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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Hausßoote auf der Tßemse. 
Vom Sport am Vasser 
Von Hanns Gofenius. 
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V s 
on diesen Sommertagen könnte man unter Berufung auf ein Zitat des großen 
Shakespeare sagen: »Und der Regen regnet jeglichen Tag, wer weiß, was da noch 
werden mag . . . « Da aber das Barometer wieder zu steigen beginnt (uin vielleicht 
morgen schon wieder zu fallen!), so braucht man sich über das, was da werden mag 
nicht weiter den Kopf zu zerbrechen. Schlimm ist nur der Großstadtbewohner daran 
der jetjt endlich den schon lange ersehnten Urlaub antreten will und nun die Felle 
seiner Hoffnungen — sit venia verbo! — in unaufhörlichen Regenfluten davonschwimmen 
sieht. Aber schließlich muß die goldene Sonne ja doch wieder einmal durch die Wolken 
hindurchbrechen, und dann entschädigt uns ein einziger sonnendurchglühter Nachmittag 
für viele trübe Regentage. 
Der Sportsmann ist da noch am besten daran; er ist — und dies mag manchem 
als Widerspruch erscheinen — nicht so von der Witterung abhängig wie die meisten 
anderen Menschen, die in ihren Ferien, in den neuen Sommeranzu gekleidet, gepult 
und gebügelt, auf der Promenade irgend eines Modebades einherflanieren oder, ruck 
sackbepackt, durch die Welt der Berge spazieren wollen, da, wo sie nicht am höchsten 
sind und nicht nur dem Kraxler von Passion, sondern auch dem weniger Geübten ein 
Weniges von ihrer Schönheit erschließen. Der Sportsmann macht nicht so viele Um 
stände, wenn es gilt, der Unrast der Großstadt zu entfliehen, alle Sorgen des Alltages 
hinter sich zu lassen und Herz und Lunge in frischer Luft, auf den Bergen oder am 
Wasser auszulüften. Ihm macht ein bißchen Regen nichts aus, denn wetterfest ist seine 
Kleidung und er selbst abgehärtet und überhaupt nicht so empfindlich gegen die Un 
bilden der Witterung. Am ehesten gilt dies vielleicht für den Wassersportsmann, der 
ja natürlicherweise sowieso mit dem nassen Element vertraut ist. Ja, er ist sogor imstande, 
S‘eßenge6irgs=Regatta zu Godesßerg am Rßein. 
Da Sieger im Hodisthul^piercr vom Akademischen Ruder*ciu6 Rhenus - Bonn. 
Camßridge scßßägt Oxford, 
liier engtische Meilen in 19 Minuten 39 Schunden. 
das Wasser innerlich zu vertragen, wenn er 
auch, gelegentlich natürlich nur, gegen einen 
Tropfen Alkohol nichts einzuwenden hat. 
Die Stimmung, die der Alltagsmensch aus 
dem Genüsse des Alkohols schöpfen zu 
müssen glaubt, trägt er in sich; er bedarf 
nicht erst der halben Flasche Champagner, 
die nach Bismarcks bekanntem Ausspruche 
und der große Kanzler hat es sicherlich 
gewußt — einem jeden Deutschen zur Be 
lebung seines Temperaments im Blute fehlt. 
Er ist sclion fröhlich, wenn er sich in seinem 
Elemente befindet, im schlanken Kanu auf 
den leise plätschernden Wassern eines sanft 
dahingleitenden Flusses oder den reißen 
den Fluten eines unserer großen Ströme 
oder, das Ruder einer schnittigen Yacht in 
der nervigen Rechten, auf den blauen Wogen
        
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