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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

„9ary“ 
M O D B S 
Berlin W15, Joachimsthaler Str. 25-26 
Fernsprecher: Amt Sleinplatz 9613 
JVLodell^JiUte 
»Ha, Ihr Heuchler, 
Ihr Scheinheiliger. So 
einer seid Ihr. Ein 
Spion, ein Lauscher. 
Pfui! Ich hielt Euch 
für einen Rechtschaffe» 
nen, und nun steht Ihr 
nachts im Walde und 
späht einem ehrlichen 
Weidmann nach, um 
ihn um Gut und Le 
ben zu bringen. Geht 
nur hin und meldet 
Eurem Herrn: Der 
Preibauer hat einen 
Rothirsch geschossen. 
In meinem Hause aber 
laßt Euch nicht wieder 
sehen.« 
Mit wuchtigen 
Schritten ging Gerber 
Auer zu Tal, das Wild 
liegen lassend. Der 
Hegemeister aberstand 
wie vom Donner ge 
rührt. Nichts lag ihm 
ferner wie Spionieren 
und Schleichen. Morgen 
nach dem Maientanz 
wollte er nun um 
Gerda freien, und heute 
verbot ihm der Alte 
das Haus. 
Als der Freibauer 
die Diele betrat, war 
Gerda noch wach. Sie 
saß am Spinnrad, und 
zum Surren der Spindel 
summte sie ein altes 
Liebeslied: »Die Mai 
ennacht hat Lieb ge 
bracht, der Maientanz 
bringt Myrtenkranz.« 
»Schweig, dumme 
Dirn,« donnerte der 
alte Freibauer. »Ha, 
Myrtenkranz. — Den 
Totenkranz kannst du 
morgen flechten. Dein 
sauberes Liebesge» 
sponst, der Hege 
meister, hat mir im 
Walde aufgelauert, wie 
ich ein Wild erlegte, und 
morgen kommen die 
Schergen vom Herren 
schloß und schleppen 
mich zum Peitschen 
tod.« 
Gerda schrie auf 
EDM.WUNSCH 
Spe^iaIhaas/ürfeioe//erreDmadeD 
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und warf sich ihm 
an die Brust. 
Kaum dämmerte 
der Morgen, da blies 
der Wächter vom Burg 
fried den Jagdruf. Der 
Burgherr stand schon 
jm Hofe, und aus 
den Knappenhäusem 
strömten die Knechte. 
Der Hegemeister saß 
mit trotzigem, finsterem 
Gesicht zu Roß und 
peitschte den Falken, 
der sich auf seiner 
Hand eingekrallt hatte. 
Meier Eckebrecht 
hatte wollen bei 
Sonnenaufgang an den 
Waldessaum eilen, um 
den Hirsch zu ver 
graben, und nun hatte 
der Ritter die Morgen 
jagd befohlen. 
Man ritt am Walde 
entlang. Der Koppel 
knecht konnte die 
Meute kaum zügeln, 
so wütend gebärdeten 
sich die Hunde. Da 
befahl der Burggraf 
die Koppel zu lösen, 
und wie ein Sturm 
wind sausten die 
Schweißhunde den 
Hang hinab und zerr 
ten am toten Hirsch. 
»Ha! Hegemeister, der 
erste Frevel!« schrie 
der Ritter. »Seht, ob 
Ihr den Bolzen kennt, — 
und bei Gott, der 
Frevler soll noch heute 
gepeitscht werden.« 
Die Jagdknechte 
hatten bald den Bolzen 
gefunden. Man brachte 
ihn dem Herrn. 
»Der Gerber Auer, 
~ seht, hier ist sein 
Zeichen im Geschoß! 
Er ist des Todes!« 
Am Nachmittage 
war der Freibauer nicht 
mehr unter den Le» 
y benden. 
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| Tbertin, Tbettcuuestrasse, 15 | 
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