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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Sieger, der andere Besiegter sein muß. Man begreift, daß es Abbild 
des Lebens, des Kampfes ums Dasein ist, in dem der Stärkere, 
Klügere, besser Gerüstete die Oberhand behält. 
Sport ist Kampf wie das Leben — und muß Kampf sein, wenn es 
sich und seine Anhänger aufwärts entwickeln will. So ist dem 
Tennis die Leichtathletik zumindest ebenbürtig, wenn nicht gar 
überlegen. Überlegen vielleicht, weil bei ihr der Kampf nicht so 
sehr Selbstzweck ist wie beim Tennis, sondern mehr Mittel zum 
Zweck. Und dieser Zweck ist die Entwickelung and Vervollkommnung 
des menschlichen 
Körpers. Wenn bei 
den olympischen 
Spielen, von denen 
wir durch den Wil 
len der Entente 
ja bis auf weiteres 
ausgeschlossen sind, 
und bei den Deut 
schen Kampfspielen, 
die im Juni dieses 
Jahres zum ersten 
Male stattfinden, 
Zehntausende um 
den Sieg ringen, so 
ist dieses Massen 
aufgebot der besten 
und hoffnungsvoll 
sten Jugend ein 
treffendes, das er 
freulichste Sinnbild 
unserer Zeit 
Wenn Leicht 
athletik in ihren 
vielerlei Abarten 
mit dem End 
ziel betrieben wird, 
eine widerstands 
fähige, kraftvolle 
Jugend zu erziehen, 
so ist sie eins der 
besten, wirkungs 
vollsten Mitte! zuin 
Wiederaufbau un 
serer Volkskraft. Wer dem Sport aus reiner Passion ergeben ist, 
mag vielleicht zurückschrecken vor der ernsten Bedeutung dieser 
Feststellung, die den Sport seines fröhlichen Charakters zu ent 
kleiden und mit schwerwiegender Verantwortung zu belasten scheint. 
Diese Verantwortunng sollen aber nur diejenigen zu tragen haben, 
die an der Spitje unserer großen sportlichen Körperschaften stehen. 
Man muß in diesen Sommertagen einmal einen Blick ins Deutsche 
Stadion im Grunewald werfen und die Massen froher Sportsleute 
sehen, die hier auf Rasen und Laufbahn wie im Wasser des 
Schwimmbassins ihren Körper stählen. Es ist ein nahezu überwäl 
tigendes Bild. Tausende von Jünglingen und jungen Mädchen — 
alle im Badekostüm — bewegen sich hier mit einer erfrischenden 
Zwanglosigkeit. Braungebrannte, in Wind und Sonne abgehärtete 
Körper, blitzende Augen, kraftstro^ende Glieder legen Zeugnis 
davon ab, daß hier ein mannhaftes Geschlecht heranwächst! 
Auf dem grünen Rasen im Innenraum geht noch ein Fußball 
spiel vor sich; etwas reichlich spät eigentlich, denn im Juni sollte 
der Fußballbetrieb längst ruhen. Zwei Flochschulmannschaften 
kämpfen gegeneinander. Aber unsere Fußballzeit dauert — leider! — 
fast immer bis in den Sommer hinein; der Betrieb ist schon zu 
umfangreich geworden! 
Ein wirklicher Sommersport, der aber bedauerlicherweise bei 
uns noch lange nicht die Verbreitung gefunden hat, die er ver 
dient, ist das Kricket. Es ist ein Spiel, in dem zwar das Kampf 
moment nicht so charakteristisch zum Ausdruck kommt wie beim 
Fußball-, Hockey- und Tennisspiel, das aber dank seiner feinen 
Technik ein Sportspiel ersten Ranges genannt werden muß. Den 
großen Wettspielen 
in England, beson 
ders den Prüfungs 
spielen zwischen 
England und Aus 
tralien, den soge 
nannten »test - 
matches«, wohnen 
stets zehntausende 
begeisterter und 
sachverständiger 
Zuschauer bei. 
WachsenderBe- 
liebtheit erfreut sich 
das Golf, tro^d ern 
es ein Spiel ist, 
das, wenigstens in 
Deutschland, nicht 
für die große Masse 
bestimmt zu sein 
scheint, weil es 
ihren Instinkten in 
keiner Weise ent 
gegenkommt. ln 
England bestehen 
mehr als3000Golf- 
klubs, und vorzugs 
weise der mittlere 
Bürgerstand, viel 
fach auch Arbeiter 
kreise sind es, die 
das Spiel neuer 
dings aufgenommen 
haben. Bei uns 
ist das Golf nach wie vor ein Spiel, das von der »Gesellschaft« 
gepflegt wird. In Berlin, in Kiel (Golf-Club Kitjeberg), in Leipzig 
(Golf-Club Gaschwit;), in den großen Badern wie Baden-Baden, 
Nauheim, Homburg v. d. Höhe, in Köln, Hamburg, Bremen usw. 
befinden sich die führenden Klubs. Obwohl eigentlich ein Früh 
jahrs- und Herbstspiel, wird das Golf auch während des Sommers 
betrieben; in den letjten luniwochen fallen bei den Deutschen 
Kampfspielen in Berlin auch die Entscheidungen im Golf. Vor 
läufig ist unser Golfsport, der ja vor dem Kriege schon stark 
international war, wieder ganz national geworden. 
Die Vielseitigkeit des sommerlichen Sports ist mit diesen Aus 
führungen noch lange nicht erschöpft. Rudern, Segeln, Kanufahren. 
Radfahren, Schwimmen und Schießen vervollständigen das umfang 
reiche Gebiet des Sommersports. Auch sie alle sind erfreulicher 
weise in ständiger Entwicklung begriffen und tragen mit dazu bei 
den Siegeszug des olympischen Gedankens, der die körperliche 
Entwicklung der geistigen gleichberechtigt an die Seife gestellt 
wissen will, auch bei uns vollenden zu helfen. 
Münchener Tußhalisport. 
Wettspiefdes Tußha(Thfußs , Wacher'gegen Turnsport- Verein I86o. 
Stadion=Sportfest. 
Die erste Runde aus dem 3ooo-Meter-Mannschafisfaufen.
        
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