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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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„Aber, Papa, wir könnten doch schließlich auch in 
die Krausenstraße ziehen“, sagte Lotte und drückte 
die Spitzen der Zeigefinger in ihre starren Augen. 
Theodor fuhr wie ein 
wütender Hund los: „Die 
hat ’n Vogel! Eh ich zu 
Kreuze krieche - nee! Und 
du auch nich, Papa, das 
tust du doch auch nich — 
was? Vor solchem hoch 
näsigen ollen Knacker? 
Weil ers Eiserne Erster 
hat? Weil er Oberst war? 
Beim Train, glaub ich? 
Gott sei dank haben wir 
keine Obersten mehr! Da 
mit is es Essig! Aber man 
weiß ja: Lottchen kann die 
Uniformen nich vergessen!“ 
„Wenn du mir Gemein 
heiten sagen willst, geh 
wo anders hin!“ 
Vater Schurich sah ganz 
bestürzt auf diesen nie er 
lebten Zusammenstoß: 
„Aber Kinder, Kinder! 
Ihr habt wohl den Verstand 
verloren? Schämt euch 
doch! ln Mutters Gegen 
wart — 
Frau Schurich trat heran: 
„Soll ich dieGardinen fürs 
Schlafzimmer nehmen?“ 
Sie zeigte eine Probe, doch 
niemand achtete darauf. 
Der Vater nahm Theo 
dors Hand. Begütigend 
fuhr er fort: Ihr seid eben 
auch nervös geworden — 
genau so wie ich. Der alte 
Querkopf macht uns alle 
noch ganz rappelig. Ich 
hätte es ja gern vermieden 
— die Lotte ist von Kind 
heit auf an ihn gewöhnt, vor Oberst Warner hat sie 
sozusagen Ehrfurcht — das muß man bedenken, 
Theodor. Anderseits willst du natürlich auf die 
mietsfreie Wohnung nicht verzichten. Aber jel?t heißt 
es biegen oder brechen. Mein Rechtsanwalt ist schon 
beauftragt. Mit Gewalt geh 
ich nicht gegen ihn vor. 
Er soll den Prozeß erleben.“ 
„In allen Instanzen? Bis 
zum Reichsgericht? Und 
was wird inzwischen aus 
uns? Sollen wir vielleicht 
so lange auf die Hochzeit 
lauern?!“ 
Ein Hoffnungsschimmer 
kam in Lottes Augen. Was 
würde der Vater jetjt ant 
worten? 
„Ach so“, erwiderte Herr 
Schurich gedehnt. „Nein, 
euer Glück darf freilich 
nicht darunter leiden. Das 
bringe ich nicht übers Herz. 
Ich werde also eine poli 
zeiliche Verordnung er 
wirken. Kurzer Prozeß ist 
vielleicht am besten. Mein 
Gott, wird einem jefct aber 
alles schwer gemacht!“ 
„Zwanzig Mark für einen 
Scheuerlappen, fünfund 
vierzig für ein Nachtge 
schirr!“ rief die Mutter. 
Lotte verließ das Zimmer. 
Theodor setjfe sich ans 
Klavier und spielte mit wü 
tender Begeisterung die 
„Braut des Lucullus“. Lotte 
sollte es draußen hören. 
E r blieb glücklich. 
Die Nacht brachte ein 
Frühlingsgewitter. Es hing 
hoch über der Stadt, im 
Unendlichen, wo die Sterne 
lächelnd über dem Dunst 
standen. Oberst Warner 
blieb bis drei Uhr am offenen Fenster. Hinter ihm 
war es dunkel, und so fiel seine regungslose Gestalt 
Cicb&r 7rit$! 
Affe Preise steigen ungeheuer, 
auch die Schuhe werden — feiderl — 
teuer. 
Aßer bannst Du deshafh Barfuß faußen? 
Mensch, sei ßeffe, haft Dich ran mit 
Kaufen! 
Tue Gefd in Deinen Beutef rein — 
und dann fix zum Schußhaus 
Leipziger Straße 91 (Hof) / Andreasstraße 58/59 
Joadiimsthaler Straße 6 / Turmstraße 58 / Wil» 
mersdorfer Straße 57 / Belle»AlIiance»Straße 104 
Königsberger Straße 8 / Frankfurter Allee 98 
Juweien.Perlen 
Margraf & Co. 
JUnonler.tr.9 BERLIN T.uemtalewtr. 
Besondere Ankauf-Abteilung.
        
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