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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

„9a ry“ 
M O D E S 
Berlin W15, Joachimsthaler Str. 25-26 
Fernsprecher: Amt Steinplatz 9613 
Jttodett-Ktite 
Frau. Aber sie har sich 
schnell indieRol'e gefun 
den und die Metamor 
phose vom Kleinstadt- 
kind zur Dame äußerst 
glücklich durchgemacht. 
Ein Album auf dem 
zierlichen Empiretisch 
chen. Ich bin so indiskret, 
einen Blick hineinzuwer 
fen: Nizza, Totalansicht. 
— Wahrhaftig, in Nizza 
haben wir uns ja auch 
kennengelernt. Komisch, 
wie man so etwas ver 
gessen kann! Aber jetzt 
erinnere ich mich: ihr 
Gatte war damals gerade 
geschäftlich in Kopenha 
gen und die Gnädige 
langweilte sich. Unter 
uns gesagt: das war nicht 
der Fall. Aber sie tat 
gern so, als ob Denn 
erstens kann man sich 
in Nizza überhaupt nicht 
langweilen, und am we 
nigsten, wenn einem so 
viel Kavaliere zur Ver 
fügung stehen, wie da 
mals der kleinen Marga. 
Ich blättere weiter: 
St. Moritz. — Ein Bild 
steigt vor mir auf: 
sonniger Wintertag, 
weiße Berge, blauer 
Himmel Der Schnee 
glitzert, daß man die 
Augen schließen muß. 
Auf der Eisbahn wim 
melt es von Sportlern 
aller Art. Die kleine 
Marga ist mitten unter 
ihnen. Ein gestreifter 
Sweater und ein aller 
liebstes Käppchen ma 
chen die frische Erschei 
nung besonders an 
ziehend. Sie läuft Bo 
gen. Ganz schulmäßig 
korrekte Bogen. An 
ihrer Seite mein über 
glücklicher Busenfreund 
stud. nied. von bereits 
elf Semestern. 
Ob ich eifersüchtig 
war? Anzunehmen ist's! 
Denn sie sah tatsächlich 
zu verführerisch aus. 
Und dabei so naiv in 
ihrer Art, den ohnehin 
fußfreien Rock in die 
Höhe zu heben, wenn 
sie den andern Fuß 
hinsetzte. Sie lernte 
nämlich erst. Jene Nai 
vität aber . .. mein Gott, 
der Mensch ändert sich 
nun einmal. 
EDM.WUNSCH 
Spepiafßaus fürfeiaeffcrreawdea. 
JxzSd. U?6J£ippigersfr m / l oj!. 
In Florenz war sie 
übrigens nicht weniger 
schön. Vielleicht etwas 
zu dernier cri, aber die 
Gelegenheit war auch 
danach. Irgend eine 
Redoute, dazu noch 
Modenschau. 
Midi hat sie damals 
wohl nicht erkannt, da 
ich in einer Seitenloge, 
ziemlich gut versteckt, 
saß. Aber mir ist von 
jenem Flirt nicht das 
geringste entgangen, ob- 
gleidi ich weder ernstlich 
in sie verliebt noch von 
anderen Frauen ver 
lassen war. Bemerkens 
wert jedoch blieb, daß 
mein »Elfsemesrriger« 
noch immer an Margas 
Fersen haftete und sich 
scheinbar im Stadium 
»unsterblich« befand. 
Dieser Umstand mag 
dazu beigetragen haben, 
daß ich den ehrgeizigen 
Entschluß faßte, als 
Konkurrent aufzutreten 
und ihm diese bevor 
zugte Stellung streitig 
zu machen, was mir 
dann auch später in 
München — — ach was, 
ich werde doch nicht aus 
der Schule plaudern! 
Nur sonderbar, mein 
elfsemestriger -Doktor« 
— wie er sich nannte — 
schien keinen Neben 
buhler zu fürchten, denn 
seine Liebenswürdigkeit 
mir gegenüber blieb 
trotz vielfacher An 
deutungen nach wie vor 
dieselbe. Wenn er sei 
ner Sache sicher war, 
konnte er mir nur leid 
tun,- denn ich durfte 
mich bald rühmen, an 
die erste Stelle gerückt 
zu sein, obgleich idi 
mir jede Gunst immer 
wieder aufs neue er 
obern mußte, wie auch 
heute z. ß. Aber jede 
Frau hat nun einmal 
ihre Eigentümlichkeiten, 
und schöne Frauen ha 
ben deren oft viele. 
Ob das ein Trost ist? 
Wenn idi doch 
raudien dürfte! Der 
Ascheneimer ist so ver 
lockend unbenutzt! Aber 
so unartig will ich nicht 
sein. Immer etwas 
Diplomat bleiben! Aller- 
(gllllllllllll» ll, il|||l)ii"iill||llMU"i||||iiuuii|||||iiiiiii|||||uinii||||iiuiiii||||iiniiii||||iiiiuii||||iinuii||||||||iiiiii|||||| 
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