Path:

Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

2 
A uch in Deutschland hat die Geldentwertung allmählich 
Formen angenommen, die ans Phantastische grenzen. Wir 
wollen gar nicht von der bis zum Überdruß behandelten Teue- 
rung der Lebensmittel reden. Schon die kleinsten Gebrauchs* 
gegenstände des alltäglichen Lebens sind derartig gestiegen, daß 
sie für den normal verdienenden Deutschen zu Luxusgegen- 
ständen geworden sind. So kostet ein Stück guter Toilette 
seife, die man früher für eine Mark erhielt, jetzt 75 bis 90 M. 
Eine Rolle Nähgarn kostet 150 Mark anstatt 30 Pfennige, ein 
einfacher Kragenknopf 10 Mark, eine Rasierklinge 12 Mark. 
Dieses sollen nur einige Beispiele für die ungeheure Preis 
steigerung der kleinen Dinge im Haushalt sein. Ist man 
gezwungen größere Anschaffungen zu machen, wie z. B. Mö 
belstücke, so muß man schon für die einfachsten Ausführungen 
einen sehr tiefen Griff in den Beutel tun. Mittlere Speise 
zimmer stellen sich auf 120000 bis 150000 Mark, Schlaf 
zimmer auf 100000 bis 120000 Mark und einfache Herren 
zimmer ebenfalls bis 150000 Mark. Erstklassige künstlerische 
Ausführungen verschlingen ein Vermögen. Unsere führenden 
Maßschneidergeschäfte stellen keine Sakkoanzüge aus Qaalitäts- 
stoffen unter 40000 bis 50000 Mark her, Preise, für die man 
früher Luxusautomobile hätte haben können. Fragt man den 
Geschäftsmann, warum denn alles so rapid steigt, so erhält 
man immer wieder die stereotype Antwort: »Na, bei dem 
Dollarstand müssen doch die Preise in die Höhe gehen«. So 
antwortet der Bäcker, wenn das Mädchen frühmorgens das 
Brot holt, so antwortet die Frau am Stand in der Markthalle, 
bei der Madame am Vormittag ihre Einkäufe besorgt, so ant 
wortet der Schreibwarenhändler, bei dem dein Junge seine 
Schulfedern kauft, von denen das Stüde auch bereits 1 Mark 
bis 1,20 Mark kostet. Du kannst das Steigen des Dollars 
förmlich mit dem Ohr verfolgen, ohne einen Blick in die Kurs 
liste — in Fachkreisen »Verlustliste« genannt — zu tun. Nach 
dem Mars ausregiert hat, regiert der Dollar die Stunde, und 
, Wat, 5o Pfennige ? Mensch, Bei den DofCarRursI“
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.