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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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,Det scßeenste sind die Beeneßens/’ 
.Aber, Madamkett, der Hund is ujfn Mann dressiert/" 
Aber es sindnur die Angestellten der Tineffolfabrik, die 
riesige Reklameschilder auf dem Rücken tragen und durch 
das Tempo ihrer Bewegung die Vorzüglichkeit des Schlaf» 
mittels demonstrieren wollen. Wenn die zehn Männeken 
vorüber sind, kannst du übern Damm in die Arme des 
Hundehändlers, der dir unter allen Umständen seinen faust» 
großen King»Charles=Bullie=Terrier, mit Stammbaum, für 
nur 3000 Mark andrehen möchte. Dunkel erinnerst du dich, 
vom Abhandenkommen eines solchen Hündchens irgend» 
wo am Kurfürstendamm gelesen zu haben und willst dir 
deinen Mann genauer ansehen. 
Aber das verträgt er nicht. Er 
steckt sein winziges Lebewesen 
in die Tasche und verschwindet 
schleunigst. 
Nun aber endlich rein in die 
Stadtbahn! Doch da hält dich 
ein reizender Anblick auf. Ein 
Schuhputzer an der Arbeit bei 
einem süßen, kleinen Füßchen — 
an einem Beinchen — einem 
Beinchennn . . . Du trittst heran, 
findest, daß dir die Stadtbahn 
nicht wegläuft, und wartest bis 
die Besitzerin dieser reizenden 
Füßchen fertig ist. Hinter ihr 
steht schon ein Herr, der auch 
die Stiefel geputzt haben will. 
Wie er dran ist, lüftest du deinen 
Leßende Rebfame, ein befaßtes Verkehrshindernis. 
Hut und verweist auf die angenehme Kühle in derTelschow» 
sehen Konditorei. Die Süße öffnet den Korallenmund: »Ick 
kann doch nich,- ick bin doch hier bei Onkeln engagiert 
mit zehn Eiern die Stunde. Ick muß meine Beene zeijen, 
damit sich recht ville Herrn die Stiebein putzen lassen.« 
Um Kenntnis eines neuen Erwerbszweiges reicher, wendest 
du dich ab, nunmehr definitiv der Stadtbahn zu. Ja, wenn 
der Zigarettenhändler nicht wäre. »Aliens Orijinalpreise, 
Herr Jraf!« Du trittst heran, ein paar Manoli kannst du ja 
brauchen. Der Biedere padet dein Schächtelchen ein und flü= 
stert,süß nachZwiebeln duftend: 
»Koks, Herr Jraf? Eenen blauen 
det Gramm! Janz unjenniert — 
kleene Probe, Herr Jraf? Möjen 
Se nicht? Photojraphien — allens 
unter sechszehn! Herrenakte? 
Ooch nidi? Sie sind woll Herr 
Brunner?« 
Nun hast du genug. Blind 
hinein ins Gewühl, rein irt die 
Stadtbahn. Und hier findest du, 
eingekeilt zwischen zwei Herren, 
die über Dollars reden, ein süßes, 
blondes Balg, achtzehn Jahre alt, 
Pfirsichhaut, mit einem kleinen, 
niedlichen Näschen und blauen 
Augen: den einzigen, wirk» 
lieh, herzerfrischenden Typ der 
Berliner Straße.
        
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