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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Er: »Na, warum hast du denn 
den Samthut gekauft, wenn du selber 
sagst, daß du ihn nicht brauchst?" 
Sie: »Wie dumm du fragst! Konnte 
ich denn wissen, daß ich ihn nicht 
brauchte, bevor ich ihn gekauft 
habe?« 
Gott sei Dank, daß sich die weib 
liche Logik immer gleich bleibt, denn 
ohne sie würde das Genie unserer 
Modistinnen nicht die Anerkennung 
finden, die es doch zweifellos verdient. 
sie und ihre Garnierungen verwendet 
wird. Auf den breiten Rändern aus 
Zylindersamt liegen silberne und me 
tallene Blumen, die in ihrer feinen 
Filigranarbeit fast an Arbeiten aus 
der Goldschmiedekunst erinnern, oder 
schmale Ketten verbinden künstlerisch 
ziselierte Ringe, die sich graziös um 
den Hutkopf legen. Wenn diese 
Mode nicht allen Börsen zugänglich 
ist, so gibt es natürlich auch we 
niger kostspielige Nachahmungen, 
bei denen der »Ersatz« nicht minder 
reizvoll wirkt. 
Es grenzt geradezu ans Wunder 
bare, wie viele Melodien sich auf 
einem Leitmotiv, das »Hut« heißt, 
aufbauen lassen! Glocke, Turban, 
Kappe, Mü^e, Tiara, Bischofshut, 
Muschel, Fez, Hugenottenhut, Mus 
ketierhelm, spanischer Sombrero und 
noch viele andere legen Zeugnis für 
den ganz unerhörten Reichtum ab, den 
uns der Herbst an Kopfbedeckungen 
beschert. Und der Schöpferin der 
Leute, die behaupten, die Hüte, 
die wir tragen, blieben sich immer 
gleich, verstehen nichts davon. Jede 
Saison sieht eine neue Saat von For 
men und Garnierungen heranreifen, 
und der Herbst, der diesmal leider 
schon im Sommer begonnen hat, 
zeigt in dieser Beziehung eine be 
sonders gute Ernte. 
Dre Formen werden wieder größer 
und zeigen eine ungewöhnlich pom 
pöse Pracht in dem Material, das für 
Gaßg LIrtger trägt einen modefarßenen Duvetine-Hut. 
Modelt: Ina luscfmer.
        
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