Path:

Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

11 
Blumensträußchen. 
- Will man ganz 
ländlich, aber des 
wegen noch lange 
nicht schändlich, 
unter freiem Him 
mel vespern, wird 
das großkarierte 
Tischtuch mit dem 
blau-grünen irde 
nen Geschirr be 
nutzt. Sogar die 
Milch prangt im 
braunen Töpfchen. 
Milch, Tee, Schoko 
lade und Kaffee sind 
auch für das Freie 
beliebte Getränke, müssen aber oft den glaeierten Fruchtsäften 
weichen, die in großen Kristallbechern und durchsichtigen Krügen 
unter die grünen Bäume in den friedlichen Garten gebracht werden. 
Wieviele Frauen treiben Sport aus Hygiene und wieviele aus 
Koketterie? Das werden wir wohl nie erfahren. Was aber alle 
Frauen, die Sport treiben, erfahren müßten, ist die Tatsache, daß 
alle Sportarten der Schönheit weiblicher Linien nicht gleichmäßig 
günstig sind. Man mag sich um irdische Eitelkeiten noch so wenig 
bekümmern, es ist immerhin besser, gut als schlecht gebaut zu sein. 
Manche Sportarten entwickeln‘einen Teil des weiblichen Körpers zum 
Nachteil des andern, was recht übel ist. Welchen Sport wir in 
den Ferien treiben sollen? Zuerst den des Ausruhens — mit ganzer 
Hingabe — und dann zum Zeitvertreib den des Angeles, Blumen- 
pflanzens und -pflückens, Gemüseerntens und -essens. Das ist 
gesund, nicht aufregend und »feriengeinäß«. Und vielleicht noch 
den Sport des sich ländlich Anziehens? Aber nur keine Dirndl 
kleider, bitte nicht! 
Die sind fürchter 
lich! Gewiß, es ist 
köstlich, ohne Hut 
im Garten zu sitjen, 
aber man begeht 
eine ernste Unvor 
sichtigkeit, unbe 
deckten Hauptes in 
der prallen Sonne 
zu verweilen. Des 
halb empfiehlt es 
sich für die elegante 
Dame — und wel 
che elegante Dame 
würde ihre Eleganz 
während der Ferien 
ablegen? — mehrere Gartenhüte zu besitzen, die sich den ver 
schiedenen Kleidern anpassen. Für die Kopfbedeckungen ist es 
nicht notwendig, zu den Modistinnen zu gehen. Eine erfinderische 
Frau kann sie sich leicht selber herstellen. Man macht reizende 
Hüte aus — Papier! Fast alle Damen haben, als sie noch kleine 
Mädchen waren, gelernt, Papierzöpfe zu flechten. Die werden wie 
Stroh zusammengenäht, und auf dem fertigen Hut wird eine frische 
Blume angebracht, die jeden Tag erneuert wird. Man kann auch 
Kreppapier nehmen, was sich noch einfacher verarbeiten läßt. Sie 
haben auf diese Weise reizende und außerordentlich leichte Hüte, 
über die Ihnen jeder Komplimente machen wird, meine Damen. 
Papierne Kleider lassen sich allerdings nicht so schnell her 
steilen und wären unter freiem Himmel, wo man sich alle 
Augenblicke ins Gras wirft, auch recht unpraktisch. Aber welche 
Frau hülfe sich nicht in den Ferien mit weißen Stoffen, bunten 
Bändern und Blumen? Trude John.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.