Path:

Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

D/e e/e£a/z/e 
Trau auf ‘R.&ts&n 
Dort 9ICa.rga.rete uon Suttner. 
v 
Vel 
on Großmüttern und Müttern hören wir erzählen, sie hätten 
elegante Frauen gekannt, die mit zwanzig und viel mehr Kleider- 
koffern ins Bad reisten. Adi, wie vernünftig sind heutige Frauen 
dagegen! Oder sieht das nur so aus . . . . ? Lassen sich von den 
modernen Kleidern, die, wenn man aus ihnen herausschlüpft, wie ein 
winziges, formloses Stückchen Stoff auf dem Teppich liegen, eben so 
viele in einen einzigen Koffer packen wie ehedem in ein Dutzend? 
Creme/arßiges Spitzen ft (eid mit ffeisdifarBiger Crepe georgette- 
Sd/ärpe, umsäumt von ßandgenäßten Rosen. 
SSfidite, sdwarze. fanggezogene Gfodte, 
garniert mit grauer Samtwindung. 
Und vor allem: packen wir heute vielleicht doch rationeller ein? 
Gänzlich verfehlt ist heim Einpacken zu große Rücksichtnahme auf 
die Kleider. Je fester sie liegen, desto geringer die Möglichkeit, daß der 
Kofferinhalt herumrutsdit — um so besser. Sorgfalt, größte Sorgfalt ist 
auf das Zusammenfalten der Gegenstände zu verwenden. Es muß 
auf einem großen Tisch (eventuell auf dem Bett) geschehen, und jedes 
Kleidungsstüdc muß in die Falten gelegt werden, die sozusagen die 
organischen Kleiderfalten darstellen. Zwischenlagen von Seidenpapier 
sind überflüssige Spielerei,- zur Schonung heller Kleider werden leichte 
Umhüllen, wie sie auch in den Schränken benützt werden, mit ein 
gepackt ebenso wie einige stoffüberzogene Kleiderbügel, die frisch zu 
parfümieren die elegante Frau nicht vergessen wird,- denn sie weiß, 
daß sie mit einem leidigen Umstand, mit dem schlechten Geruch der 
Schränke, in den Sommerbadeorten zu rechnen hat. 
Aus diesem Grunde gehört zu den kleinen aber wichtigen Reise- 
Utensilien auch der Zerstäuber für das Zimmerparfüm. Er trägt 
nicht weniger dazu bei, den Kontakt zwischen den ungewohnten — 
und häufig recht unwirtlichen — Gegenständen herzustellen, wie das 
gewohnte Kopfkissen, der dreiteilige Frisierspiegel, das Gummitub 
und all die vielen, vielen Toiletteutensilien, die Creme- und Puder- 
büchschen, Tiegelchen und Flakons, deren die elegante Frau zur 
Toilette nun mal nicht entraten kann. 
Ein wahres Arsenal all dieser petits riens, die sich jedoch in ihrer 
Gesamtheit zu einem entscheidenden Faktor zusammenschließen, 
dünckt die elegante Frau unerläßlicher als eine große Anzahl von 
Kleidern. Das klingt sehr paradox, ist aber darum nicht minder 
wahr,- denn niemand kann bestreiten, daß man heute auf Reisen eine 
sehr elegante Figur machen kann trotz geringer Toilettenanzahl,- es 
handelt sich nur darum, gerade »die« Gegenstände zu besitzen, die 
den Nagel auf den Kopf treffen. Meist ist aber das Gegenteil der 
Fall und daher die rühmlichst bekannte Klage (trotz zum Bersten 
voller Koffer): ich habe nichts anzuziehen!
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.