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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

Deichselstangen des Schiebkarrens aus den kleinen Händen 
nimmt und sich des Besens und der Schaufel bemächtigt. 
Und die Spreestadt, die sich schnell an neue Straßen 
bilder gewöhnt, wird das wiedererwachende Rittertum mit 
Freuden begrüßen und in ihrem Innern denken: Sonder 
bar, daß es immer wieder und wieder Eva ist, die 
Adam den Apfel reicht, wenn er auch diesmal nicht 
vom Baum der Erkenntnis, sondern vom . . . Pferde 
kommt! 
Infolge des Krieges haben die Frauen vielfach ihre 
Gatten, Väter und Brüder ersehen müssen und sich so in 
Berufe eingelebt, in denen das weibliche Geschlecht zu 
sehen man eigentlich nicht gewöhnt war. Apotheke 
rinnen, Studienrätinnen, Medizinerinnen etc., sie alle er 
füllen ihre Pflicht in hohem Grade und werden nicht nur 
von ihren männlichen Kollegen, sondern auch von der 
ganzen Mitwelt sehr hoch Ungeschält. Und wenn man sagt: 
Ein Medizinerkuß, 
das ist ein Hochgenuß 
denn man denkt dabei 
der ist bazillenfrei, 
so wird der Hochgenuß bei dem Kuß einer »Medizinerin« 
wahrscheinlich noch größer sein! Renate. 
Amerikanische Verteidigerinnen. 
er die Entschuldigung einer lieblichen Revolverheldin 
’ollkommen als solche anerkannt: Besagte Dame feuerte 
mf offenem Boulevard einem eleganten Herrn eine Kugel 
n den Kopf, und als sie an den Sterbenden herantrat 
ind zu ihrem Schrecken erkannte, daß es nicht der 
var, für den sie ihn gehalten hatte, beugte sie sich über 
hn und meinte mit ihrer melodischsten Stimme: »Ach, 
intschuldigen Sie bitte, mein Herr, ich glaubte, Sie wären 
Ferdinand . . . !« 
Frauen, die sich dem chemischen und physikalischen 
Berufe widmen, gibt es auch bei uns in Deutschland sehr 
viele, obwohl noch keine von ihnen es zu dem großen 
Ruhm ihrer französischen Kollegin, Frau Curie, gebracht 
hat, die im Verein mit ihrem so tragisch ums Leben ge 
kommenen Gatten (er wurde vor einer Reihe von Jahren 
in Paris von einem Lastwagen überfahren und sofort ge 
tötet) das Radium entdeckte und, auch seitdem sie allein 
arbeitet, der Wissenschaft ungeheure Dienste leistet. 
Wenn wir in Berlin erst solche Straßenarbeiterinnen 
aufzuweisen haben, wie sie New York seit einiger Zeit be 
sitzt, dürfte sich wohl um jeden Schmuljhaufen, der von 
reizender Hand zusammengekehrt wird, eine Korona mon 
okelgeschmückter Gents zusehend — beileibe nicht helfen 
wollend! — einfinden. Denn man könnte nicht gerade 
behaupten, daß die besenbeschwingten, gelblich-braun be 
hosten und schirmbemütjten städtisch angestellten Straßen 
reiniger ein so herzerquickender Anblick wären, wie ein 
paar Mädchengesichter. Wer weiß, vielleicht findet sich 
dann — selbst in Berlin! — doch noch mal hin und wieder 
ein Ritter, der den Schönen sanft aber energisch die 
Amerikanische Straßenarheiterinnen. 
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