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Full text: Berliner Leben Issue 25.1922

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Moment aus einem erstdfassigen Kricüet-Spief. 
Sommerspo 
Von Hanns Gofenius. 
S o schön und kräftigend der winterliche Sport, der Skilauf über 
verschneites Bergland, das mühelose Dahingleiten auf blankem 
Stahlschuh über die gli^ernde Eisfläche auch ist, wirkliche, 
tiefste Freuden und vollste Erholung von Körper und Geist gewahrt 
dem Menschen eigentlich doch nur der Sport des Sommers. Dies 
gilt im besonderen für 
unsere heutige Zeit, 
in der uns ja leider 
immer noch schwere 
wirtschaftliche Nöte 
bedrücken. Deutsche 
Dichter wissen so viel 
Rühmliches vom Win 
ter zu singen und zu 
sagen, und Wohlge 
fühl erfüllt unser Herz, 
wenn wir auf flinken 
Brettern schneeige 
Berghänge erklom 
men haben und 
schauen nun weit 
hinein ins winterliche 
Land. Aber sommer 
liche Sonne, grünende 
Wiesen und Blühen 
i ingsum an Busch und 
Baum sprechen doch 
noch eine eindring 
lichere Sprache zu un 
serem Gemüt, zumal 
wenn wir im schlanken 
Ruderboot der Heimat 
Ströme befahren oder 
wandernd die Schön 
heiten der Natur be 
wundern. 
Wandern und Ru 
dern sind freilich nicht 
j e dermannsSache.Wer 
ober imSommerSport 
treibt, sei es als Ten 
nis- oder Golfspieler 
als Leichtathlet oder 
Wassersportsmann, 
dem ist die Sonne 
treuester Verbündeter 
und immer willkom 
men.Dann gehteshin- 
aus ins Freie, und man genießt die Sonne, als wolle man ihre wär 
menden Strahlen in sich aufspeichern für die nächste Winterzeit. 
Vor allem beim Tennis, das ein rechter Sommersport ist, kann 
man unglaublich viel Sonne vertragen. Ich erinnere mich anTurniere 
im Hochsommer, auf denen in praller Mittagssonne fünf und mehr 
harte Sä£e gespielt 
wurden und der heiße, 
in jeder Phase span 
nende Kampf sowohl 
Spieler wie Zuschauer 
alle Anstrengungen 
vergessen ließ. Denn 
auch das Zuschauen 
kann anstrengend sein, 
besonders bei mTennis, 
wenn der Ball immer 
wieder in monotonem 
Gleichmaß über das 
Ne§ fliegt und keiner 
der Gegner von ge 
nügender Angriffslust 
beseelt ist, um den 
entscheidenden Schlag 
zu wagen. 
Stehen sich aber 
zwei Meister gegen 
über, so bekommt man 
manchmal höchste 
sportliche Kunst zu 
sehen. Kein Sicher 
heitsspiel, bei dem 
der Ball von einer 
Grundlinie zur an 
deren fliegt, als ziehe 
ihneine Gummischnur 
hin und her, sondern 
fein durchdachtes An 
griffsspiel, Vorgehen 
ansNe^, Flugbäl je und 
Schmetterschläge, 
Spiel des Taktikers 
gegen den Drauf 
gänger. Dann erkennt 
man erst des Tennis 
wirkliches Wesen und 
sieht, daß es mehr ist 
als nur ein Spiel, in 
dem einer der Gegner 
Vom ,Rot=Weiß“^Turnier im Grunewafd. 
Rahe und Krißhen im Doppefspieß ohne Vorgaße.
        
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