkeiten, wurde immer 
stürmischer, und da — obwohl es doch nur Hunde waren — die 
Situation peinlich wurde, zerrte ich meinen Köter zurück und rief: 
„Pfui, Purzl, geh' weg — p/ui, pfuill“ — „Aber Herr Doktor", 
sagte meine Begleiterin und sah mich schelmisch an, „warum denn 
so aufgeregt — würden Sie es denn nickt genau so macken??"— 
* 
— „Ach, Kurt — ich habe solche Angst davor!“ — 
— „ Aber weshalb denn, Süßes?" 
— „Ach, du weißt doch — wenn nur nicht — “ 
— „Sei ohne Sorge, mein Kind, ich werde schon dafür sorgen —" 
— „Davor fürchte ich mich ja gar nicht, Kurt, aber ick habe 
solche fürchterliche Angst, daß — " 
— „Daß??“ — 
— „Daß es nur meine Mama nickt erfährt — !" 
* 
Die Dame: „Herr Doktor, hätte ich das geahnt — ich hätte 
nie geglaubt, daß Sie so dreist sein können — du böser Mensch 
duI“ - 
Er: „Meine Gattin, die teure, weiß es ja nickt.“ 
Die Dame: „Ja, aber ich — so einen Tag vor meiner Hochzeit!“ 
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