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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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verlobt, Lotte sollte im April heiraten. Ihr Theodor 
aber bekam trotz ernsthafter Bemühungen keine 
passende Wohnung. 
Der Vater mußte Rat 
schaffen. Er tat es mit der 
Umsicht eines gerechten 
Geschäftsmannes. Wenn 
er dieses Bewußtsein nicht 
gehabt hätte .. . Troft- 
dem war der elende Klein 
krieg im eigenen Hause 
entstanden.— 
Solche Sorge in dem 
einst so unbeschwerten 
Herzen, kam Herr Schurich 
auch an dem Morgen in 
sein Haus, da Oberst War 
ner ohne Gruß an dem 
fegenden Portier vorüber 
gegangen war. Beklom 
men betrat er den Torweg. 
Wahrscheinlich lag im Kon 
tor schon wieder ein Brief 
des Alten. Fast täglich 
verdarb er ihm die Arbeits 
freude damit. Es ging 
und ging nicht weiter. 
Dabei war man schon im 
März, und zum ersten 
April hieß es biegen oder 
brechen. 
„Morgen,Liesegang! Ist 
er schon weg?“ 
Obwohl von Oberst 
Warner nichts mehr zu 
sehen war, flüsterte der 
Portier: „Jawohl, Herr 
Schurich. Punkt achte — 
wie immer.“ 
„Hat er was gesagt?“ 
„Keinen Ton. Nich mal 
guten Morgen. Der wird 
immer verrückter.“ 
„Was machen wir bloß, 
Liesegang? Das heißt, es steht ja schon fest. Amt 
lich ist die Sache längst geregelt. Aber der Mann 
sieht das nicht ein — da kann 
ich tun was ich Lust habe.“ 
„Dabei haben Sie doch eine 
schöne Wohnung für ihn?“ 
„Selbstverständlich! In der 
Krausenstraße, drei Treppen, 
bei einem Pfandleiher, zwei 
helle, geräumige Zimmer, gut 
zu heizen — die Tapete hängt 
ein bißchen runter, vielleicht 
waren früher mal Wanzen drin, aber so propper kann 
mans heutzutage nicht mehr haben. Sie kennen mich 
doch, Liesegang. Es würde mir doch nicht einfallen, 
den Mann hier rauszusetzen, wenn ich nicht die ent 
sprechende Wohnung für 
ihn hätte.“ 
„Und er kennt sie wohl 
noch gar nicht?“ 
„Die Wohnung? Nicht 
mal angesehen hat er sie 
sich! Sie kommt für ihn 
nicht in Betracht, sagt er. 
Er hätte nie die Absicht 
gehabt auszuziehen. Er 
will den Kontrakt erneuern. 
Der Mann ist ja verbohrt. 
Daß i c h den Kontrakt 
nicht erneuern will, das 
versteht er nicht.“ 
Liesegang stellte einen 
Fuß auf den Kehricht, so 
daß das Zehnpfennigstück 
nicht mehr zu sehen war. 
In dieser scheinbar freieren 
Pose sagte er lächelnd: 
„Der Mann ist noch ganz 
was andres, Herr Schurich. 
Der hat ja so’n Stolz im 
Leibe — der stinkt ja vor 
lauter Einbildung. Sie 
sollen sich glücklich schät 
zen, bloß weil der Herr 
Oberst bei Ihnen wohnen 
tut. Sie sollen ihm das gan 
ze Haus geben und hinten 
womöglich noch das Lager. 
Ihr schönes Papier, das 
können Sie auf den Hof 
schmeißen.“ 
Liesegang war giftig ge 
worden. Herr Schurich sah 
ihn etwas verändert an — 
dann erwiderte er mit trü 
ber Miene: „Nein, Liese 
gang, er tut mir ja leid. 
Ich würd’ es wahrhaftig 
gern anders machen. Aber der Krach ist unvermeid 
lich. Wer nicht hören will, muß fühlen. Das ist eben 
die Revolution. Orden und 
Titel — alles ganz schön —aber 
es handelt sich um einen ein 
zelnen alten Mann, und meine 
Tochter heiratet. Deshalb hat 
sich das Wohnungsamt na 
türlich sofort auf meine Seite 
gestellt. Neues Leben blüht 
aus den Ruinen,sagt derMann. 
Na, das schien mir nicht 
ganz zu passen, aber die Hauptsache ist : mein Schwie 
gersohn kommt unter. Das ist in meinem eigenen 
Dreß 
Um die Gfieder reckt zu iihen, 
wird keut tüchtig Sport getrieben; 
mögfichst zweckentsprechend sei 
auch die Kfeidung stets dabei. — 
Dauerhaft, feicht im Gewicht, 
häft sie gut und hindert nicht. 
Darum, Sportsmann, präg dir ein: 
Sportschuh nur von 
> Leipziger Straße 91 <Hof> / Andreasstraße 58/59 
x Joadiimsthaler Straße 6 / Turmstraße 58 / Wil» 1 
V mersdorfer Straße 57 / Belle^Alliance* Straße 104 j 
( Königsberger Straße 8 / Frankfurter Allee 98 jl 
J 
Juwelen. Perlen 
nar(§rafdCo. 
JUnonierstr.9 BERLIN 
Besondere Ankauf-Abteilung.
        
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